Kleine Ursache, verheerende Wirkung: Der Großbrand eines Wohnwagen-Centers in St. Marein bei Graz am Donnerstagabend wurde von der defekten Batterie eines abgestellten Kundenfahrzeugs ausgelöst, wie man nun weiß. Nicht weniger als 80 Wohnwagen wurden ein Raub der Flammen.
Das Inferno hinterließ apokalyptische Spuren, sagt Anton Schildberger, der Bruder der Seniorchefin. „Vieles ist komplett verbrannt, übrig geblieben sind Metallskelette und geschmolzene Motorblöcke.“ Der Schaden lässt sich noch nicht exakt beziffern, bewegt sich aber im Millionenbereich.
Spendenaktion der Feuerwehr
Neben den materiellen Verlusten ist auch das menschliche Leid erheblich. Für die betroffene Unternehmerfamilie hat die Freiwillige Feuerwehr Petersdorf II bereits am Tag nach der Katastrophe eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Auf Facebook wird weiterhin zur Unterstützung der Familie aufgerufen, „die nach 30 arbeitsintensiven Jahren vor dem Nichts steht“.
Mehr als 200 Feuerwehrleute von 20 Feuerwehren aus der Umgebung waren vor Ort, um noch Schlimmeres zu verhindern. Drei Kameraden mussten im Zuge des gefährlichen Einsatzes medizinisch versorgt werden – nicht wegen Rauchgasvergiftungen, sondern aufgrund der hohen körperlichen Belastung, sagt der Petersdorfer Kommandant Gottfried Hofer. Sie haben sich mittlerweile von den Strapazen erholt.
Dank an Helfer trotz schwerem Schock
Der schwer geschockten Familie ist es ein Anliegen, den Helfern ihren Dank auszusprechen, sagt Schildberger, der seit Tagen bemüht ist, Schwester, Schwager, Neffen und die weiteren Angehörigen zu unterstützen.
Das Feuer ging laut Polizei von einem in einer Werkstätte abgestellten Wohnmobil aus, das erst kurz zuvor von einem Kunden zum Service auf das Areal gebracht worden war. Ein Batterie-Defekt löste eine fatale Kettenreaktion aus, die Flammen griffen rasch auf Wohnhaus, Werkstatt und Halle über. Brenzlig war der Einsatz auch wegen mehrerer am Gelände lagernder Gasflaschen, die aus dem Gefahrenbereich gebracht werden mussten. Bereits kurz nach Eintreffen der ersten Feuerwehren war es zu einer Rauchgasdurchzündung mit enormer Hitzeentwicklung gekommen.
Juniorchef und Jungfamilie obdachlos
Das gegenüber liegende Wohngebäude der Seniorchefs Heidi und Reinhard Stöckl konnte durch den Großeinsatz gerettet werden. Dort hat nun Sohn Stefan mit seiner Familie vorübergehend Obdach gefunden. Mit Partnerin Marie und der einjährigen Tochter Milena musste er seine ausgebrannte Wohnung aufgeben. „Es ist nichts mehr da“, berichtet Schildberger betroffen.
Welle der Hilfsbereitschaft
Eine im Untergeschoß eingemietete Jungfamilie hat kurzerhand von der Gemeinde Kirchbach eine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen. Überhaupt ist die Hilfsbereitschaft enorm: Nachbarn kochen, bringen Kinderkleidung vorbei. Zwei Tage lang hat das Gasthaus Grabenmühle aus Maria Lankowitz Essen geschickt – ohne jemals zuvor mit dem Wohnwagen-Center zu tun gehabt zu haben. Und auch seitens der auf ganz Österreich verteilten Kundschaft gibt es zahlreiche Hilfsangebote, sagt Schildberger. Die Firma mit ihren 15 Mitarbeitern sei „kein Betrieb, sondern eine richtige Familie“ und ein beliebter Arbeitgeber, erklärt er die große Anteilnahme.
Spendenkonto Stöckl
AT63 3825 2002 0202 4024
Raiffeisenbank Nestelbach-Eggersdorf
Betrieb soll fortgeführt werden
Die Frage nach der Zukunft des Unternehmens konnte in den wenigen Tagen seit dem Schock noch nicht geklärt werden. „Es ist ein Lebenswerk, das 1996 mit einer Garage begonnen hat – alles selbst finanziert. Von heute auf morgen ist alles unverschuldet in Schutt und Asche gelegt worden.“ Ziel der Stöckls ist es, den Betrieb fortzuführen und alle Mitarbeiter zu behalten. Erste Überlegungen gibt es bereits: Einige der nicht vom Feuer erfassten Fahrzeuge könnten noch verkauft werden, man werde sich wohl auf die Suche nach einer geeigneten Werkstatt in der Nähe begeben. Im Vordergrund steht vorläufig aber weiterhin, den gewaltigen Schock der Vorwoche zu verdauen.
Kommentare
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.