Über Jahre galt Elon Musk als die wichtigste treibende Kraft für Teslas Erfolg. Doch dann wurden seine politischen Aktionen zu einer Belastung für den E-Autobauer. Die Zahlen haben es in sich: Die Auslieferungen der Fahrzeuge sind im vergangenen Quartal um rund 13 Prozent gefallen.
Bei Demonstrationen werden die Gefährte als „Nazi-Autos“ beschimpft. Fahrzeuge wurden an Tesla-Auslieferungszentren angezündet und mit Parolen beschmiert. Die Kontroversen und die Zweifel an den Geschäftsaussichten nagten auch an dem Grundstein von Musks Einfluss: dem Tesla-Aktienkurs. Es ist vor allem seine Beteiligung an dem Elektroautobauer, die ihn zum mit Abstand reichsten Menschen der Welt macht – jedenfalls auf dem Papier. Nach Donald Trumps Wahlsieg im November hatte sich der Kurs zeitweise verdoppelt. Danach notierte die Aktie wieder auf dem Niveau von Oktober.
Seit dem Bericht des Magazins „Politico“ am Mittwoch, wonach Musk sein Amt als einer der wichtigsten Berater von Trump demnächst aufgeben soll, zog die Aktie wieder an.
Die schwachen Zahlen hatten sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. So sackten die Tesla-Neuzulassungen in der Europäischen Union in den ersten beiden Monaten im Jahresvergleich um 49 Prozent auf gut 19.000 Wagen ab. In Deutschland waren die Neuzulassungen im Februar auf nur noch 1429 von 6038 Fahrzeugen ein Jahr zuvor gesunken. In China gab es im März nach vorläufigen Zahlen ein Minus von mehr als elf Prozent. Tesla selbst macht keine Angaben zu Ergebnissen in einzelnen Regionen.
Generationswechsel beim Model Y
Wie stark einzelne Gründe zu dem Rückgang beitrugen, ist schwer festzumachen. Ein Faktor dürfte der Umstieg auf eine erneuerte Generation des Bestsellers Model Y sein.
Tesla rüstete Anfang des Jahres die Produktionslinien um. Dafür pausierte die Fertigung für einige Wochen. Zugleich war für Kaufinteressenten der Anreiz geringer, noch ein Fahrzeug der vorherigen Y-Variante zu erwerben. Es könne noch zwei Quartale dauern, bis dieser Effekt verdaut sei, schätzt Bryn Talkington von Requisite Capital Management. Zugleich baute Tesla im vergangenen Quartal mit 362.615 Autos aller Modelle gut 16 Prozent weniger Wagen als ein Jahr zuvor.
Politische Spaltung trifft Marke
Der Tech-Milliardär wurde im vergangenen Jahr zu einem engen Verbündeten von Donald Trump, dem er mehr als 250 Mio. Dollar (231,74 Mio. Euro) für den Wahlkampf ums Weiße Haus spendete. Als Präsident beauftragte Trump ihn mit der Senkung der Regierungsausgaben.
In dieser Rolle löste Musk zahlreiche Kontroversen aus. Kritiker werfen ihm rücksichtslose Kürzungen vor. Er prahlte etwa damit, die Entwicklungshilfe-Behörde USAID „in den Holzhäcksler“ zu werfen – und spricht ständig von angeblich entdeckten Milliardenbetrügereien, ohne dafür Belege zu liefern.
Auch Musks politische Ansichten schrecken zumindest einige potenzielle Tesla-Käufer ab. In Deutschland machte sich der Tech-Milliardär vor der Bundestagswahl für die AfD stark und mischte sich eine Zeit lang auch in die britische Politik ein.
Er beklagt angeblichen Rassismus gegen Weiße und behauptet, die US-Demokraten schleusten Ausländer ins Land, um Wahlen zu ihren Gunsten zu drehen. Bei einer Veranstaltung zur Amtseinführung von Trump schockierte Musk Zuschauer mit einer Hitlergruß-ähnlichen Geste. Kritik daran tat er als „schmutzige Tricks“ seiner Gegner ab.
Musk hofft auf Robotaxis und Roboter
Selbst beim Musk und Tesla wohlgesonnenen Branchenanalysten Dan Ives läuten die Alarmglocken. Jetzt sei ein „Moment der Wahrheit“ für Musk, erklärte der Experte der Investmentfirma Wedbush jüngst im US-Wirtschaftssender CNBC. Musk müsse seine Kostensenker-Rolle und den Job als Tesla-Chef ins Gleichgewicht bringen – und dafür vielleicht im Weißen Haus etwas kürzertreten, legte ihm Ives nahe.
Derweil bekommen Teslas Wagen immer mehr Konkurrenz – insbesondere am wichtigen chinesischen Markt. Musk hält dagegen, dass autonomes Fahren und humanoide Roboter Tesla zum mit Abstand wertvollsten Unternehmen der Welt machen würden. Doch die Firma blieb bisher den Beweis schuldig, dass sie ohne menschliches Eingreifen verlässlich fahrende Autos bauen kann.
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