Es ist geschafft: Ein wichtiger Laichplatz des Huchen nahe Gratkorn wurde erfolgreich renaturiert. Das Projekt an der Mur war nicht unumstritten, hat nun aber eine internationale Vorbildwirkung. Denn hier in der Steiermark könnte man die größte verbleibende Population der Fischart retten.
Die Freude stand den Naturschützern am Mittwoch ins Gesicht geschrieben: Am Ufer der Mur, südlich der Rötschbachmündung in Gratkorn, präsentierte man das bisher größte steirische Renaturierungsprojekt für den Huchen. „Lange bin ich selbst mit Gartenwerkzeug im Fluss gestanden, um den Schotter zu lockern und Laichplätze zu schaffen – dieses Projekt ist jetzt die Krönung schlechthin“, sagt Franz Keppel, besser bekannt als „Huchenfranz“. Er ist sich sicher: „Die Fische sind uns dankbar.“
Denn die Zahlen sind erschreckend: In der gesamten Mur gibt es aktuell nur noch einen Bestand von etwa 1500 Huchen – und dies ist die größte verbleibende Population Europas. Die Art steht knapp vor dem Aussterben. Genau aus diesem Grund hat die Renaturierung hier in der Nähe von Graz internationale Strahlkraft.
Die Umsetzung des Projekts ist denkbar simpel: 5000 Kubikmeter Schotter wurden auf 2000 Quadratmetern des Flussbetts verteilt. Kostenpunkt etwa 100.000 Euro, finanziert von Bund und Land. Dadurch wurden Kiesbänke geschaffen, die den Fischen als Laichplatz dienen und bisher fehlten. Der Hintergrund: Unsere Flüsse werden zunehmen verbaut, aufgestaut und begradigt. So befindet sich nur zwei Kilometer flussabwärts das Wasserkraftwerk Gratkorn – flussaufwärts plant der Verbund in Stübing ein weiteres zu bauen.
Der Energiekonzern besitzt bereits einige Flächen nahe der renaturierten Stelle, weshalb es vorab zu Komplikationen gekommen war. Man konnte sich kaum auf eine passende Stelle einigen, später fuhr das zuständige Bauunternehmen scheinbar mit zu großen Baggern auf. Die Wogen sollten sich aber mittlerweile geglättet haben: „Es sollte keine Konsequenzen geben“, sagt Romana Ull vom Naturschutzbund Steiermark, die das Projekt leitet.
Viel mehr sieht sie es als Freudentag: „Die Umsetzung hat uns in den letzten Monaten sehr viel Energie gekostet. Aber wir konnten bereits nach wenigen Tagen am renaturierten Laichplatz die erste Huchen-Hochzeit beobachten“, meint Ull. Unterstützt wird das Renaturierungsprojekt auch vom Bürgermeister: „Die Mur gehört zu Gratkorn und umgekehrt, deshalb ist es so wichtig, das dortige Ökosystem zu erhalten“, sagt Michael Feldgrill (SPÖ).
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