Der Rallye-Sport ist nach FIA-Exzessen um die eigenen Benimmregeln in Aufruhr. Die heimischen Asse müssen im Rebenland aber keine Strafen überzogenen fürchten, versprechen die Offiziellen. Die Rallye verlangte am Freitag den Fahrern aber auch so alles ab.
Das Rebenland wurde am Freitagnachmittag zum Start der Rallye zum „Regenland“. Schirme und Gummistiefel waren treue Begleiter hart gesottener Fans in und um Leutschach, wo Bratwurst und Spritzer trotz Sauwetters mit südsteirischem Charme serviert wurden: „Des bisl Wasser halt’ ma aus. Und für die Rallye is’ es super“, hieß es am Standl unweit des Starts.
Weil Nässe die harte Arbeit der Asphaltkünstler noch herausfordernder machte, waren Scheibenwischer und Regenreifen deren beste Freunde. Und Veteran Günther Knobloch bekam angesichts der Wetterprognose und seiner „Heckschleuder“ schon am Donnerstagabend mitleidige Schulterklopfer von Kollegen, die zahlreich erschienen waren, als Peter Hopf (Organisator Judenburg-Rallye und ORM2-Ass) in den Knappenhof lud.
FIA-Exzess verärgert alle
Gesprächsthema allerorts: Die 10.000-Euro-Strafe gegen Adrien Formaux beim WM-Lauf in Schweden und der darauffolgende Interviewboykott der Fahrer am vergangenen Wochenende in Kenia. Weil der Franzose in einem kurzen TV-Statement in einem selbstkritischen (!) Satz das englische F-Wort benutzt hatte.
Da habe ich geflucht und mit dem Fuß gegen eine Mechanikerkiste getreten. Ich will gar nicht wissen, wie viel ich dafür heute zahlen müsste.
Rallye-Legende „Mundl“ Baumschlager
Kopfschütteln über diese erst im Jänner verschärften Benimmregeln: „Der größte Blödsinn überhaupt“, sagte „Mundl“ Baumschlager, der sich an eigene „WM-Sünden“ zurückerinnert. „Auf Korsika ist einmal mein Getriebe eingegangen. Da habe ich geflucht und mit dem Fuß gegen eine Mechanikerkiste getreten. Ich will gar nicht wissen, wie viel ich dafür heute zahlen müsste.“
Nationaler Verband will Gnade walten lassen
Der mittlerweile berühmt-berüchtigte „Anhang B“ der FIA und dessen Auslegung auf nationale Bewerbe beschäftigte zuletzt auch den heimischen Verband (AMF). In der Theorie könnte die knallharte Richtlinie im Rebenland angewendet werden, jedes böse Wort mit bis zu 10.000 Euro bestraft werden. „Die Sportkommissare werden mit Fingerspitzengefühl vorgehen“, versicherten mehrere Funktionäre der „Krone“.
Bei der Fahrerbesprechung am Freitag beruhigte man vor versammelter Mannschaft: „Es ist unwahrscheinlich, dass es hier eine vergleichbare Strafe gibt.“ 72 Autos nahmen wenig später – ohne verbale Entgleisungen – die Rallye in Angriff.
Für das Duo Thomas Traußnig und Jürgen Pilz endete der Tag bereits auf der zweiten Sonderprüfung und im Krankenhaus. Nach einem Überschlag kam Fahrer Traußnig als Sicherheitsmaßnahme ins Krankenhaus nach Wagna, Co-Pilot Pilz klagte über Bauchschmerzen, wurde daraufhin mit dem Heli ins LKH Graz überstellt.
Mit Luca Waldherr (Unfall) und Michael Lengauer (Defekt) verabschiedeten sich bereits zwei Anwärter aus dem Kampf um den Sieg. Die Bedingungen sollen am Samstag noch schwieriger werden. Los geht‘s um 8.10 Uhr, der Sieger wird um 19 Uhr geehrt.
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