Wien kämpft mit einer Welle der Jugendkriminalität. Oft sind die Täter junge Zuwanderer. Wie soll man dieser Gruppe Herr werden?
Erst vor wenigen Tagen schlug die Polizei wegen Jugendbanden Alarm. Das Innenministerium hat dazu im Vorjahr eine eigene Sondereinheit ins Leben gerufen. Das Ergebnis: Tausende Anzeigen. Was auffällt: Überproportional viele Tatverdächtige sind minderjährig und haben Migrationshintergrund.
Stadtregierung wagt Vorstoß
Was also gegen diese Gruppe unternehmen? Viele fordern eine Herabsetzung des Alters für Strafmündigkeit. Wiens Stadtregierung spricht sich klar dagegen aus, aber die NEOS haben bereits im Vorjahr Erziehungscamps ins Spiel gebracht – außerhalb von Wien, in denen ein pädagogisches Programm angeboten wird.
„Wissen, dass ihnen nichts passiert“
Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) räumte kürzlich die Notwendigkeit solcher Maßnahmen ein, warnte aber vor reflexartigen Rufen nach strengeren Strafen. Diese Kinder seien, so Ludwig, nicht mehr einfach durch herkömmliche Maßnahmen in Wohngemeinschaften zu erreichen. Sie entziehen sich Betreuung, ignorieren Regeln – und treffen auf Lücken in einem System, das auf Freiwilligkeit und Kooperation setzt. „Diese Kinder wissen oft, dass sie nicht angehalten werden dürfen – das macht sie schwer kontrollierbar“, erklärt Ludwig. Er unterstützt den Vorschlag von verpflichtenden, überwachten Einrichtungen für jugendliche Straftäter. Kinder werden dort in geschützten Settings zur Einhaltung von Regeln angehalten.
„Nicht gleich zu Brot und Wasser verdammen“
In die gleiche Kerbe schlägt Wissenschafter Johannes Huber: „Wir müssen diese Kinder aus ihrem Umfeld, das häufig von Gewalt geprägt ist, herausbekommen. Wir müssen den Kindern ein anderes, besseres Leben zeigen. Ob das mit der Familie geht, daran habe ich Zweifel. Wenn wir durch die Herabsetzung eine gesetzliche Möglichkeit haben, um diese Kinder aus ihrem Umfeld herauszuholen, dann ist das durchaus sinnvoll. Man muss sie ja nicht gleich zu Wasser und Brot verdammen.“
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