1,8 Mio. Nutzer
Streaming-Plattform für Pädophile zerschlagen
Nach jahrelangen Ermittlungen in insgesamt 35 Ländern weltweit ist es der bayrischen Kriminalpolizei in Zusammenarbeit mit Europol und anderen ausländischen Polizeibehörden ein schwerer Schlag gegen ein Kinderporno-Netzwerk gelungen. Insgesamt konnten 1393 Verdächtige ausgeforscht und 79 von ihnen bereits verhaftet werden.
Weltweit waren 1,8 Millionen Nutzer bei der Plattform „Kidflix“, eines an die bekannte Streaming-Plattform Netflix angelehnten Portals im Darknet angemeldet, wie das bayrische Landeskriminalamt in München und die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg am Mittwoch mitteilten. Auf der mittlerweile geschlossenen Plattform sollen sich mehr als 91.000 Videos mit schwersten Missbrauchsdarstellungen befunden haben.
Besonders brisant: In mehreren Fällen wurden Kinder in den Haushalten der Verdächtigen entdeckt und umgehend in die Obhut der Jugendämter übergeben. Ein 36-jähriger Mann aus Chemnitz wurde bereits Anfang 2024 verhaftet, sein minderjähriger Sohn kam in Schutzhaft. In Mittelfranken wurden bei einem 30-jährigen Verdächtigen zwei Kinder aus der Familie geholt.
Verdächtige auch in Österreich
Die Ermittlungen laufen weiter, um die Betreiber und alle Beteiligten zur Rechenschaft zu ziehen. Die Polizei betont: Jeder, der sich an derartigen Plattformen beteiligt, wird ins Visier genommen! „Die Ermittlungen im Gesamtkomplex dauern an, da insbesondere die Betreiber der Plattform bislang nicht identifiziert werden konnten“, erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Goger gegenüber bild.de. Auch österreichische Konsumenten des Portals konnten ausfindig gemacht werden. In Österreich kam es in weiterer Folge zu elf Hausdurchsuchungen.
Opfer wurden hierzulande nicht identifiziert. Das Referat „Sexualstraftaten und Kindesmissbrauch online“ des Bundeskriminalamtes übernahm die Organisation und die Aufbereitung der Beweismittel. Die weiteren polizeilichen Maßnahmen übernahmen die Landeskriminalämter Niederösterreich, Steiermark, Salzburg, Tirol, Vorarlberg und Wien.
„Operation Stream“: Größter Einsatz für Europol
Ein Cyberkrimineller war es laut deutschen Ermittlern, der „Kidflix“ 2021 gründete und damit enorme Gewinne erzielte. Die Plattform sei schnell zu einer der beliebtesten unter den Pädophilen geworden. Durchschnittlich wurden etwa 3,5 neue Videos pro Stunde auf die Plattform hochgeladen. Viele davon waren den Strafverfolgungsbehörden vor Beginn der Ermittlungen nicht bekannt, teilte das Bundeskriminalamt mit. Für Europol war „Operation Stream“ der größte Einsatz, an dem Mitarbeiter der europäischen Polizeiorganisation teilgenommen hatten. Gleichzeitig war die Operation einer der größten Fälle, die die Strafverfolgungsbehörde in den vergangenen Jahren unterstützt habe.
Die meisten identifizierten Verdächtigen, die im Rahmen der Operation Stream identifiziert wurden, stimmten mit den Datenbanken von Europol überein. Die meisten Kriminellen, die an sexueller Kindesausbeutung beteiligt sind, begehen diese Straftaten wiederholt und sind den Strafverfolgungsbehörden nicht unbekannt, hieß es bei der europäischen Polizeiorganisation.
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