Die von Zecken übertragene Infektion mit Frühsommer-Meningoenzephalitis entwickelt sich immer mehr zu einer „Ganzjahresinfektion“. Die Zahl der Menschen, die mit FSME im Krankenhaus behandelt werden mussten, ist im Vorjahr wieder gestiegen.
2023 waren es noch 104, 2024 bereits 158 Hospitalisierte, macht der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller aufmerksam. Laut der Virusepidemiologischen Information (VEI) des Zentrums für Virologie der MedUni Wien gab es allerdings in den Pandemiejahren 2020 und 2022 deutlich mehr Spitalsbehandlungen (siehe Grafik unten).
Im vergangenen Jahr hat es laut dem Verband der Impfstoffhersteller wieder viele potenziell vermeidbare, schwere FSME-Fälle gegeben, vor allem bei Personen über 50 Jahre. Auch einige Kinder sind – entgegen der Annahme vieler, dass Kinder keine schweren Verläufe haben – so schwer erkrankt, dass sie hospitalisiert werden mussten. „Alles in allem eine mittelschwere Bilanz, die vermutlich besser hätte ausfallen können“, bilanziert der Verband und appelliert an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen.
„Wie hoch die Infektionszahlen wirklich sind, ist nur schwer abschätzbar“, weist Rainer Gattringer, Ärztlicher Leiter und Primar am Institut für Hygiene und Mikrobiologie am Klinikum Wels-Grieskirchen, auf eine Dunkelziffer hin. „Wahrscheinlich gibt es wesentlich mehr FSME-Erkrankungen als diese Zahlen glauben lassen. Sie verlaufen aber glücklicherweise glimpflicher und werden meist gar nicht als solche erkannt. Für die Betroffenen fühlen sie sich oft eher wie eine Grippe an“, so Gattringer.
„Jahreszeitlich praktisch nie auf der sicheren Seite“
Wie schon in den vergangenen Jahren ist Oberösterreich wieder Spitzenreiter bei den FSME-Fallzahlen. Mit 49 hospitalisierten Patientinnen bzw. Patienten führt das Bundesland die Rangliste vor der Steiermark mit 22 und Salzburg mit 19 Fällen an. Die meisten Erkrankungen gab es wie bisher in den warmen Sommermonaten. Ungewöhnlich war allerdings, dass der Höhepunkt der Erkrankungen schon im Juni mit 48 Fällen stattfand. Die erste FSME-Erkrankung wurde im März registriert, die letzte im Dezember. „FSME entwickelt sich also mehr und mehr zur Ganzjahreserkrankung“, betonte Gattringer. „Jahreszeitlich auf der sicheren Seite ist man also praktisch nie. Das gilt übrigens auch für den Ort, an dem man sich befindet. Ganz Österreich gilt als Endemiegebiet, die Hotspots ändern sich laufend.“
Über die Hälfte der dokumentierten FSME-Patienten (53 Prozent) erkrankt schwer – mit gefährlichen Folgen wie Hirnhaut- oder Rückenmarksentzündung. „Im schlimmsten Fall bleiben Schäden für immer“, warnt Experte Gattringer. Immerhin: 2024 gab es – wie schon 2023 – keinen Todesfall.
Impfung schützt
Eine FSME-Impfung kann schwere Erkrankungen verhindern. Die Grundimmunisierung umfasst drei Teilimpfungen, die erste sollte am besten im Winter erfolgen. Auffrischung: nach drei Jahren, dann alle fünf – außer für über 60-Jährige, die alle drei Jahre impfen müssen.
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