„Krone“-Analyse

Es gibt nur Verlierer bei Trumps Zoll-Attacke

Kolumnen
03.04.2025 18:00

Gut, dass Trump schon im Pensionsalter ist – als Schüler würde er vor allem beim Thema „Wirtschaft“ einen Fleck nach dem anderen einfangen. Er fühlt sich als „Dealmaker“ und möchte jetzt praktisch die ganze Welt mit gewaltigen Zöllen in die Knie zwingen, analysiert Dr. Georg Wailand.

Ist ihm entgangen, wie das globale Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist? Es war der Freihandel, der viele Früchte trug. Wenn Trump jetzt stattdessen die USA als Welt-Herrscher inszeniert, der mit der Zoll-Peitsche alle anderen nach Belieben züchtigen kann, dann ist eine starke, aber maßvolle Antwort angebracht.

Das kleine Österreich wird das nicht alleine schaffen, aber jetzt ist Europa einmal wirklich gefordert. Die EU kann es sich nicht gefallen lassen, dass wir von Chlorhühnern bis zum Hormonfleisch alles in Land lassen, was sich Trump wünscht. Es gibt europäische Qualitätserfordernisse, die gelten auch für Trump und seinen Kumpan Musk, der offenbar seinen Elan bereits verloren hat.

Bei einem Zollkrieg ist eines sicher: Es gibt nur Verlierer. Es sind von Europa mehr Waren in die USA exportiert worden als umgekehrt? Von offenen Märkten haben beide profitiert.

So wie es jetzt läuft, werden die Preise vor allem in den USA steigen. Und welcher Investor will schon in einem Land neue Fabriken bauen, die von der Willkür des amtierenden Präsidenten abhängig sind? Heute erhöht er die Zölle dramatisch – und morgen?

Ein spezielles Kapitel sind die amerikanischen Digital-Konzerne, die sich in Europa eine goldene Nase verdienen. Sie räumen bei den Werbeeinnahmen gnadenlos ab, der Überhang der Konzern-Riesen aus dem Silicon Valley geht in die Milliarden. Dagegen sind die EU-Warenlieferungen ein Klacks.

Bilanziert für die „Krone“: Georg Wailand (Bild: stock.adobe.com, Krone KREATIV)
Bilanziert für die „Krone“: Georg Wailand

So eine Art Digital-Abgabe in schmerzhaftem Ausmaß würde aber nur dann Wirkung erzielen, wenn es eine europäische Regelung wäre.

Ein „Spiel“, das in die Sackgasse führt
Österreichs Abhängigkeit vom Außenhandel mit den USA gilt speziell für unsere Industrie, die USA sind nach Deutschland unser zweitwichtigster Exportmarkt geworden.

Dieses „Spiel“ von Trump – „Wie schade ich dem anderen am meisten“ – führt garantiert in die Sackgasse. Bis jetzt haben die Bevölkerungen auf beiden Seiten verwundert dem Streit zugeschaut, aber wenn einmal die emotionalen Dämme brechen, wird es gefährlich. Auch in den Dreißigerjahren hat es mit wirtschaftlichen Provokationen begonnen, bis die Welt in Flammen stand.

Daher die Devise: Es ist alles zu tun, um von beiden Seiten eine derartige Eskalation zu verhindern.

Das Hochschnellen des Goldpreises ist ein Signal: Die Welt fürchtet eine kriegerische Auseinandersetzung. Da gilt Gold als verlässliche Reserve.

Die Friedensidylle Europa geht zu Ende. Umso wichtiger ist es, nicht à la Trump in Kraftmeierei zu verfallen, sondern mit Besonnenheit diplomatische Lösungen zu erreichen.

Noch ist es nicht zu spät dafür.

Porträt von Georg Wailand
Georg Wailand
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