Neue Studie

Antisemitismus: Problem zunehmend „jugendlich“

Innenpolitik
02.04.2025 16:28

Dass Vorfälle mit antisemitischem Hintergrund seit Ausbruch des Gaza-Krieges zugenommen haben, belegt einmal mehr die aktuelle Antisemitismus-Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES). Die Untersuchung zeigt auch, dass das Problem zunehmend „jugendlicher“ wird. 

Für die seit 2018 im Zwei-Jahres-Rhythmus erstellte Studie wurden im Oktober und November des vergangenen Jahres insgesamt 2037 Personen ab 16 Jahren in ganz Österreich mittels Telefon- und Online-Interviews befragt. Eine Zusatzstichprobe von insgesamt 1080 Personen umfasste 577 Personen mit Migrationsgeschichte aus der Türkei und 503 Personen mit Migrationsgeschichte aus einem arabischsprachigen Land. 

Thoams Stern und Eva Zeglovits führten die Studie im Auftrag des Nationalrats (im Bild Nationalratspräsident Walter Rosenkranz) durch. (Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)
Thoams Stern und Eva Zeglovits führten die Studie im Auftrag des Nationalrats (im Bild Nationalratspräsident Walter Rosenkranz) durch.

Bei manchen antisemitischen Einstellungen kann man eine Stagnation bzw. einen leichten Rückgang wahrnehmen: So vertraten 13 Prozent der Befragten weiterhin manifeste antisemitische Einstellungen, 2022 lag der Wert bei 15 Prozent. Ebenfalls auf gleichem Niveau blieb der latente Antisemitismus mit 33 Prozent (2022: 32 Prozent).

Nicht nur bei israelbezogenem Antisemitismus – insbesondere nach der Terrorattacke der Hamas am 7. Oktober 2023 -, auch bei anderen Aussagen stimmten junge Menschen häufiger zu als ältere. So waren etwa 15 Prozent der Unter-25-Jährigen der Meinung, dass in Berichten über Konzentrationslager vieles übertrieben dargestellt werde. 

Palästinenser werden „behandelt wie die Juden im 2. Weltkrieg“
Der Aussage „Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat“ stimmten 31 Prozent der Befragten ganz oder eher zu, was einer Zunahme von acht Prozentpunkten entspricht. Auch die Aussage „Die Israelis behandeln die Palästinenser im Grunde auch nicht anders als die Deutschen im Zweiten Weltkrieg die Juden“ erhielt mit 35 Prozent mehr Zustimmung (2022: 30 Prozent). Für Projektkoordinator Thomas Stern sind solche Aussagen „durchaus eine Verharmlosung des Nationalsozialismus“.

Weit stärker ausgeprägt war Antisemitismus wie schon zwei Jahre zuvor bei der Gruppe mit Wurzeln in der Türkei oder einem arabischsprachigen Land. Aber auch unter Personen mit Hochschulabschluss steigt der Antisemitismus. Eine Ursache – vor allem bei Jüngeren – sieht Eva Zeglovits von IFES im Medienkonsum. So konsumierten Jugendliche kaum mehr traditionelle Medien, sondern informierten sich hauptsächlich über soziale Netzwerke, die etwa Verschwörungsmythen oft verstärkten.

Studienleiter: „Antisemitismus lebt weiter“
Wegen der alarmierenden Ergebnisse unter Jugendlichen fordert Stern eine Neuausrichtung des Lehrplans bezüglich des Themas Holocaust. Es sei Aufgabe der Politik zu schauen, dass der Holocaust und dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart in das Curriculum der Lehre aufgenommen werden, denn: „Antisemitismus lebt weiter.“

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