Der in Wien lebende Ex-Chef des kasachischen Geheimdiensts KNB, Alnur Mussajew, erhebt schwere Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump. Dieser sei 1987 in Moskau unter dem Pseudonym „Krasnow“ für den KGB angeworben worden, so Mussajew. Russische Experten sehen Mussajews Erklärung skeptisch.
Offiziell habe er 1987 in einer Objektschutzabteilung der sowjetischen Polizei gearbeitet, dorthin sei er jedoch als Mitarbeiter der sechsten Verwaltung des sowjetischen KGB beordert worden, die damals für Spionageabwehr in der Wirtschaft zuständig gewesen sei, erläuterte Mussajew in einem Telefonat mit der APA. Als Mitarbeiter dieser Abteilung des KGB sei er damals während eines Moskau-Aufenthalts des damaligen US-amerikanischen Geschäftsmannes Donald Trump in dessen Anwerbung involviert gewesen.
„Konkret habe ich Orte gecheckt, wo es mit ihm zu Treffen kommen sollte, Ein- und Ausgänge überprüft, geklärt, welche Menschen dort auftauchen könnten und ob es amerikanische Diplomaten sein könnten“, erzählte er. Konkret nannte er das Hotel Moskau in Moskau als einen der Orte, die für die damalige Operation eine Rolle gespielt hätten.
Mussajew: Drei oder vier Bände mit KGB-Informationen über Trump
Über Trump sei dem KGB eine „große Anzahl“ an Informationen vorgelegen, den involvierten Mitarbeitern der sechsten Verwaltung seien zur Vorbereitung der Operation drei oder vier dicke und als „streng geheim“ klassifizierte Bände gezeigt worden. Darunter seien auch Angaben aus sozialistischen Bruderstaaten gewesen. Inzwischen werde die Personalakte von „Krasnow“ privat von einem engen Mitarbeiter Putins verwaltet.
„Ich kann mich auch an die genaue Phrase aus den Erzählungen im Büro nicht erinnern. Aber der Eindruck der Mitarbeiter, die mit ihm unmittelbar zu tun hatten, war, dass Trump sehr gerne diesen Kontakt aufnahm und dies als hohe Bewertung seines Wissens sowie seiner Persönlichkeit erachtete“, sagte Mussajew, ein ehemaliger Mitstreiter des in einer seiner kasachischen Heimat in Ungnade gefallenen Geschäftsmanns und Diplomaten Rachat Aljiew.
Letzterer starb 2015 in einer Gefängniszelle in Wien. Mussajew selbst wurde kurze Zeit später in einem Prozess, der sich um Vorwürfe von Entführung und Mord in Kasachstan drehte, vom Wiener Straflandesgericht freigesprochen. In Kasachstan war er bereits 2008 unter anderem wegen Wirtschaftsdelikten in Abwesenheit zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden.
Skepsis russischer Experten
Beweise für seine Behauptungen zu Trump legt der Kasache nicht vor. Er wollte auf explizite Nachfrage auch nicht die Namen jener Offiziere nennen, die unmittelbar die Anwerbung durchführten. „Mit manchen Kollegen bin ich noch in Kontakt und sie haben keine Freude mit dieser ganzen Situation“, begründete Mussajew. Auch seien diese Informationen zur Anwerbung von Trump bereits vor einiger Zeit dem US-amerikanischen Sonderermittler Robert Mueller vorgelegen, Mitarbeiter der sechsten Verwaltung hätten mit der damaligen Untersuchung gegen Trump Kontakt gehabt.
Zweifel an Mussajews Behauptungen äußern indes russische Experten. „Seine Erklärungen wirken wie eher wie eine persönlich motivierte Spekulation als ein historisches Faktum. Ohne zusätzliche Beweise darf man ihm nicht glauben“, schrieb der auf Zentralasien spezialisierte Journalist Daniil Kislow am Samstag auf Facebook.
Ex-Geheimdienstler kann kein Dokument zu Zeit bei KGB vorlegen
Aber auch der im britischen Exil lebende russische Geheimdienstexperte und Sachbuchautor Andrej Soldatow sieht Musajews Darstellung skeptisch: Es gebe keine Spuren, dass dieser je in der Moskauer KGB-Zentrale gearbeitet habe, begründete Soldatow. Mussajew erklärte, dass kein Dokument vorlegen könne, dass seine Mitarbeit in der sechsten Verwaltung in Moskau belege. „Das findet sich nur in meinem Personalakt (in Kasachstan und Moskau, Anm.)“, sagte er.
Vorwürfe gegen Trump nicht neu
Die Vorwürfe, Trump könnte ein Spion Russlands sein, sind indes nicht neu. Der ehemalige KGB-Spion Yuri Shvets, der in den 1980er-Jahren von der Sowjetunion nach Washington entsandt wurde, berichtete gegenüber dem britischen „Guardian“ bereits 2021, dass Trump über 40 Jahre lang als russischer Agent aufgebaut worden sei. Er habe so bereitwillig antiwestliche Propaganda nachgeplappert, dass man ihn dafür in Moskau gefeiert habe, hieß es.
Demnach erwog Trump bereits kurz nach seinem ersten Besuch in Moskau 1987 eine Kandidatur für die Republikaner und hielt sogar eine Wahlkampfveranstaltung in Portsmouth, New Hampshire, ab. Am 1. September schaltete er eine ganzseitige Anzeige in mehreren US-Zeitungen mit der Überschrift: „Es gibt nichts, was an Amerikas Außen- und Verteidigungspolitik falsch ist, was ein wenig Rückgrat nicht heilen könnte.“
In Ronald Reagans Amerika des Kalten Krieges, habe Trump darin Japan beschuldigt, die USA auszubeuten, und seine Skepsis gegenüber der Beteiligung der USA an der NATO zum Ausdruck gebracht. Die Anzeige hatte die Form eines offenen Briefes an das amerikanische Volk, in dem es darum ging, „warum Amerika nicht mehr für die Verteidigung von Ländern zahlen sollte, die es sich leisten können, sich selbst zu verteidigen“. Die Ähnlichkeit zu heutigen Aussagen Trumps ist verblüffend.
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