Show und neues Album

Elton John: Die Rückkehr einer echten Legende

Musik
03.04.2025 09:00

2023 beendete Sir Elton John seine Live-Karriere als tourender Musiker. Dieser Tage erscheint „Who Believes In Angels?“, sein gemeinsames Album mit Freundin und Sängerin Brandi Carlile. Mit ihr spielte er auch eine spezielle Show im Londoner Palladium – die „Krone“ war live dabei.

Freud und Leid liegen oft unheimlich knapp beieinander. Am 25. März feierte die britische Musiklegende Sir Elton John im kleineren Kreis seinen 78. Geburtstag und weinte, laut eigener Aussage, gut 40 Minuten lang bittere Tränen, weil ihm die immer näher rückende Endlichkeit verstärkt ins Bewusstsein gerückt wurde. Einen Tag später gab es Standing Ovations von knapp 2300 Anwesenden im Londoner Palladium, einer eher für Theater und Jazz-Events bekannten Location im Herzen Londons, die für einen Abend ganz auf Sir Elton und die amerikanische Sängerin Brandi Carlile zugeschnitten war. Die beiden eint eine rund 20 Jahre andauernde Freundschaft, die längst auch die musikalischen Stärken kombiniert. Ihr Duett „Never Too Late“ wurde für einen Oscar nominiert, mit dem gemeinsamen Album „Who Believes In Angels?“ nahmen sie ihre gute Beziehung nun auch als musikalisches Mahnmal in Albumform auf.

Hilfe am Weg zum Topstar
Die Kooperation aus den beiden Vollblutmusikern ist eine kommerziell gewaltige. Über Elton John braucht man ohnehin keine Worte mehr zu verlieren. Mehr als 300 Millionen verkaufte Alben, Emmy-, Grammy- und Oscar-Statuetten füllen die Regale und dazu hat er den Nimbus, einer der größten und einflussreichsten Pop- und Rockstars der Musikhistorie zu sein. Brandi Carlile hat es mit ihrem feinsinnigen Songwriting und ihrer markanten Stimme in den USA auf elf Grammys und sieben gefeierte Studioalben gebracht – nur in Europa wollte der große Durchbruch noch nicht gelingen. „Mir ist es ein Anliegen, diese großartige Künstlerin auch hier bekannt zu machen“, erzählte John beim Londoner Event Moderator Dan Levy. Während viele Rockstars im gesetzten Alter sich auf die Nachlassverwaltung berufen, ist Elton John stets neugierig und fördernd geblieben, findet in den seltenen Interviews immer lobende Worte für junge Acts wie Dua Lipa, Chappell Roan, Fontaines D.C. und andere.

Der Abend im Palladium ist nicht nur eine Vorstellung der neuen Songs, sondern wurde auch für ein Konzertspecial der CBS mitgeschnitten, das am 6. April ausgestrahlt wird. Hierzulande sollte die einmalige Show übrigens auf Paramount+ abrufbar sein. Während des gut dreiviertelstündigen Interviewblocks blickten die beiden Freunde noch einmal auf den gemeinsamen Aufnahmeprozess zurück, der nicht immer reibungslos verlief. „Elton ruft mich immer an, wenn er was braucht“, erzählte Carlile humorig, „aber wenn man nicht sofort abhebt, ruft er wieder und wieder an. Er kann sehr beharrlich sein.“ Elton John selbst erzählte vor allem von den verschobenen Prioritäten in seinem Leben. „Auf meinem Grabstein soll später einmal nichts von ,Crocodile Rock‘ stehen, sondern, dass ich ein großartiger Dad war“, spricht er auf das ruhige Familienleben mit Ehemann David Furnish und die beiden gemeinsamen Kinder an.

„Krone“-Redakteur Fröwein vor dem Konzert von Elton John und Brandi Carlile beim Londoner Palladium. (Bild: Robert Fröwein)
„Krone“-Redakteur Fröwein vor dem Konzert von Elton John und Brandi Carlile beim Londoner Palladium.

Fulminante Karriererückschau
Für das Event wurden am Schwarzmarkt Preise bis zu 1000 Pfund gehandelt und auch die Stargast-Riege konnte sich sehen lassen. Unter anderem ließen sich Rolling Stone Ronnie Wood, „Aquaman“ Jason Momoa, Sacha Baron Cohen, Musical-Legende Andrew Lloyd Webber oder Durchstarter Sam Fender von der einmaligen Show überzeugen, die nicht nur mit einem beeindruckenden Bühnensetting, sondern auch mit einer sensationellen, 80-minütigen Karriererückschau beider Künstler überzeugte. Neben den gemeinsam für das Album geschriebenen Songs wie den Titeltrack „Who Believes In Angels?“, „Swing For The Fences“ oder „Little Richard’s Bible“ wurde auch das Solo-Oeuvre der beiden Könner ausgiebig gewürdigt. Natürlich mit stärkerer Schlagseite Richtung Elton John, wobei Carlile mit ihrem beeindruckenden Stimmvolumen im Publikum für Begeisterungsstürme sorgte. „The Joke“ stach über alle Maßen heraus, während Elton John tief in die Nostalgiekiste griff.

Gut eineinhalb Jahre nachdem er in Stockholm seine allerletzte Tour beendet hatte, war der Auftritt im Palladium eines der seltenen Stelldicheins, die dem Künstler mindestens genauso viel Freude bereitete wie seinem enthusiasmierten Publikum. Für ein spezielles Feeling sorgte auch die All-Star-Band. Neben zwei Stammmusikern von Carlile waren Drummer Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers, Pearl Jams Josh Klinghoffer am Keyboard und Star-Produzent und Mit-Songwriter Andrew Watt an der Gitarre am Start. Als Elton John zu einem Piano-Solo für „Tiny Dancer“ ansetzte, versammelte sich alle Musiker sitzend und staunend um das Schlagzeug versammelt und erlebten – trotz eigener Top-Karrieren – ihren ganz persönlichen Fan-Moment im Angesicht eines ganz Großen. In dieser Tonart ging es flott weiter. Mitreißende Duette bei „Don’t Let The Sun Go Down On Me” und „I Guess That’s Why They Call It The Blues”, das Elton-John-Livedebüt des Patsy-Cline-Klassikers „Crazy”, der Country-Track „He’ll Have To Go” (im Original von Jim Reeves), das legendäre „Your Song” und zum Abschluss eine das Theater ins Wanken bringende Up-Tempo-Version des kultigen „I’m Still Standing” – ein Abend für die Ewigkeit.

Ein letzter Neubeginn
Während wir noch länger auf die Ausstrahlung des Abends warten müssen, erscheint dieser Tage aber zumindest einmal das gemeinsame Album der beiden Topstars. „Who Believes In Angels?“ ist für den sich stimmlich noch immer in Hochform befindlichen Elton John aber kein Karriereabgesang, sondern „ein Neubeginn“, wie er im Gespräch mit Levy bestimmt feststellte. Stimmlich lässt John Brandi Carlile dabei bewusst den Vorrang, setzt sich mit der starken Band und seinen Klavierkünsten eher dezenter in Szene, was ganz seinem Ruf als uneitlen Förderer der Kollegenschaft entspricht. Mit dem Opener „The Rose Of Laura Nyro“, „You Without Me” und dem etwas nach Schema F komponierten Titeltrack finden sich auch einige Wackler auf dem Album, grundsätzlich gewinnt es aber mit fortdauernder Spielzeit an Qualität und spannenden Momenten dazu. Eine Tour lässt sich nicht zuletzt aufgrund Elton Johns angeschlagenem Gesundheitszustand ausschließen, sollte dieses Freundschaftsprojekt aber wirklich der letzte Tonträger einer einzigartigen Karriere sein, dann ist er mehr als würdig.

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