Der US-Bundesstaat Texas erlebt derzeit den schlimmsten Masernausbruch seit Jahren – und nun häufen sich Berichte über Kinder, die mit einer Vitamin-A-Vergiftung in Krankenhäuser eingeliefert werden. Ursache dafür scheint eine irreführende Empfehlung von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. zu sein, der Vitamin A als mögliche Behandlung gegen Masern propagiert.
In Lubbock, Texas, behandelt das Covenant Children’s Hospital mehrere Kinder mit Masern, die gleichzeitig auffällig hohe Vitamin-A-Werte aufweisen. Dies führte bei einigen zu Leberfunktionsstörungen. Auch im benachbarten New Mexico gibt es ähnliche Fällen, wie der „Telegraph“ berichtete.
Steigende Fälle von Masern und Vitamin-A-Vergiftungen
Der Ausbruch ist Teil einer landesweiten Masernwelle: Die US-Gesundheitsbehörde CDC meldete bis zum 28. März fast 500 Fälle in 21 Bundesstaaten – ein Anstieg um 360 Prozent innerhalb einer Woche. Zwei Menschen sind bereits an den Folgen der Krankheit gestorben – die ersten Maserntoten in den USA seit einem Jahrzehnt.
Kennedy versprach „sehr, sehr gute Ergebnisse“
Robert F. Kennedy Jr. erklärte kürzlich gegenüber Fox News, dass Vitamin A „die Sterblichkeit bei Masern dramatisch senken“ könne. Er behauptete zudem, dass die US-Regierung bereits Vitamin-A-Präparate nach West-Texas liefere und Ärzte „sehr, sehr gute Ergebnisse“ erzielten.
Gesundheitsexperten warnen jedoch davor, dass diese Aussagen Eltern dazu verleiten könnten, auf die bewährte MMR-Impfung zu verzichten. Laut CDC schützt die Impfung zu 97 Prozent vor Masern – ein Schutz, der in Texas offenbar nicht ausreichend genutzt wird: 97 Prozent der Erkrankten waren nicht geimpft.
Mediziner warnt vor „unnötigen Infektionen“
„Wenn Menschen fälschlicherweise glauben, sie hätten die Wahl zwischen der MMR-Impfung oder Vitamin A, führt das nur zu unnötigen Infektionen“, mahnte Peter Hotez, Mediziner im Texas Children’s Hospital. Zudem sei unkontrollierte Vitamin-A-Einnahme riskant: Zu hohe Dosierungen können Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und im schlimmsten Fall schwere Leberschäden verursachen.
Verwirrung und steigende Nachfrage nach Vitamin A
Berichten zufolge kaufen Eltern in Texas zunehmend Lebertran, der reich an Vitamin A ist, um ihre Kinder zu behandeln. Doch Experten wie die Kinderärztin Anita Patel weisen darauf hin, dass hoch dosiertes Vitamin A nur im Krankenhaus verabreicht werden sollte: „Es gibt eine wissenschaftliche Grundlage für Vitamin A – aber nicht in der Form, wie es RFK Jr. darstellt. Die Dosierung in einer Klinik ist etwas völlig anderes als ein unkontrollierter Konsum zu Hause.“
Die CDC bestätigt, dass Vitamin A in einem medizinischen Umfeld helfen kann, die Schwere einer Maserninfektion zu lindern. Gleichzeitig betonen Experten jedoch, dass der beste Schutz nach wie vor die Impfung ist.
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