US-Chatgruppen-Skandal

Trump beschimpft jetzt Europäer als „Schmarotzer“

Außenpolitik
26.03.2025 10:53

US-Präsident Donald Trump (78) hat in einer Debatte über eine Sicherheitspanne in einem Gruppenchat ranghoher Regierungsvertreter auf tiefem Niveau über die Europäer geschimpft. In den Schmutz gezogen hat der Republikaner außerdem jenen Journalisten, der versehentlich zu der Unterhaltung eingeladen worden war.

Mitte März hatten sich US-Regierungsvertreter in einer Chatgruppe über geplante Angriffe auf die Houthi ausgetauscht, die darauf abzielen, die Attacken der Islamisten auf Handelsschiffe im Roten Meer zu beenden. Diplomatisch ging es dabei weniger zu – die europäischen Verbündeten der USA wurden dabei regelrecht niedergemacht. Ein Nutzer, der sich als JD Vance identifizierte, bekundete seinen Widerwillen, die Houthi anzugreifen, da dies aus seiner Sicht vor allem „den Europäern“ nutze. Hegseth lästerte, die Europäer seien „erbärmlich“ und „Schnorrer“.

Am Dienstag goss Trump gegenüber Reportern noch mehr Öl ins Feuer. Er bekundete, die Einschätzung seines Verteidigungsministers Pete Hegseth zu teilen. „Ja, ich denke, sie haben schmarotzt“, spottete Trump. „Die Europäische Union hat sich uns gegenüber in Handelsfragen absolut schrecklich verhalten.“

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Ja, ich denke, sie haben schmarotzt. Die Europäische Union hat sich uns gegenüber in Handelsfragen absolut schrecklich verhalten.

(Bild: EPA/YURI GRIPAS / POOL)

Donald Trump

Aber auch der Chefredakteur des Magazins „The Atlantic“, Jeffrey Goldberg, der irrtümlich in die Chatgruppe im Messengerdienst Signal eingeladen worden war, kam nicht ungeschoren davon. Goldberg sei ein „Widerling“, niemand „schere sich einen Dreck“ um die Enthüllungen. Es seien ohnehin keine als Verschlusssache eingestuften Informationen in dem Chat geteilt worden, bagatellisierte Trump. Er sprach von einem „Ausrutscher“ ...

Der Chefredakteur von „The Atlantic“ Jeffrey Goldberg bei einer Fragerunde mit der Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi im Jahr 2019 (Bild: AP/Alex Brandon)
Der Chefredakteur von „The Atlantic“ Jeffrey Goldberg bei einer Fragerunde mit der Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi im Jahr 2019

Waltz nimmt Schuld „unverbindlich“ auf sich
Trumps Nationaler Sicherheitsberater Mike Waltz übernahm unterdessen die „volle Verantwortung“ für die Sicherheitspanne, wie er selbst sagte. „Ich habe diese Gruppe gegründet“, erklärte er am Dienstag in seinem ersten Interview seit Bekanntwerden der Vorfälle im Sender Fox News.

Waltz ließ zudem durchblicken, dass die Nummer des Journalisten möglicherweise in seinem Telefon gespeichert sei, weil er gedacht habe, es sei die Nummer von jemand anderem. Er kenne „The Atlantic“-Chefredakteur Goldberg nicht persönlich. Trump deutete an, dass womöglich einer von Waltz‘ Mitarbeitern schuld daran sei, dass Goldberg in die Chatgruppe aufgenommen wurde.

Mike Waltz muss sich derzeit wohl in seinem schlimmsten Albtraum gefangen fühlen. (Bild: AFP/MANDEL NGAN)
Mike Waltz muss sich derzeit wohl in seinem schlimmsten Albtraum gefangen fühlen.

Demokraten warnen vor Zerschlagung von zu viel Porzellan
Die oppositionellen Demokraten riefen Waltz und Hegseth wegen der Sicherheitspanne zum Rücktritt auf. Der demokratische Senator Mark Warner warf ihnen „schlampiges, nachlässiges und inkompetentes Verhalten“ vor.

Er warnte besorgt vor einer Entfremdung der USA von ihren Bündnispartnern. Angesichts der Leichtfertigkeit von US-Regierungsmitgliedern gehe das Vertrauen der mit Washington verbündeten Staaten „über Nacht verloren“, zeigte sich der Vizechef des Geheimdienstausschusses im US-Senat am Dienstag in einer Anhörung in der Kongresskammer aufgebracht. „Hochrangige Regierungsvertreter“ würden „Europa durch den Dreck ziehen“, stellte Warner mit Blick auf die Bemerkungen von Vance und Hegseth fest.

Der Senator drückte im Kongress auch seine Befürchtung um die Zukunft der Geheimdienstallianz „Five Eyes“ aus, in der die USA seit Jahrzehnten mit Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland zusammenarbeiten. Die Vereinigten Staaten seien bei der Sammlung von Daten auch auf „zahlreiche Verbündete“ angewiesen, die „Zugang zu Quellen haben, über die wir nicht verfügen“. Die dafür nötigen Beziehungen seien jedoch „nicht in Stein gemeißelt“.

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