Bis an sein Lebensende war Kaiser Franz Joseph seiner attraktiven Ehefrau „Sisi“ verfallen. Seine schönsten Stunden erlebte er jedoch im gemütlichen Salon seiner Freundin, der Schauspielerin Katharina Schratt. Der Kaiser versprach, sich zu „beherrschen“, tat sich damit aber schwer.
Es gab in Kaiser Franz Josephs Leben nur eine Frau, die er liebte – und das war seine Ehefrau, Kaiserin Elisabeth. Es gab in seinem Leben aber auch eine Frau, bei der das fand, was ihm seine Ehefrau nicht geben konnte – Zweisamkeit, Gemütlichkeit und heitere Stunden, die ihn den Regierungsalltag vergessen ließen –, und das war die Schauspielerin Katharina Schratt, seine „liebe, gute Freundin“, wie er sie nannte.
Franz Josephs Entscheidung im Sommer 1853, die bildhübsche, schüchterne Prinzessin Elisabeth in Bayern zur Frau zu nehmen und keine andere, war die einzige „Bauchentscheidung“ seines Lebens. Der nüchterne junge Mann, der sich in seinen Entscheidungen niemals von persönlichen Gefühlen leiten ließ, heiratete ein junges Mädchen, die in allem das komplette Gegenteil von ihm selbst war. Elisabeth war temperamentvoll, ließ sich von Gefühlen leiten und war träumerisch veranlagt. Franz Joseph war fantasielos, nüchtern und stand mit beiden Beinen fest im Hier und Jetzt.
Die ersten Ehejahre verliefen noch für beide Seiten glücklich. Das junge Paar war einander innig zugetan, wenn sich auch schon früh zeigte, dass Kaiser Franz Joseph den Erwartungen seiner Frau kaum zu entsprechen vermochte: Weder konnte er ihr so viel Zeit widmen, wie sie wünschte, noch verstand er ihre intellektuellen Ambitionen. Mit den ersten schweren Krisen bekam die Ehe Risse. Der Tod der ersten Tochter im Kleinkindalter stürzte Elisabeth in eine psychische Krise, aus der sie nur schwer herausfand.
Meine süße, geliebte Seele.
Kaiserin Elisabeth war die große Liebe von Kaiser Franz Joseph.
Die Kaiserin suchte eine Freundin für ihren Ehemann
Sisis Abneigung gegen ihre Schwiegermutter, die Wiener Hofgesellschaft und ihre Pflichten als Kaiserin belasteten die kaiserliche Ehe zusätzlich. Im Alter von dreiundzwanzig Jahren brach Sisi aus dem sie beengenden Umfeld aus: Sie floh nach Madeira, vor dem Wiener Hof, ihrem Ehemann und wahrscheinlich auch vor sich selbst. Nach jahrelanger Abwesenheit kehrte sie als neue, selbstbewusste und wunderschön Frau zurück.
Elisabeth lebte zunehmend ein Leben, das ausschließlich auf sie selbst ausgerichtet war und beschränkte ihre Pflichten als Kaiserin auf ein Minimum. An einem traditionellen Familienleben war sie nicht mehr interessiert, stattdessen zog sie es vor, zu reisen. Durch Elisabeths Verweigerung wurde Franz Joseph nicht nur um ein traditionelles Familienleben, sondern auch um jedes ungezwungene Miteinander gebracht.
Denn niemand außer der Kaiserin durfte es wagen, so frei wie sie mit dem Kaiser zu sprechen. Jeglicher vertrauter Umgang war damit ausgeschlossen. Trotz allem liebte Franz Joseph seine Ehefrau wie am ersten Tag. In unzähligen Briefen – die Kaiserin war seit ihrem vierzigsten Lebensjahr vorwiegend auf Reisen –, fragte er sie, ob sie ihn noch „ein bisschen lieb“ habe, ob sie ihn ein wenig vermisse und wann sie wieder einmal heimkommen würde.
Die Ehefrau übertrug der Freundin die Verantwortung für den Ehemann
Kaiserin Elisabeth erkannte, wie sehr ihr Mann vereinsamte und handelte, wenn auch für eine Kaiserin eher ungewöhnlich: Sie suchte für ihren Ehemann eine Freundin. Eine, die genau das hatte, was sie nicht besaß: die Fähigkeit und den Willen, den Kaiser durch leichte und humorvolle Konversation zu unterhalten, ihm gemütliche Stunden jenseits der höfischen Zwänge zu bereiten.
Die Kaiserin fand diese Frau in der Schauspielerin Katharina Schratt. Diese stammte aus dem Kurort Baden bei Wien, hatte bereits eine beachtliche Karriere hinter sich und war 1883 an das Hofburgtheater engagiert worden. Elisabeth hatte bemerkt, dass ihr kaiserlicher Gatte auf die hübsche Frau Schratt ein Auge geworfen hatte, und so initiierte sie diese besondere Beziehung. Die Hofburgschauspielerin wurde mit offiziellem Sanctus die „liebe, gute Freundin“ des Kaisers von Österreich – und übernahm damit de facto für Elisabeth die Rolle der umsorgenden Gefährtin.
Was wünschte sich der mächtige Kaiser: Tratsch und Gugelhupf
Die Hofgesellschaft und die Öffentlichkeit wunderten sich zwar über die ungewöhnliche Liaison und der Tratsch blühte, dennoch wurde nicht gehässig darüber geredet. Denn einerseits hielt Elisabeth ihre schützende Hand über diese Freundschaft, andererseits gönnte man dem Kaiser, dem bereits im mittleren Alter „nichts erspart“ blieb, seine gemütlichen Kaffeebesuche bei „der Schratt“.
Über die Intensität der Beziehung wurde damals – und wird bis heute – spekuliert, ebenso darüber, wie weit die Intimität zwischen dem Kaiser und der Schauspielerin gereicht haben mochte. Einige Briefstellen in der erhaltenen Korrespondenz lassen vermuten, dass die Freundschaft, zumindest eine Zeitlang, nicht nur platonisch war.
Sie sagen, dass Sie sich beherrschen werden, auch ich werde es tun, wenn es mir auch nicht immer leicht wird, denn ich will nicht Unrechtes tun. Ich liebe meine Frau und will ihr Vertrauen und ihre Freundschaft für Sie nicht missbrauchen.
Der Kaiser in einem Brief an Katharina Schratt, 1888
Mit der Hilfe Kaiser Franz Josephs, der seiner lieben, guten Freundin gegenüber finanziell äußerst großzügig war, konnte sich die Schauspielerin eine Villa in unmittelbarer Nähe von Schloss Schönbrunn, ein Ferienhaus im Salzkammergut und einen luxuriösen Lebensstil leisten, der es ihr ermöglichte, ihren kaiserlichen Gönner standesgemäß zu empfangen. Und der kam so oft wie möglich in der Früh auf Kaffee und Gugelhupf zu Besuch und genoss die Zeit mit seiner unkomplizierten und charmanten Freundin, ebenso wie den regen Briefwechsel mit ihr.
Gerüchte um eine heimliche Ehe entbehren jeder Grundlage
Die Freundschaft zwischen dem Kaiser und der Schauspielerin hielt bis zum Tod Franz Josephs an. Heimlich verheiratet waren der Kaiser und die Schauspielerin nie, allen wiederkehrenden Spekulationen zum Trotz. Nicht nur hätte eine heimliche, unstandesgemäße Ehe allem widersprochen, wofür der Kaiser stand – er hätte wohl kaum seine Familienmitglieder wegen ihrer unstandesgemäßen Ehen bestraft, nur um dann selbst eine einzugehen –, es gibt es auch Indizien, die gegen diese Theorie sprechen.
Als eines davon mag der letzte Brief des Monarchen an seine gute Freundin gelten, den er am 4. April 1915 schrieb: „Gott erhalte und beschütze Sie mir in diesen schweren Zeiten und erhalte mir Ihre Freundschaft“. Schreibt man so seiner Ehefrau? Die Zeiten, in denen sich die Ehepaare des Kaiserhauses gesiezt haben, waren seit dem 18. Jahrhundert vorbei.
Katharina Schratt sollte ihren kaiserlichen Freund um 24 Jahre überleben. Aus ihrer Vergangenheit schlug sie nach seinem Tod kein Kapital, trotz hoch dotierter Angebote. Das Geheimnis ihrer Freundschaft zum Kaiser nahm sie mit ins Grab.
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