Wirtschaftskrise

Auch Ifo-Chef empfiehlt Lohnzurückhaltung

Wirtschaft
29.03.2025 13:36

Clemens Fuest, Chef des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), sieht Österreich, Deutschland und Europa mit wirtschaftlichen Problemen konfrontiert. Zur Debatte um Lohnzurückhaltung sagte er im Ö1-„Mittagsjournal“: „Es ist so, dass in einer stagnierenden Wirtschaft Löhne nicht steigen können dauerhaft.“

Löhne und Gehälter sollten nur dort steigen, wo es eine Arbeitskräfteknappheit gebe. „Aber gesamtwirtschaftlich ist es klar, auf Dauer ist es nicht möglich, in einer stagnierenden Wirtschaft Löhne auszudehnen“, sagte Fuest im am Samstag ausgestrahlten Interview.

Das etwa von der Gewerkschaft vorgebrachte Argument, wonach die Löhne auch nun in der tiefen Krise steigen müssten, um die Kaufkraft zu halten bzw. zu steigern und mögliches Wachstum nicht abzuwürgen, teilt der Wirtschaftswissenschafter so nicht. Denn die Kaufkraft sei „derzeit nicht das Problem“. Das Problem sei die Stagnation – wobei die Wirtschaft in Österreich laut Prognosen sogar ein drittes Jahr in Folge schrumpft – gepaart mit einer „ziemlich hohen“ Inflation.

Clemens Fuest, (Bild: APA/AFP/Christof STACHE)
Clemens Fuest,

Stellenabbau versus Vertrauen
Die hohe Teuerung zeige, dass nicht mangelnde Nachfrage sondern mangelndes Angebot das Problem sei. „Da ist es eben so, dass Lohnerhöhungen, die weitergehen, obwohl die Unternehmen eben nicht höhere Umsätze haben oder die Erträge nicht haben, die führen dann einfach nur dazu, dass man beschleunigt Arbeitsplätze abbaut.“ Das war in der schrumpfenden Industrie in Österreich zuletzt auch der Fall.

Die gestiegenen Löhne führten in Österreich zuletzt nicht zu einem Schwung für die Wirtschaft durch gesteigerte Ausgaben sondern zu einer höheren Sparquote. Das ist den allgemein als unsicher empfundenen Zeiten mit ihren vielen Krisen bis hin zum russischen Krieg in der Ukraine praktisch ums Eck geschuldet. „Die Reallöhne sind gestiegen, aber die Menschen machen sich Sorgen und sparen deshalb mehr. Daran kann man schon erkennen, dass jetzt weitere Lohnsteigerungen nicht zu mehr Konsum führen. Um mehr Konsumnachfrage zu kriegen, brauchen wir Vertrauen. Das heißt wir brauchen eine vernünftige Wirtschaftsentwicklung. Einfach nur die Löhne zu erhöhen, das ist der falsche Weg.“

Zitat Icon

Die Reallöhne sind gestiegen, aber die Menschen machen sich Sorgen und sparen deshalb mehr. Daran kann man schon erkennen, dass jetzt weitere Lohnsteigerungen nicht zu mehr Konsum führen.

ifo-Chef Clemens Fuest

Heikle Budgetfragen
Zum Megadefizit im Austro-Budget, Milliarden-Sparzwängen und einem möglichen EU-Defizitverfahren sagte Fuest, dass Österreich etwa die Infrastruktur und die staatliche Verwaltung verbessern müsse. „Es gibt öffentliche Aufgaben, die sind wichtig fürs Wachstum.“ Steuererhöhungen drückten das Wachstum. Ausgaben, die für das Wachstum nicht so wichtig sind, müssten gesenkt werden. Das könnten Pensionen sein, mit politischen Widerständen sei zu rechnen. Das müssten die politisch Verantwortlichen

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.



Kostenlose Spiele
Vorteilswelt