Was eine Frau aus Wien-Simmering am Dienstag erlebte, ist der Horror einer jeden Mutter. Ein AKH-Arzt rief an, weil ihr Sohn angeblich mit Krebs im Endstadium im Spital liege. Nur ein 180.000-Euro-Medikament könne helfen. Bei dem vermeintlichen Doktor handelt es sich um einen dreisten Betrüger.
In den vergangenen Jahren sorgten Schockanrufe falscher Polizisten mit der Behauptung, Angehörige hätten tödliche Verkehrsunfälle verursacht, im ganzen Land für Entsetzen – und für zig Opfer, die ihr Vermögen übergaben, um eine vermeintliche Kaution zu bezahlen. Auch die Geschichte, dass Einbrecher unterwegs seien, lockte unzählige Opfer in die Falle. Aktuell geht eine ganz neue Variante an betrügerischen Anrufen um. Konkret meldet sich ein falscher Arzt vom Wiener AKH, der sich zumindest in einem Fall „Doktor Koch“ nannte.
Wegen Magen-Darm-Komplikationen im Spital
Die Simmeringerin Maria G. (Name geändert) schilderte der „Krone“ die dramatischen Minuten, die sie am Dienstagnachmittag am Telefon durchleben musste. Ihr Sohn sei mit akuten Magen-Darm-Problemen vor Kurzem ins Wiener AKH eingeliefert worden, hieß es dort in dem Anruf. Nach ersten Untersuchungen stünde nun die dramatische Diagnose fest: Der mehrfache Familienvater leide an Darmkrebs im Endstadium. „Ich habe sofort Panik gekriegt“, erzählt Maria, die um ihren Sohn bangte.
Sie müssen 180.000 Euro für das Medikament zahlen. Ansonsten können Sie sich in acht Wochen von Ihrem Sohn verabschieden.
Telefonbetrüger spielen mit der Angst ihrer Opfer
Gold und Geld sollen teures Medikament finanzieren
Sie sei gerade mit einem Enkerl und ihrem Mann in einem Einkaufszentrum gewesen, als sie den Schockanruf entgegennahm. Die Sorge um ihren Sohn, den es tatsächlich gibt, zog ihr als Mutter den Boden unter den Füßen weg. Falsche Hoffnung wurde der Wienerin durch die Betrüger auch gleich gemacht. Es gebe ein lebensrettendes Medikament in der Schweiz, das jedoch 180.000 Euro koste. Sie solle nun Gold, Geld und alles Wertvolle zu Hause zusammensuchen, um das Leben ihres Sohnes noch zu retten.
Weinende Schwiegertochter im Hintergrund zu hören
Die Aggressivität des Anrufers schockte Maria G.: „Er meinte, wenn ich das Geld nicht zusammenbekomme, könne ich mich in acht Wochen von meinem Sohn verabschieden.“ Auch auffällig: Es hieß, Maria G. dürfe keinesfalls auflegen. Womit die Anrufer vermeiden wollten, dass sich die Wienerin bei ihren Angehörigen erkundigt, ob die Geschichte denn stimme. Im Hintergrund hörte die Dame dann auch noch ihre vermeintliche Schwiegertochter um ihren Mann weinen.
Auch Polizei warnt vor neuer Betrugsmasche
Glücklicherweise reagierte Maria G. goldrichtig. Das Wiener Ehepaar fuhr umgehend zur Schwiegertochter. Die kam gerade mit den Kindern herunter und meinte, sie habe gerade mit ihrem Mann telefoniert. Er sei in einem Meeting und es gehe ihm gut. Maria G. beendete den Anruf der Betrüger sofort und meldete den Vorfall noch am selben Tag der Polizei.
Nun will die Wienerin andere auf die dreisten Betrüger aufmerksam machen. Wie viele Fälle der Masche es schon gab und ob sie Erfolg hatten, ist unklar. Die Salzburger Polizei schickte schon die Warnung aus, sich nicht auf derartige Anrufe, die mit der Angst der Opfer spielen, einzulassen. Laut Bundeskriminalamt gibt es bereits Fälle im zweistelligen Bereich, der Schaden beträgt bereits hunderttausende Euro.
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