Seit Jahresbeginn gilt in Österreich das Einwegpfand auf Plastikflaschen und Dosen – die Umstellung verläuft besser als erwartet. Schon jetzt wurden 26 Millionen Pfandgebinde zurückgegeben. Bis 2027 soll die Rücklaufquote von 70 auf 90 Prozent steigen und damit die EU-Vorgabe früher erfüllt werden.
Hauptverantwortlich für die Umsetzung ist die gemeinnützige gGmbH Recycling Pfand Österreich. Deren Geschäftsführer Simon Parth zog nach drei Monaten eine positive Bilanz. „Ohne große Aufreger, in welche Richtung auch immer“ sei der Start verlaufen. 26 Millionen Gebinde mit Pfandsymbol wurden in 13 Wochen retourniert, ergänzte Geschäftsführerin Monika Fiala.
Rund 6000 Rückgabeautomaten sowie rund 8000 manuelle Rücknehmer wie Würstelstände, Bäckereien oder Kantinen sind aktuell vorhanden. Ziel ist es in naher Zukunft jährlich rund 2,2 Milliarden Flaschen und Dosen zu recyceln. Insgesamt gilt Österreich zwar nicht als Einwegpfad-Vorreiter, da sei man die Nummer 18 in Europa, sagte Parth, sei aber trotzdem ein „Pfandland“.
Rücklaufquote folgt gegen Jahresende
Er verwies dabei auf die langjährige Erfahrung mit Mehrwegpfand, die so vielleicht einen gewissen „Startvorteil“ gegenüber anderen Ländern bringe. Die vorher auf Mehrweg spezialisierten Automaten seien in vielen Shops nur umgerüstet worden. Und ein weiterer Vorteil für Österreich: Es sei nach Finnland das dichteste Filialnetz im Einzelhandel und besitze infolge auch viele Rücknahmeautomaten.
Eine genaue Rücklaufquote gibt es noch nicht, eine erste Schätzung sei aber bald möglich, sagte Parth. Eine verlässliche Zahl werde erst Ende des Jahres vorliegen. Noch sind Einweg-Gebinde ohne Pfand im Handel, bis 31. März durften sie weiter produziert werden. Dennoch verlaufe die Umstellung schneller als erwartet: Schon im Sommer werde man pfandfreie Produkte kaum noch finden, so Parth.
Wir glauben, wer im Sommer in die Regale sieht, muss schon genau suchen, um noch Produkte ohne Pfandlogo zu finden.
Simon Parth, Geschäftsführer gGmbH Recycling Pfand Österreich
Bis Jahresende dürfen sie aber noch verkauft werden, was derzeit oft zu Kundenanfragen führt, erklärte Fiala. Viele wunderten sich, warum der Automat ihr Gebinde nicht annimmt – oft stelle sich heraus, dass es gar kein Pfandgebinde sei. Verwechslungen dieser Art seien laut des Geschäftsführers durch das noch vorherrschende „Mischdasein“ von Pfand- und Nicht-Pfand-Produkten jedoch verständlich.
Verantwortung für die gesamte Pfand-Kette
Im Zuge der Umstellung befinde man sich in einem permanenten Austausch mit den Konsumenten und Konsumentinnen. Für diese betreibt Recyclingpfand Österreich eine Service-Hotline und ist per E-Mail-Adresse oder über Social-Media-Kanäle erreichbar. „Wir sind auch ein operativ tätiges Unternehmen“, so Parth. So organisierte man die gesamte Logistik von der kleinen Filiale hin zur Sortieranlage, „auch das ganze Pfand-Clearing läuft durch uns“. Zusammenfassend trage man die Verantwortung für die gesamte Kette – „wenn die Pfandrückgabe da an einem Tag nicht funktionieren würde, dann bekommen wir das mit“, ergänzte Fiala.
Das eigentliche Ziel des Einwegpfands ist es, dass dieses Segment einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und Recycling leistet und somit die Umweltverschmutzung eindämmt: „Dieses ‘Littering‘ verschwindet durch ein Pfandsystem, weil jede Flasche und Dose 25 Cent wert ist. Und daher war die Zustimmung für dieses Pfandsystem schon immer sehr hoch“. Dazu soll in Österreich bis 2027 die Rücklaufquote von rund 70 Prozent auf mindestens 90 Prozent gesteigert und damit die entsprechende Richtlinie (Single-Use-Plastic) zwei Jahre schneller erfüllt werden als von der EU vorgegeben. Und das Pfand für nicht retourniertes Gebinde – der sogenannte Pfandschlupf – wird für die Weiterentwicklung des Systems verwendet.
Kreislauf über Pfandsystem geschlossen
Fiala wies auf eine weitere, wichtige EU-Vorgabe hin, wonach jeder Produzent in seinen PET-Kunststoffflaschen seit heuer recyceltes Material verwenden muss. „Derzeit sind es 25 Prozent und das heißt, jeder Produzent braucht einen Teil seines Material auch wieder zurück“. Und somit werde dieser Kreislauf über das Pfandsystem geschlossen, was in Österreich bisher nicht der Fall gewesen sei, denn „der Produzent hatte bis dato nicht Zugriff auf die gesammelten PET-Flaschen.“
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