Die deutsche Autorin Antje Rávik Strubel ist nicht nur für die existenzielle Wucht und poetische Präzision ihrer literarischen Arbeit berühmt, sondern auch für ihre klaren Ansagen. In Graz hält sie nun die „Frühlingsvorlesung“ der Akademie Graz und beschäftigt sich mit dem Skifahren in Zeiten des Klimawandels. Der „Krone“ gab Sie vorab ein Interview.
Bereits seit einigen Jahren lädt die Akademie Graz einmal im Jahr namhafte Denker und Autorinnen für eine zweitägige Vorlesung in die steirische Landeshauptstadt. Heuer (3. und 4. April, Literaturhaus Graz) konnte man dafür die deutsche Autorin Antje Rávik Strubel gewinnen. 2021 hatte sie den Deutschen Buchpreis für ihren Roman „Blaue Stunde“ erhalten. In ihrer Grazer „Frühlingsvorlesung“ beschäftigt sie sich mit dem Skifahren und dessen Verbindungen zum Schreiben sowie zum Klimawandel. Der „Krone“ hat die Autorin vorab ein Interview gegeben.
KRONE: Frau Rávik Strubel, Ausgangspunkt für Ihre Vorlesung in Graz ist das Skifahren. Wann und wie trat es in Ihr Leben?
Antje Rávik Strubel: Im Alter von drei oder vier Jahren stand ich im Thüringer Wald auf Ski, damals noch einfachen Holzski. Mein Vater war Sportlehrer, meine Mutter liebte das Skilanglaufen auch, und so entwickelte ich früh diese für eine „Flachlandtirolerin“ eher untypische Leidenschaft.
Welche Parallelen sehen Sie zwischen dem Skifahren und dem Schreiben?
Es gibt da einige Parallelen. Beim Abfahren entsteht dieser Rausch, wenn mich Geschwindigkeit und absolute Körperbeherrschung high werden lassen, was ich ähnlich vom Schreiben kenne, wenn es gut läuft. Außerdem sind der Rhythmus und das Gefühl für das richtige Tempo extrem wichtig beim Schreiben. Willensstärke, Durchhaltevermögen, das Wissen, dass ich nach einem Sturz wieder auf die Beine kommen kann, aber auch das Loslassen und die Demut – alles wesentliche Dinge beim Schreiben – habe ich im Grunde beim Skilaufen gelernt.
Mich wundert, warum so wenige von uns Skifahrerinnen und Skifahrern, die so abhängig sind von der festen Form des Niederschlags, auf die Klimabarrikaden gehen.
Antje Rávik Strubel
Der Klimawandel macht das Skifahren auch immer mehr zu einem Problem – der Schnee fehlt oft und muss mit großem Aufwand künstlich erzeugt werden. Wie geht es Ihnen damit?
Es ist unendlich traurig, mit jedem Jahr mehr das Schwinden des Schnees erleben zu müssen. Mich wundert, warum so wenige von uns Skifahrerinnen und Skifahrern, die so abhängig sind von der festen Form des Niederschlags, auf die Klimabarrikaden gehen. Auf den Pisten herrscht eher ein ignoranter Untergangsegoismus.
In der Steiermark stehen massive Kürzungen im Kulturbudget bevor. In Ihrem aktuellen Roman „Der Einfluss der Fasane“ beschäftigen Sie sich auch mit der Kulturwelt und ihrer schrumpfenden Bedeutung. Welche Zukunft sehen Sie für Kunst und Kultur?
Im Augenblick ist es schwer, keine düsteren Vorhersagen zu treffen. Wir müssen aufpassen, dass die Barbarei nicht wieder lawinenartig über uns hereinbricht. Kürzungen in Kunst und Kultur sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt wirklich das Dümmste, was man machen kann. Das sind sie immer. Und alle wissen es.
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