Bundesforste in Kritik

Wirbel um Hirschjagd mitten in der Schonzeit

Tirol
04.04.2025 10:00

„Zutiefst verwerfliche Jagdpraktiken“: Der Obmann des Hegerings im Tiroler Unterland tritt zurück, weil die Bundesforste in Brandenberg 25 Hirsch-Abschüsse genehmigt bekamen. Der Minister wurde informiert, die Jäger fordern Konsequenzen.

Rumoren, ja vielfach Empörung, herrscht in Tiroler Jägerkreisen: Die Bundesforste dürfen seit 1. April in Brandenberg insgesamt 25 Hirsche erlegen – und dies mitten in der Schonzeit, noch während der laufenden Fütterung! Der Antrag vom November 2024 lautete zunächst sogar auf 50 Tiere, angestrebt wurde der Beginn schon mit 1. März. Der Bezirksjagdbeirat hatte das Ansinnen abgelehnt, die BH Kufstein gab dem Druck der Bundesforste aber offenbar nach. Vereinfacht gesagt geht es um den Schutz des Waldes durch zu hohen Wildbestand.

Kritik am Forstpersonal: „Pläne nicht erfüllt“
Dies hat aber laut Bezirksjägermeister und Hegering-Obmann Michael Lamprecht mit Sünden der Vergangenheit zu tun: „Das Forstpersonal war über mehrere Jahre nicht imstande, die in den Abschussplänen geforderten Hirschabschüsse zu tätigen.“ Nun greife man auf „abartige und zutiefst verwerfliche Jagdpraktiken“ zurück.

In der Vergangenheit sollen die Bundesforste-Jäger (Symbolbild) zu wenig geschossen haben. Nun visiert man die Schonzeit an, lautet die Kritik. (Bild: APA/ROBERT JAEGER)
In der Vergangenheit sollen die Bundesforste-Jäger (Symbolbild) zu wenig geschossen haben. Nun visiert man die Schonzeit an, lautet die Kritik.

Grund für diese heftige Kritik: Die Hirsche würden sich noch in der Nähe der Fütterungen aufhalten und oft noch nicht einmal ein Geweih tragen. Erlaubt seien zudem „klassenlose“ Abschüsse, auf die Altersstruktur wird also nicht Rücksicht genommen. Die Jagdzeit für ältere Hirsche startet normalerweise erst am 1. August.

In einem empörten Rundschreiben per WhatsApp informierte Lamprecht die Jägerschaft und kündigte darin seinen Rücktritt in der Hegegemeinschaft (in der sich auch die Bundesforste befinden) an. Bezirksjägermeister wird er aber bleiben.

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Meine Jäger werden gestraft, wenn ein Hirsch nur ein Jahr jünger oder älter ist als im Abschussplan – und hier wird gegen jede Ethik und Waidgerechtigkeit verstoßen.

(Bild: Tiroler Jägerverband)

Anton Larcher, Tiroler Landesjägermeister

Auch Landesjägermeister entsetzt über Causa
Was sagt Landesjägermeister Anton Larcher? „Katastrophal“, schnauft er, „meine Jäger werden gestraft, wenn ein Hirsch nur ein Jahr jünger oder älter ist als im Abschussplan – und hier wird gegen jede Ethik und Waidgerechtigkeit verstoßen.“ Bei dieser Vorgangsweise gerate das Wild in Stress, Verbiss und Schälung würden noch mehr zunehmen.

Der Tiroler Jägerverband hat inzwischen Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig informiert, eine offizielle Untersuchung steht im Raum. Man müsse den Bundesforsten klare ethische Regeln vorgeben, verlangt Larcher.

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