Der inhaftierte Bürgermeister von Istanbul hat seine Anhänger zum Widerstand aufgerufen – und sie gingen zu Hunderttausenden auf die Straßen. Am Samstag kam es zur nächsten Großkundgebung gegen die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Viele von ihnen wurden festgenommen.
Die Menschen trafen sich auf der asiatischen Seite der Bosporus-Metropole, um nach der Inhaftierung des Bürgermeisters Ekrem Imamoglu für den Erhalt der Demokratie in der Türkei zu demonstrieren. Der Chef der größten Oppositionspartei CHP, Özgur Özel, sprach von mehr als zwei Millionen Teilnehmern.
Darunter waren auch die Ehefrau, Kinder und Eltern Imamoglus. Sie sei heute auf der Straße, um für ihre Heimat zu kämpfen, sagte die 17-jährige Demonstrantin Melis Basak Ergun. „Wir, das Volk, wählen unsere Herrscher.“ Die Protestierenden würden sich niemals von „Gewalt oder Tränengas“ abhalten lassen.
Protestwelle nach Bürgermeister-Festnahme
Die Führung der CHP will die Proteste so lange fortsetzen, bis eine vorgezogene Präsidentschaftswahl angesetzt wird oder Imamoglu freikommt. Am Freitag gab es bereits den zehnten Abend in Folge Demonstrationen in etlichen Städten. Imamoglu selbst schrieb in einem Gastbeitrag für die „New York Times“, unter Erdogan habe sich die Türkei in eine „Republik der Angst“ verwandelt.
Doch trotz – oder gerade wegen – der Repressionen gegen Regierungskritiker leisteten die Menschen auf den Straßen beharrlich Widerstand. „Ich bin auf der Seite unserer jungen Leute und bewundere ihren Mut. Sie sind im Begriff, Geschichte zu schreiben“, schrieb Imamoglu.
Laut türkischem Innenministerium wurden seit Beginn der Proteste fast 2000 Personen festgenommen, darunter mehrere Journalisten. 260 Menschen wurden verhaftet. Die Opposition wirft der Polizei Folter vor. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft fordert bis zu drei Jahre Haft für 74 der Demonstranten.
Was dem Bürgermeister vorgeworfen wird
Der 53-Jährige wird zurzeit im bekannten Marmara-Gefängnis in Silivri nahe Istanbul festgehalten. Der beliebte Oppositionspolitiker war am 19. März unter Verweis auf Korruptionsvorwürfe inhaftiert und später als Bürgermeister abgesetzt worden. Parallel laufen Ermittlungen wegen angeblicher Terrorunterstützung gegen ihn.
Kommentare
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.