Unruhe in der Formel 1

„Man nimmt jemandem seine Hoffnungen und Träume!“

Formel 1
03.04.2025 15:45

Der viel beachtete Fahrertausch bei Red Bull Racing ist vor dem dritten Saisonstopp der Formel 1 in Japan das große Thema. Während Weltmeister Max Verstappen seinen Unmut über die Degradierung von Liam Lawson virtuell ausdrückt, ist der Zeitpunkt des Wechsels für den Nutznießer ideal. Yuki Tsunoda erlebt gleich in seinem ersten Rennen in Suzuka als RB-Pilot ein emotionales Heimspiel.

„Es könnte nicht verrückter sein“, räumte der 24-jährige Tsunoda angesichts der jüngsten Geschehnisse ein. Der schweren, teaminternen Prüfung sieht der vom Schwesternteam Racing Bulls quasi nachträglich Beförderte optimistisch entgegen. „Ich sage jetzt nicht, dass ich das Zutrauen habe, gleich gegen Max zu bestehen, aber ich bin zuversichtlich, dass ich etwas anderes zu bieten habe als die anderen Fahrer.“

Die Härte des Motorsport-Geschäfts kennt der Japaner längst. Der Zögling von Honda, das nach diesem Jahr endgültig bei Red Bull als Motoren-Hersteller aussteigt und ab 2026 Aston Martin mit Aggregaten versorgt, hatte eigentlich zum Ende der vergangenen Saison mit dem Cockpit neben Verstappen gerechnet. Doch Red Bull entschied sich anders. Für Lawson. Diese Entscheidung sei „brutal“ für ihn gewesen, meinte Tsunoda dieser Tage.

„Manchmal muss man grausam sein“
Der 23-jährige Neuseeländer Lawson wurde nach zwei enttäuschenden Rennen wieder abgesetzt. „Natürlich ist es schrecklich, weil man jemandem seine Träume und Hoffnungen nimmt“, meinte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. „Aber manchmal muss man grausam sein, um freundlich zu sein. Ich denke, dass das in diesem Fall nicht das Ende für Liam ist.“ In Suzuka empfing ihn sein neuer, alter Rennstall mit einem Willkommensgruß am Eingang des Fahrerlagers. „Wir haben dich vermisst“, stand auf einer Boxentafel geschrieben.

Liam Lawson (Bild: AFP/GREG BAKER)
Liam Lawson

Einer dieser anderen Fahrer, die an der Seite von Verstappen förmlich verglühten, war Pierre Gasly. Der heutige Alpine-Pilot erhielt 2019 die Chance, sich neben dem Ausnahmefahrer zu beweisen. In der Sommerpause desselben Jahres musste er aber wieder zurück zum Entwicklungsteam, das damals noch Toro Rosso hieß. „Daran erinnere ich mich nicht“, wies Gasly Erinnerungslücken auf, als es um sein Frust-Kapitel Red Bull ging.

Verstappens vielsagendes Like
Zuletzt gab der Champion ein virtuelles „Gefällt mir“ für einen RB-kritischen Instagram-Beitrag ab. Ex-F1-Fahrer Giedo van der Garde, Landsmann von Verstappen, empfand die Degradierung Lawsons als Kurzschlussaktion der Teamführung und verglich sie vor einigen Tagen mit Mobbing: „Sie trafen eine Entscheidung – in vollem Bewusstsein – und gaben Liam zwei Rennen, nur um seine Seele zu zerstören.“

„Der Beitrag hat mir gefallen, das sagt doch genug, oder?“, meinte nun Verstappen. Vor Journalisten im Fahrerlager von Suzuka wollte er seine Meinung zum Fahrertausch aber nicht ausführen. „Meine Reaktion wurde mit dem Team geteilt, aber im Allgemeinen, nicht nur über den Tausch, sondern über alles“, erklärte er. „Wir haben das bereits am vergangenen Wochenende und in der Fabrik besprochen.“

Verstappen im Video-Studium
Nun darf sich Tsunoda wie zuletzt auch Sergio Perez an der Seite Verstappens versuchen. Die Krux: Das Auto ist maßgeschneidert auf den 63-fachen Grand-Prix-Gewinner, der eine stabile Vorderachse und ein eher unruhiges Heck bevorzugt. Auf diesen Fahrstil muss man sich einlassen. „Für mich ist es schwer zu sagen, ob der Wagen leicht oder schwer zu fahren ist, weil ich kein anderes Auto kenne“, sagte Verstappen. Tsunoda müsse nun einfach „den Dreh selber rausbekommen“. Dafür hat dieser versucht, sich in aller Kürze im Simulator mit dem neuen RB21 vertraut zu machen. Außerdem nahm er Verstappens Fahrstil im Video-Studium unter die Lupe.

Die Story des Wochenendes wäre Tsunoda in Suzuka sowieso gewiss: Beförderung, Heimrennen, Abschiedsvorstellung von Honda bei Red Bull – und dann vielleicht auch noch das erste Podium eines Japaners seit Kamui Kobayashi 2012 für Sauber? „Das ist ein seltener und einzigartiger Moment, in dem mehrere Herausforderungen und Stresssituationen zusammenkommen“, sagte Tsunoda. „Ich weiß nicht, ob ich so etwas jemals wieder erleben werde, also möchte ich es einfach genießen.“

Den Genussstart erwischte bis jetzt vor allem McLaren. Der WM-Leader Lando Norris verwies ausgerechnet vor dem Japan-Grand-Prix auf die starke Partnerschaft mit Oscar Piastri. „Die Tatsache, dass wir zwei gute Fahrer haben, die sich gegenseitig pushen, macht einfach einen größeren Unterschied, als die Leute erwarten und anerkennen“, sagte Norris. Er gewann den Auftakt in Australien, Piastri das zweite Rennen in China.

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