Preise, Jobs, Börsen

Die sieben Antworten nach Trumps Zoll-Großangriff

Wirtschaft
04.04.2025 06:00

US-Präsident Donald Trump macht jetzt Ernst und verhängt hohe Zölle auf Waren weltweit, auch aus Europa. Die „Krone“ zeigt, was das für Österreich bedeutet, und beantwortet die sieben wichtigsten Fragen zum neuen Handelskrieg.

Der Handelskrieg hat nun endgültig begonnen. Auf der ganzen Welt setzt Trump auf zehnprozentige Zölle, Österreich und die EU müssen sich sogar auf 20 Prozent einstellen, für importierte Autos kommen sogar 25 Prozent.

Wer besonders betroffen ist
Was bedeuten die Zölle für unser Wirtschaftswachstum?

Besonders empfindlich treffen die Autozölle die EU. Die Exporte dürften um 30 Prozent einbrechen, derzeit liefern europäische Hersteller Autos im Wert von 38 Milliarden Dollar in die USA. In Österreich sichert die Zulieferindustrie indirekt bis zu 200.000 Arbeitsplätze.

Aber auch abgesehen vom Kfz-Sektor sind die Folgen empfindlich. „Die Zölle dürften Österreichs Wirtschaftsleistung um 0,35 Prozent senken und die Rezession verstärken“, sagt Wifo-Experte Harald Oberhofer. Die Exporte werden um 1,4 Prozent sinken. Noch nicht eingerechnet Gegenmaßnahmen, die den internationalen Handel weiter beeinträchtigen.

Trump plant Handelsbarrieren für die ganze Welt. (Bild: AFP/Andrew Harnik/Getty Images)
Trump plant Handelsbarrieren für die ganze Welt.

Am stärksten betroffen ist die Industrie, die der Sonderzoll von 25 Prozent auf Fahrzeuge besonders trifft. Aber auch die Maschinen- und Metallbranche wird unter den Zöllen leiden, meint der WIfo-Experte.

Preise
Was wird in Österreich teurer werden?

Reagiert die EU mit Vergeltungsmaßnahmen, dürften amerikanische Waren im Inland teurer werden, etwa Spirituosen wie Whiskey oder Motorräder. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will „die USA dort treffen, wo es Trump wehtut“. Die EU zielt daher besonders auf republikanische Bundesstaaten ab. So dürften vor allem landwirtschaftliche Produkte wie Gin, Whiskey, Rindfleisch, Geflügel oder Soja bezollt werden, was bäuerliche republikanische Staaten wie Tennessee besonders hart trifft.

Kapitalmärkte
Was heißt der Zollhammer für die Börsen?

Börsenkurse waren nach den Zollankündigungen weltweit im Sinkflug, auch der heimische ATX verlor deutlich. Die Kapitalmärkte reagieren aus mehreren Gründen negativ. Erstens sind Zölle – das sehen fast alle Ökonomen so – schlecht für die Wirtschaft. Zweitens verunsichert die derzeit chaotisch anmutende Politik von Trump die Finanzmärkte, Anleger reagieren vorsichtig auf Unsicherheiten. Und zu guter letzt sind vor allem wachstumsstarke Tech-Titel stark unter Druck. Apple, Amazon, Microsoft und Co. befürchten Gegenmaßnahmen.

Simple Variante
Warum griff Trump zu „reziproken“ Zöllen?

Mit reziproken Zöllen will Trump die Steuersätze anderer Staaten „spiegeln“ und dabei auch andere Handelsbarrieren berücksichtigen, heißt es. Am Ende scheint die Rechnung aber sogar sehr simpel zu sein. Trump dividiert das Handelsdefizit eines Landes mit den Exporten, die dieses Land in die USA hat, das ergibt dann einen Prozentsatz. Diesen halbiert er, „da er freundlich ist“, und somit entseht der Zollsatz. Das ist einigermaßen kurios. Offenbar lief es im Weißen Haus die vergangenen Tage sehr chaotisch ab. Eine genaue Differenzierung nach Waren und Ländern hätte die derzeit 16.000 geltenden Zollsätze auf über zwei Millionen rasant anwachsen lassen.

Inflation wird steigen
Was bedeuten die Zölle für die US-Wirtschaft?

Für US-Bürger wird das Leben teurer, der Konsum dürfte sinken. Goldman Sachs rechnet mit einem Verlust von bis zu 350 Milliarden Dollar beim Bruttoinlandsprodukt. Die Inflation dürfte heuer um mehr als einen Prozent höher ausfallen als bisher berechnet. Vor allem Zölle auf chinesische Waren treffen den durchschnittlichen US-Amerikaner mit voller Wucht, da sich damit Konsumgüter im Alltag verteuern werden.

Seine Motive
Warum macht Trump das?

Trump sieht die Sicherheit der USA durch das Handelsdefizit bedroht, es geht ihm vor allem um die Souveränität der Industrie. Trump findet, dass sein Land von zahlreichen anderen Staaten ausgenutzt wird, indem diese deutlich mehr exportieren als importieren. Das will er beenden. Zudem soll so die Industrie in den USA gestärkt und vor dem Ausland geschützt werden. Auch indirekt soll es der Wirtschaft helfen. Denn die hohen Einnahmen will der Republikaner nutzen, um großzügig die Steuern für Unternehmen zu senken.

Aber Zölle sind für Trump auch Verhandlungsmasse. Er nutzt sie bewusst als Druckmittel, um seine Interessen durchzusetzen. Wie man bereits bei den Maßnahmen gegen Kanada und Mexiko gesehen hat, zögert Trump auch nicht, die Zölle wieder auszusetzen. Er kann sich als Retter der Wirtschaft inszenieren, wenn es nach aufgehobenen Zöllen mit den Aktienkursen wieder aufwärts geht.

Baldige Gegenzölle
Wie reagiert die EU jetzt?

Die EU-Kommission hat angekündigt, mit Gegenmaßnahmen antworten zu wollen. Darüber wird gerade beraten. Am 7. April treffen sich die Handelsminister in Luxemburg. Spätestens am 13. April sollen Gegenzölle in Kraft treten. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will „die USA dort treffen, wo es Trump wehtut“. Ziel sind daher besonders Waren aus republikanischen Bundesstaaten, etwa Gin, Whiskey oder Rindfleisch.

Aber auch die „Tech-Freunde“ von Trump will die EU treffen. Apple, Amazon, Microsoft und Co. haben Gegenmaßnahmen zu befürchten. „Bei Dienstleistungen haben die USA einen großen Überschuss, was Trump aber ausblendet“, so Oberhofer. Die EU wird wohl die Regulierung verschärfen und Konzerne stärker in die Pflicht nehmen wollen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt