Glyphosat-Skandal

Jugendlicher (17) verklagt Bayer wegen Behinderung

Ausland
03.04.2025 13:43

Es ist der erste Fall bezüglich einer Missbildung im Mutterleib: Eine schwangere Französin spritzte den Unkrautvernichter Glyphosat auf den Dressurplatz einer Reitschule, ihr Sohn Theo kam daraufhin mit starken Behinderungen auf die Welt. Nun verklagt der 17-Jährige den Konzern Bayer.

Der Hersteller Bayer muss sich seit Donnerstag in diesem Zusammenhang im französischen Ort Vienne vor Gericht verantworten. „Ich vertrete alle, die mit Behinderungen geboren wurden“, erklärt der 17 Jahre alte Theo vor Gericht, der ohne Stimmbänder geboren wurde und sich mithilfe der Speiseröhre verständlich macht.

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Ich vertrete alle, die mit Behinderungen geboren wurden.

Der 17-jährige Theo vor Gericht in Vienne

Kläger wollen „Präzedenzfall“ schaffen
Die Familie Theos und er selbst wollen mit dem Prozess nicht nur das Recht des behinderten Jungen einklagen, sondern mit der Hoffnung auf einen Schuldspruch Bayers auch einen Präzedenzfall schaffen. Würden sie dies erreichen, wäre aus Sicht des Anwalts der Familie Theos, Bertrand Repolt, die Behinderung als Folge des Glyphosat-Einsatzes anerkannt.

Der deutsche Pharma-Konzern muss sich dabei nicht das erste Mal vor Gericht verantworten. Schon mehrfach war dieser wegen Krebserkrankungen im Zusammenhang mit Glyphosat verklagt worden. Dies sei aber der erste Fall, bei dem es um eine Missbildung im Mutterleib geht, erklärte der Anwalt. Die Familie fordert zunächst die Feststellung der Verantwortlichkeit und letztlich auch Schadensersatz von Bayer.

Die Familie Theos und er selbst werfen dem Konzern vor, die Schädlichkeit des Mittels heruntergespielt zu haben. (Bild: AFP/JEFF PACHOUD)
Die Familie Theos und er selbst werfen dem Konzern vor, die Schädlichkeit des Mittels heruntergespielt zu haben.

Theo wurde 55 Mal operiert
Die Mutter des Burschen Sabine Grataloup kreidet dem Pharma-Riesen vor allem an, dass dieser die Schädlichkeit des Mittels „heruntergespielt“ habe. Dies habe dazu beigetragen, dass der Einsatz von Glyphosat in zahlreichen Ländern zugelassen worden war. Die Mutter hatte das Mittel 2006 eingesetzt, als sie noch nicht wusste, dass sie schwanger war. Theo wurde mit zusammengewachsener Luft- und Speiseröhre geboren und seit seiner Geburt bereits 55 Mal operiert worden.

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Wenn wir das schaffen, ist es ein Präzedenzfall.

Anwalt Bertrand Repolt

Seine Eltern verklagten 2018 den Konzern Monsanto, der damals gerade von Bayer übernommen worden war. Monsanto hatte das Glyphosat für den Unkrautvernichter Glyper geliefert. Auf der Verpackung habe es „keinen Hinweis auf mögliche Schäden für Ungeborene“ gegeben, betont die Klägerin.

Ein französischer Fond für Pestizidopfer erkannte im Jahr 2022 den Zusammenhang zwischen Theos Fehlbildungen und dem Glyphosat-Einsatz an. Seitdem erhält der 17-Jährige eine monatliche Entschädigung in Höhe von 1000 Euro.

„Wahrscheinlich krebserregend“
Glyphosat ist weltweit der am häufigsten verwendete Inhaltsstoff in Pestiziden, vor allem in Unkrautvernichtungsmitteln wie dem von Bayer hergestellten Roundup. In mehreren Gerichtsverfahren wurde das Unternehmen zu Schadenersatz verurteilt, in anderen jedoch freigesprochen. In vielen Fällen wurden Vergleiche erzielt. Im Jahr 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein, wobei die Experten betonten, dass diese Einschätzung noch nicht beweise, dass die Anwendung tatsächlich Krebserkrankungen verursacht.

Seit 2018 ist das Mittel in Frankreich für den privaten Gebrauch verboten, doch die Zulassung in Europa wurde Ende 2023 unter bestimmten Auflagen für weitere zehn Jahre erneuert.

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