An die 20 Katzen, die älter als zwölf Jahre sind, leben derzeit im Tierheim Mentlberg in Innsbruck. Für die betagten Samtpfoten gibt es dort auch eine eigene, äußerst komfortable „Seniorenstation“.
Allein zwölf betagte Stubentiger sind erst heuer dazu gekommen. Das sind ungewöhnlich viele Neuzugänge. Die Hauptsaison für die Katzenabgaben kommt aber dann im Sommer, da wird es dann immer wieder eng. Momentan herrscht noch die Ruhe vor dem Sturm.
Ein plötzlicher Todesfall, zu hohe Kosten oder zu viel Aufwand – es gibt viele Gründe, warum Katzen ihr vertrautes Daheim verlassen müssen. In der Seniorenstation des Innsbrucker Tierheims Mentlberg des Tierschutzvereins für Tirol finden viele Stubentiger Zuflucht. Sabine von der Katzenabteilung hat die Seniorenwohnung für die Katzen ab zwölf Jahren im Dezember 2023 initiiert. Das Herzensprojekt der Katzenexpertin bietet älteren Miezen ein gemütliches und vor allem ruhiges Zuhause. Derzeit leben knapp zwölf schnurrende Seniorinnen und Senioren dort.
Ich weiß nicht, warum gerade jetzt so viele ältere Katzen kommen. Eine solche Häufung kommt freilich immer mal vor.
Magdalena Schwaiger, GF Tierschutzverein
Sogar eine Sonnenterrasse gibt es für die Miezen
In den Räumen gibt es eine Couch, Versteckmöglichkeiten und Spielzeuge. Zur Wohnung gehört außerdem sogar eine sonnige Terrasse. Die Tierpfleger versorgen die Miezen liebevoll, geben ihnen die im Alter notwendigen Medikamente und behandeln die Wehwehchen. Magdalena Schwaiger, die Geschäftsführerin des Tierschutzvereins für Tirol, erzählt: „Ich weiß leider nicht, warum gerade jetzt so viele ältere Katzen zu uns kommen. Eine solche Häufung kommt freilich immer wieder mal vor. Jede Mieze hat ein anderes Schicksal.“
„Kater“ beispielsweise ist ungefähr 17 Jahre alt und lebte jahrelang als Streunerkatze in Zirl. Katzenfreunde haben ihn regelmäßig gefüttert, doch plötzlich verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. So wurde er ins Tierheim Mentlberg gebracht.
Dort zog „Kater“ in die fast gleichzeitig geschaffene Seniorenstation ein. Hier bekommt das charismatische Tier Medikamente, Futter und Kuscheleinheiten – also alles, was das ehemalige Streunerherz begehrt. Wie die Tierpflegerin berichtet, hat der Methusalem des Hauses heimlich das Kommando in der Seniorenstation übernommen. Als wahrer Gentleman lässt er seine Rolle die Mitbewohner freilich nicht spüren.
Wir haben leider sehr viele Senioren, die bei uns sterben. Bei einem Todesfall wird die Katze eingeäschert.
Magdalena Schwaiger, GF Tierschutzverein
Oberboss „Kater“ bleibt für immer
Die Rentnerkatzen haben es besonders schwer, ein Zuhause für den letzten Lebensabschnitt zu finden – viele bleiben für immer im Tierheim. „Wir haben leider sehr viele Senioren, die bei uns sterben“, schildert Magdalena Schwaiger. Bei einem Todesfall wird die Katze vom Unternehmen „Aurora“ kostenlos eingeäschert. Für die Urnen gibt es sogar einen eigenen Platz in der Seniorenstation.
Der eine oder andere „Rentner“ in Mentlberg wäre durchaus noch vermittelbar – Boss „Kater“ freilich ausgenommen. Für die Adoption eines erfahrenen Schmusetigers sprechen laut Schwaiger viele Gründe: „Man kann der Katze einen schönen Lebensabend schenken. Die älteren Katzen sind irrsinnig dankbar. Vom Charakter her ruhig, kuschelbedürftig und richtig verschmust. Sie sind wirklich sehr liab.“
Alte Katzen sind nicht einfach zu vermitteln
Es kommt laut der Expertin nicht allzu oft vor, dass jemand speziell nach einer älteren Katze sucht. „Zehn bis 15 Jahre alte Katzen werden noch eher vermittelt, aber dann wird es schwieriger.“ Umso größer ist die Freude im Tierheim, wenn ein Sorgenkind eine zweite Chance in einem Für-immer-Zuhause bekommt.
Doch für wen ist eine ältere Katze passend? Magdalena Schwaiger erklärt: „Menschen, die viel daheim sind und wo es zuhause ruhig ist. Jemand, der einen verschmusten Vierbeiner haben möchte, wird mit einer der älteren Kuschelkatze sicher glücklich.“
Die Seniorenstation im Tierheim Mentlberg ist für maximal zehn Samtpfoten ausgelegt. Sie ist eine der ersten überhaupt in ganz Österreich. Die meisten Katzen bleiben für immer dort, nur wenige werden noch vermittelt. Der Tierschutzverein für Tirol bietet Patenschaften für die Katzen der Seniorenstation an. Tierfreunde können sich eine Samtpfote aussuchen oder monatlich einen Fixbetrag für die Station überweisen. Eine Patenschaft beginnt schon bei 15 Euro monatlich. Man kann auch Patenschaften für mehrere Stubentiger gleichzeitig übernehmen. Das Geld wird für Spezialfutter, Medikamente, Tierarztkosten usw. verwendet, damit die Katzen weiterhin einen schönen Lebensabend in der Seniorenstation verbringen können. Paten bekommen eine Patenschaftsurkunde sowie regelmäßige Updates zu „ihren“ Miezen.
Wichtig zu erwähnen: Die Adoptanten müssen sich im Klaren über regelmäßige Kosten für Tierarztbesuche, Medikamente und Spezialfutter zu sein. Man muss sich auch zutrauen, die Medikamente dem Tier zu verabreichen – und das meist mehrmals täglich.
So wird man Pate der Seniorenkatzen
Wer keine Katze aufnehmen, aber Miezen trotzdem unterstützen will, für den bietet es sich an, eine Patenschaft für eine Seniorenmieze abzuschließen. Die Paten dürfen – jeweils nach Terminvereinbarung – „ihre“ Katzen besuchen und Zeit mit ihnen verbringen. Schon ab 15 Euro monatlich ist man dabei.
Die Paten spüren bei ihren Besuchen große Dankbarkeit seitens der Katzen. Selbst jene Stubentiger, die üblicherweise sehr zurückgezogen in ihrem eigenen Bereich der Seniorenstation verweilen, gehen aus sich heraus. Kein Wunder: Die Paten bringen gerne Leckerlis für ihre Schützlinge ins Tierheim mit.
Das wissen die Miezen und vergessen es nicht. Diese Annehmlichkeiten wollen sie sich einfach nicht nehmen lassen. „Wäre auch jammerschade“, grummelt Oberchef „Kater“.
Julia Perktold, Kronen Zeitung
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