Während einer Podiumsdiskussion fragte der Moderator den Wiener Schulleiter Christian Klar: „Was läuft an dieser Berliner Brennpunktschule besser als an Ihrer?“ Seine Antwort sorgte für Lacher im Publikum: „Wahrscheinlich verkaufe ich meine Schule nicht gut genug.“ Die ebenfalls anwesende Berliner Schulleiterin widersprach nicht.
Herr Klar hat auf einen wichtigen Punkt hingewiesen. An unseren Schulen passiert viel Gutes: Das Kind, das zu Beginn der ersten Klasse hysterisch geschrien hat. Der Bub ist weiterhin schwierig, doch er brüllt nicht mehr. Die Schülerin, bei der wir befürchteten, sie würde nie lesen lernen. Jetzt, mit zehn Jahren, hat sie’s. Mütter, die selbst gemachte Speisen zu allen Festen mitbringen. Lehrerinnen, die ihren Schülern nicht nur Schokoladeosterhasen, sondern auch Gelatine-freie Gummibärchen zum Ramadan-Ende schenken.
Manch fehlendes „Ausflugsgeld“ wird von Lehrpersonen bezahlt. Tragen Lehrausgänge doch viel zur Integration bei. Genügt dies, um sagen zu können: „Alles in Ordnung“? Wer über bedenkliche Entwicklungen schweigt, vertuscht sie. Unlängst wurde ich gefragt, weshalb manche Lehrer öffentlich kundtun: Alle Integrationsprobleme sind lösbar, wenn die Schule nur will und mehr Geld bekommt. Möglicherweise sind sie so mit dem eigenen „Gutsein“ beschäftigt, dass sie völlig übersehen, Gutes zu tun. Das hieße nämlich: Laut aufzuzeigen, was tatsächlich an ihrer Brennpunktschule schiefläuft.
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