Alle skurrilen Details

Diktatoren bleiben vom Zoll-Wahnsinn verschont

Wirtschaft
03.04.2025 06:51

US-Präsident Donald Trump hat seine aggressive Zollpolitik fortgesetzt: Sein „Tag der Befreiung“ kommt einem „Blutbad“ für die Weltwirtschaft gleich. Wann der neue Zoll-Wahnsinn gilt – und welche Absurditäten in seinem gewaltigen Plan stecken, lesen Sie hier.

Jetzt ist er da, der große US-Bruch mit dem Rest der Welt. Trump warf bei der Ankündigung seines Wahnsinns selbst engen Handelspartnern vor, die USA bisher mit ihrer Zollpolitik „geplündert und vergewaltigt“ zu haben. Über die Europäer sagte er erneut, sie zögen die USA „über den Tisch“.

Der US-Präsident sprach sichtlich stolz von Importsteuern gegen „die ganze Welt“. Die ganze Welt? Es gibt Ausnahmen. Wichtige US-Partner wie Kanada und Mexiko sind Regierungsvertretern zufolge von den neuen Zöllen ausgenommen, da dort vor allem Autoteile für „amerikanische“ Autos gefertigt werden. Bereits verhängte Maßnahmen (Stahl- und Aluminium) gelten allerdings weiterhin.

Einige Waren wie Kupfer, Arzneimittel, Halbleiter, Holz, Gold und „bestimmte Mineralien“ werden nach Informationen des Weißen Hauses von Trumps Zollkeule ebenfalls ausgeschlossen. 

Donald Trump ist stolz auf seinen neuen Zoll-Wahnsinn. (Bild: AP/Mark Schiefelbein)
Donald Trump ist stolz auf seinen neuen Zoll-Wahnsinn.

Die absurdesten Ausläufer der Trump-Liste
Die Autokraten dieser Welt dürfen sich an dem wirtschaftlichen „Blutbad“, das die USA in Gang setzen, ergötzen. Kuba, Belarus, Nordkorea und Russland sind von Trumps neuen Zöllen ausgenommen. Die Erklärung: Sie würden bereits genug leiden!

Bereits bestehende Sanktionen würden „jeden sinnvollen Handel ausschließen“, erklärte das Weiße Haus. Dass insbesondere das russische Exportgeschäft in die USA nicht existiere, stimmt jedoch nicht. Zwar ist der Handel deutlich zurückgegangen, doch allein 2024 gingen Waren im Wert von mehreren Milliarden Dollar über den russischen Verkaufstisch Richtung USA. Der Kreml erzielte einen Handelsüberschuss von 2,5 Milliarden Dollar, bleibt jetzt aber verschont. Der Ukraine werden dagegen zehn Prozent aufgebrummt. Eine verheerende Optik.

Das Vorgehen überrascht, da nicht einmal Pinguine vor Trumps Zollrache sicher sind. Eine Gruppe karger, unbewohnter Vulkaninseln in der Nähe der Antarktis, die mit Gletschern bedeckt und Heimat der Seevögel sind, werden ebenfalls mit zehn Prozent besteuert. Die Heard- und McDonald-Inseln werden in seiner Liste extra angeführt und sind Teil Australiens.

Die kleine Inselgruppe gehört zu den entlegensten Orten der Welt und ist nur über eine zweiwöchige Bootsfahrt von Perth an der australischen Westküste aus zu erreichen, berichtet der „Guardian“. Sie sind völlig unbewohnt, und der letzte Besuch von Menschen ist vermutlich fast zehn Jahre her. Die Pinguine dürften Trump ebenfalls „abgezogen“ haben. Der australische Premierminister, Anthony Albanese, bemerkte süffisant: „Nirgendwo auf der Welt ist es sicher.“

Ökonomen sprechen bei Berechnung von Irrsinn
Wie Trump auf die jeweiligen Zollhöhen für einzelne Länder kommt, haben Ökonomen relativ rasch nachvollziehen können. Es handelt sich um abenteuerliche Fantasiezahlen, die relativ wenig mit wechselseitigen (reziproken) Zöllen, sondern mit reiner Nachfrage zu tun haben. Die Berechnung sorgt unter Experten für Spott und Hohn. Trump hat einfach das Handelsdefizit der USA durch die Exportanzahl eines Landes dividiert. Dieser Wert wurde mal 100 gerechnet. Von der Summe werden dann noch 50 Prozent abgezogen, um es realistisch wirken zu lassen. Offiziell, weil sich der „Commander-in-Chief“ gnädig fühlte. Perfekt ist der trumpsche Zoll. 

Kurz: Die USA haben quasi die eigene Außenhandelsbilanz in Zölle umgewandelt. Je höher ausländische Güter bei US-Amerikanern nachgefragt sind, desto mächtiger sind die Einfuhrzölle. Selbst, wenn es keine Alternativen gibt. Die Rechnung wird in der Textilbranche besonders deutlich, da Vietnam Tarife in Höhe von 46 Prozent aufgebrummt werden. Sneaker und andere Klamotten werden kaum in den USA hergestellt. Vietnam ist eines der Hauptproduktionsländer. Dementsprechend importieren die USA deutlich mehr als sie exportieren (siehe Grafik oben), um die Nachfrage der eigenen Bevölkerung sättigen zu können.

Heißt: In Vietnam produzierte Schuhe könnten in den USA nun statt 100 Dollar 46 Dollar mehr kosten, sollte die volle Zusatzsteuer an den Konsumenten weitergegeben werden. Das soll den eigenen Produktionsstandort attraktiver machen. Eine entsprechende Infrastruktur gibt es aber nicht. Der Endverbraucher wird hier absolut abgestraft. Das dürfte die Inflation in den USA massiv anheizen. Aktien von Nike, Levi Strauss und Co. rauschen bereits ins Bodenlose.

Wie sieht der Zeitplan aus?
Bei den Zeitpunkten muss unterschieden werden. Am 5. April um 6.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit tritt ein pauschaler Zollsatz in Höhe von zehn Prozent in Kraft. Dieser Mindestwert wird 185 Staaten betreffen. Höhere Fantasiezölle für die nach Ansicht des Weißen Hauses „schlimmsten Übeltäter“ sollen dann am 9. April in Kraft treten. Hier stehen etwa 60 Länder auf Trumps Abschussliste.

Die höheren Zusatzzölle betreffen wichtige Handelspartner der USA, darunter auch enge Verbündete wie die Europäische Union – somit auch Österreich. Importe aus der EU werden mit Aufschlägen von 20 Prozent belegt. Indien wird mit Aufschlägen von 26 Prozent belegt, Südkorea mit 25 Prozent und Japan mit 24 Prozent.

Besonders hart dürften die neuen Zölle China treffen – das Land, mit dem die USA das größte Handelsdefizit haben. Peking muss mit neuen Aufschlägen von 34 Prozent rechnen. Werden bereits bestehende Maßnahmen hinzugezählt beläuft sich die Gesamtbelastung auf chinesische Importe auf 54 Prozent. Die EU und China haben bereits Vergeltung angekündigt, sollten Verhandlung nicht fruchten. Dann wird's richtig teuer ...

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt