Auch Viagra darunter

Produktpiraten-Razzia: Millionenwert beschlagnahmt

Österreich
03.04.2025 12:30

Egal, ob gefälschte Taschen, Kleidung oder Elektronik aus Urlaub oder Internet – der Handel mit Produktpiraterie blüht. So hat unser Zoll im Vorjahr 129.000 gefälschte Artikel im Originalwert von 38 Millionen Euro beschlagnahmt. Bei illegal erstandenen Medikamenten – etwa Viagra – droht sogar Lebensgefahr.

Die Verlockung im Urlaub ist groß, auf einem Fake-Markt Kleidung und Accessoires zu erstehen, obwohl von Weitem klar ist, dass es sich um billigen Ramsch handelt. Doch die Finanz macht nicht nur bei Reisenden Stichproben, sondern sie jagt gezielt die Produktpiraten, die im großen Stil Konsumartikel und Medikamente gezielt unter die Menschen bringen.

Bedenkliche Entwicklung
Im Jahr 2024 hat der Zoll in Österreich 6327 Fälle von Produktpiraterie aufgedeckt und daraus resultierend 9974 Verfahren eingeleitet. Das ist gemessen am Originalpreis der zweithöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Darüber hinaus wurden 378.109 gefälschte und andere illegale Medikamente aus dem Verkehr gezogen. Österreich ist dabei das einzige EU-Land, das jährlich einen umfassenden Bericht an das Parlament liefert.

Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl betonte am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz, dass Marken- und Produktpiraterie einen „erheblichen Schaden“ für heimische Händler und Hersteller anrichte. „Alleine im vergangenen Jahr haben unsere Zöllnerinnen und Zöllner rund 129.000 gefälschte Artikel beschlagnahmt, deren Originalwert mehr als 38 Millionen Euro betrug“, so Eibinger-Miedl. Zollexperte Bernhard Herics warnt indessen vor den vermeintlichen Schnäppchen: „Gefälschte Produkte sind nicht nur von minderer Qualität, sondern können auch gesundheitsschädliche Materialien enthalten und eine ernsthafte Gefahr für die Umwelt darstellen.“

Die meisten beschlagnahmten Plagiate stammen aus den Bereichen Bekleidung, Schuhe, Taschen und Schmuck – meist aus dem asiatischen Raum importiert. (Bild: Martina Münzer)
Die meisten beschlagnahmten Plagiate stammen aus den Bereichen Bekleidung, Schuhe, Taschen und Schmuck – meist aus dem asiatischen Raum importiert.
Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl und Zollexperte Bernhard Herics (v.l.).  (Bild: Martina Münzer)
Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl und Zollexperte Bernhard Herics (v.l.). 

97 Prozent der gefälschten Waren sind gefährlich
Verbraucher können nicht nur durch Produktfälschungen getäuscht werden, sie stellen mitunter eine große Gefahr für die Gesundheit und die Sicherheit dar. 97 Prozent der erfassten gefährlichen gefälschten Waren wurden als Produkte eingestuft, von denen ein schwerwiegendes Risiko ausgeht. Die Gefahren resultierten aus mangelhafter Verarbeitung, minderwertigen Materialien und fehlendem Wissen über Sicherheitsvorschriften.

Gezielte Schwerpunktkontrollen im Postverkehr sowie verstärkte Kontrollen am Flughafen Wien deckten die Produktpiraterie auf – der Internethandel wird dabei besonders ins Visier genommen. Die meisten beschlagnahmten Plagiate stammen aus den Bereichen Bekleidung, Schuhe, Taschen, Schmuck und Mobiltelefone – inklusive Zubehör und Spielzeug. Besonders alarmierend: Die meisten dieser gefälschten Produkte wurden aus dem asiatischen Raum nach Österreich geschmuggelt und dürften dort in großem Maßstab produziert worden sein.

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Von 100 untersuchten Viagra-Tabletten hatten 97 Prozent keine Wirkung, bei den übrigen drei Prozent war es stark überdosiert.

Zollexperte Bernhard Herics

Starke Überdosierung bei Viagra
Auch Medikamentenfälschungen und illegale Arzneimittel bleiben nach wie vor besorgniserregend. Trotz des Verbots im Arzneiwareneinfuhrgesetz werden sie weiterhin von Privatpersonen, vor allem über das Internet, bestellt oder eingeschmuggelt – darunter auch das bekannte Potenzmittel Viagra. „Von 100 untersuchten Viagra-Tabletten hatten 97 Prozent keine Wirkung, bei den übrigen drei Prozent war es stark überdosiert“, führt Herics an.

Im Jahr 2024 wurden in Österreich 7147 Sendungen mit insgesamt 378.109 kopierten und anderen illegalen Medikamenten beschlagnahmt – gegenüber dem Jahr 2023 ein Anstieg von sechs Prozent.

Bei einer riskanten Kontrolle am Flughafen Wien fanden Zöllner 3,3 Tonnen Produktfälschungen, darunter 13.608 gefälschte Schuhe, Sonnenbrillen und Handtaschen. Die Ware, die nach London weitertransportiert werden sollte, wurde sofort sichergestellt. Im Wiener Hafen entdeckten Zöllner außerdem einen Container mit 16.300 Kilo gefälschtem Waschmittel der Produktmarke Persil, das gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe enthielt. Die Fracht aus der Türkei wurde unter zollamtlicher Überwachung vernichtet.

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