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Stimm-Wunder: Warum Affen die besseren Jodler sind

Wien
03.04.2025 09:47

Während Alpenjodler eine Oktave schaffen, kommen Affen dank spezieller Kehlkopfmembranen auf dreieinhalb. Eine neue Studie zeigt, wie diese Strukturen jodelähnliche Frequenzsprünge ermöglichen – und warum sie für Affen überlebenswichtig sind. Das erstaunliche Jodel-Talent ist im Video oben zu hören.

Affen und Menschenaffen sind die engsten Verwandten des Menschen, doch sprechen können sie nicht. Einige Arten verfügen jedoch über spezielle Kehlkopfstrukturen, mit denen sie Frequenzsprünge erzeugen – ähnlich wie beim Jodeln. Ein internationales Forschungsteam verglich dieses Phänomen mit dem alpenländischen Kulturgut und untersuchte im Journal „Philosophical Transactions of the Royal Society B“ die anatomischen Grundlagen dieser Fähigkeit.

Erkenntnisse gelten für Neuweltaffen
Mit bis zu drei Oktaven ist der Frequenzbereich dabei größer als beim Menschen, wie die Wissenschafter erhoben. Die Erkenntnisse gelten dabei für sogenannte Neuweltaffen, also die Gruppe von ursprünglichen Primaten des amerikanischen Kontinents. Zu diesen zählen beispielsweise Klammeraffen sowie Kapuziner- und Totenkopfäffchen, erklärte Hauptautor Christian T. Herbst von der Universität Wien. Dem Phänomen liegen dünne, leichte Gewebemembranen an den oberen Rändern der Stimmlippen im Kehlkopf zugrunde.

Verlorenes Talent der Menschen
„Wir Menschen müssen diese Membranen offensichtlich im Laufe der Evolution verloren haben“, erklärte Herbst. Ihre genaue Funktion sei bei bisherigen Untersuchungen weitestgehend unklar geblieben, die Jodellaute nur am Rande erwähnt worden. „Zum ersten Mal konnten wir jetzt den Zusammenhang zwischen Anatomie und akustischem Output zeigen“, so der Stimmforscher weiter.

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Zum ersten Mal konnten wir jetzt den Zusammenhang zwischen Anatomie und akustischem Output zeigen.

Hauptautor Christian T. Herbst von der Universität Wien

Das gelang mithilfe unterschiedlicher Methoden: In „La Senda Verde“, einem Tierschutzgebiet im bolivianischen Urwald, haben die Forschenden etwa nicht-invasive Tonaufnahmen durchgeführt. Ergänzt wurden diese durch Experimente an den Kehlköpfen von auf natürlicher Art und Weise verstorbenen Affen sowie mithilfe von Computermodellen.

Zweitonmodi bei Affen
Bei den Affen zeigten sich zwei verschiedene Schwingungsmuster der Stimmlippen: Im ersten Modus sind nur die Stimmlippen aktiv, wodurch Töne ähnlich wie beim Menschen entstehen. Im zweiten Modus schwingen zusätzlich die Kehlkopfmembranen mit, was deutlich höhere Frequenzen und abrupte, jodelähnliche Sprünge ermöglicht. Während diese Frequenzsprünge beim Menschen meist auf eine Oktave begrenzt sind, erstrecken sie sich bei den Affen über mehr als drei Oktaven.

So funktioniert das Affen-Jodeln

  • Kehlkopfmembranen: Dünne Gewebestrukturen ermöglichen Frequenzsprünge
  • Zwei Tonmodi: Entweder schwingen nur die Stimmlippen oder zusätzlich die Membranen mit jodelähnlichen Sprüngen
  • Affen erreichen einen 3,5 Mal größeren Tonumfang als Menschen 
  • Menschen haben diese Membranen im Laufe der Evolution verloren
  • Die „Ultra-Jodler“ helfen Affen, komplexe Laute ohne Sprache zu erzeugen

Für Affen seien diese Membranen vorteilhaft, denn durch die mit ihnen einhergehenden, unregelmäßigeren Schwingungen können sie mehr Komplexität in der Vokalisation erzeugen und damit Informationen vermitteln, ohne auf komplexe neuronale Strukturen zurückzugreifen, vermuten die Forschenden. Menschen bräuchten demgegenüber eine simple und stabile Klangquelle, um vielschichtige Informationen durch Sprache zu vermitteln.

Vorteile der „Ultra-Jodler“ im Sozialleben
„Diese Ergebnisse zeigen, wie Affen ein distinktes evolutionäres Merkmal – die Stimm-Membranen – nutzen, das es ermöglicht, eine größere Bandbreite an Rufen zu erzeugen, einschließlich dieser ‘Ultra-Jodler‘“, so der Senior-Autor Jacob D. Dunn von der Anglia Ruskin University in einer Aussendung. Dies könne laut Dunn besonders wichtig für Primaten sein, die ein „komplexes Sozialleben“ haben und auf verschiedene Arten kommunizieren müssen.

„Wir konnten den stimmlichen Rahmen und die stimmlichen Möglichkeiten aufzeigen“, ergänzte Herbst. In welchen Situationen die „Jodellaute“ genau zum Einsatz kommen, sei eine offene Frage für zukünftige Forschungsprojekte. Dass man die auf dem von den Forschenden bereitgestellten Audio-Mitschnitt vernommenen Laute tatsächlich mit Jodeln assoziiert, verlangt dem Laien aber sicherlich etwas Fantasie ab.

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