„USA reich machen“

Trump mit Länderliste: „Für EU 20 Prozent Zoll“

Außenpolitik
02.04.2025 22:56

US-Präsident Donald Trump hat am „Tag der Befreiung“ sogenannte reziproke Zölle für verschiedene Länder – oder wie er sagte: „die ganze Welt“ – angekündigt, mit denen er „Amerika wieder reich machen“ will. Auch auf der langen Zoll-Liste zu finden: die EU. Für die „toughen Verhandler“ der Europäischen Union soll es 20 Prozent setzen.

Die Zoll-Idee sei eigentlich so simpel, sagte Trump am Mittwoch bei seiner Rede im Rosengarten des Weißen Hauses, „aber ich bin froh, dass niemand auf die Idee gekommen ist. Weil jetzt ist es meine Idee.“ Die Maßnahmen, die nun dazukommen, richten sich gegen „Freund und Feind“, wobei „der Freund, wenn es um Zölle geht, manchmal schlimmer ist als der Feind“, so der Präsident, bevor er den großen Ankündigungsreigen – und damit wohl den Handelskrieg – eröffnete. 

Was Trump jetzt vorschwebt, lesen Sie hier: 

  • Über allem steht, dass Trump Amerika „wieder reich machen“ und jenen Ländern, die den USA etwas antun, dasselbe zurück antun möchte. Der 2. April 2025 werde jedenfalls für immer als Tag in Erinnerung bleiben, an dem die USA „größer als je zuvor“ würden. „Das goldene Zeitalter wird zurückkommen – und zwar jetzt“, so Trump.
  • Als Erstes bekräftigte Trump, dass die US-Autozölle in Höhe von 25 Prozent bereits mit Donnerstag, 0.01 Uhr US-Ostküstenzeit (6.01 Uhr MESZ), in Kraft treten sollen. Das wurde auch bereits im Amtsblatt der USA bekannt gegeben.
  • Die Aufschläge auf Autoteile in gleicher Höhe sollen spätestens am 3. Mai wirksam werden. Trump sieht ein „horrendes Ungleichgewicht“ im Autohandel.
  • Trump lobte zwischendurch, dass die Eier durch die großartigen Anstrengungen der Agrarministerin jetzt wieder die Hälfte kosten würden, und kündigte an, dass „Arbeitsplätze und Fabriken zurück in unser Land kommen“ würden. Tausende Fabriken hätten geschlossen werden müssen, die USA seien nicht mehr in der Lage, selbst etwa genug Antibiotika herzustellen.
  • Danach packte Trump ein fast mannsgroßes Chart aus, auf dem mehrere Länder standen – und zu jedem Land sagte er den jeweiligen US-Strafzoll an. 
  • Die EU sei ein „tougher Verhandler“ – für Waren aus der Union müssten nun 20 Prozent Zölle bezahlt werden. Für Waren aus China werden 34 Prozent fällig. Auf jeden Fall sei ein Mindestzoll von zehn Prozent zu bezahlen – das betrifft unter anderem die Ukraine.
(Bild: AFP/BRENDAN SMIALOWSKI)
  • Für Waren aus Lesotho setzte Trump gar 50 Prozent – die höchste Zahl auf seinem Chart – an. Liechtenstein steht mit 37 Prozent auf der Liste, ebenso wie Serbien, die Schweiz mit 31 und Bosnien-Herzegowina mit 35 Prozent sowie Nordmazedonien mit 33 Prozent. 40 oder mehr Prozent müssen künftig für Waren aus Mauritius, Kambodscha, Sri Lanka, Myanmar und Laos aufgeschlagen werden.
  • Die Zölle sollen die USA nach Trumps Ansicht „zu Wachstum führen, wie Sie es noch nie zuvor gesehen haben“. Die gesamte Nation werde „transformiert“ werden. Die Handelspartner hätten die USA mit ihren Zöllen „geplündert und vergewaltigt“.
  • Beim Zoll-Vorhaben hält sich Trump für sehr konsistent: „Wenn Sie sich meine alten Reden anschauen, als ich noch jung und sehr attraktiv war, habe ich schon darüber gesprochen.“
  • Auch die Eier beschäftigten Trump länger: Man habe sich schon kurz nach der Wahl wegen der enormen Verteuerung an ihn gewandt – und er habe geantwortet: „Ich bin ja gerade erst im Weißen Haus angekommen.“
  • Seitenhiebe gegen Vorgänger Joe Biden blieben auch nicht aus. Unter anderem kreidete er ihm „die höchste Inflation, die die USA je gesehen haben“, an und bekrittelte „radikal linke Richter“.
  • Autos, Schiffe, Medikamente und Computerchips will Trump künftig wieder selber herstellen: „mit amerikanischem Stahl, amerikanischem Herz“: „Ab heute kann uns niemand mehr sagen, dass amerikanische Arbeiter nicht die Zukunft haben können, die sie verdienen.“
  • Bevor er die entsprechenden Dekrete unterschrieb, sagte Trump noch: „Das wird einer der wichtigsten Tage in der amerikanischen Geschichte sein. God bless you and god bless America.“

Nicht in Trumps Rede, aber im US-Bundesanzeiger: Zölle auf Bier
Zuvor hatte das Handelsministerium die Zölle auf alle Bierimporte im US-Bundesanzeiger im Rahmen einer Erweiterung von bereits angekündigten Aufschlägen auf Aluminiumprodukte bekannt gegeben. Auch leere Alu-Dosen werden von den Maßnahmen erfasst, die wie die US-Autozölle ebenfalls ab Freitag um 0.01 Uhr US-Ostküstenzeit gelten sollen. Ob auch Bierimporte in Glasflaschen betroffen sind, ist nicht bekannt. In dem Dokument ist der allgemeine Zollcode für „Bier aus Malz“ aufgelistet, ohne einen Untercode etwa für Bierimporte in Glasflaschen.

USA importieren deutsches Bier im Wert von 70 Millionen Dollar
Die Maßnahme wäre ein erheblicher Schlag für Bierimporte, die laut Daten des US-Statistikamtes im Jahr 2024 mehr als 7,5 Milliarden Dollar (6,95 Mrd. Euro) betrugen. Die mit Abstand meisten Einfuhren kamen dabei aus Mexiko mit 6,3 Milliarden Dollar, gefolgt von den Niederlanden mit 683 Millionen Dollar, Irland mit 192 Millionen Dollar und Kanada mit 73 Millionen Dollar. Importe aus Deutschland machten 70,3 Millionen Dollar aus.

Wie die US-Zölle Österreich betreffen
Spezielle Zölle galten bisher schon gegenüber allen Lieferungen aus China (20 Prozent), gegenüber Mexiko sowie Kanada waren sie ausgesetzt. Bereits in Kraft sind Abgaben auf Stahl und Aluminium von 25 Prozent. Diese treffen in Österreich vorwiegend die Voestalpine sowie den Alukonzern Amag. Beide liefern allerdings Spezialprodukte, etwa für Eisenbahnen oder Flugzeuge. Dort sind sie schwer ersetzbar, sodass ihre Kunden die höheren Preise wahrscheinlich großteils bezahlen werden. Massive Einbrüche drohen hingegen beim US-Export von Autozulieferern bis Winzern. Hier sind die USA ein wichtiger Abnehmer.

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