Fragen an Parteichefs

Wie schlimm waren die Top-Politiker in der Schule?

Wien
05.04.2025 06:00

Wir haben den Spitzenkandidaten zur Wien-Wahl drei Fragen zum Bildungsthema gestellt, etwa wofür sie Klassenbucheinträge kassierten.

Eine Woche lang haben wir über das Bildungssystem in Wien berichtet, ließen, Schüler, Experten und Direktoren zu Wort kommen. Die Probleme sind offensichtlich. Viele Erstklässler können nicht ausreichend Deutsch, es gibt zu wenige Lehrer, zu wenige Unterstützungskräfte und mancherorts zu wenig Räumlichkeiten. Zu Bildung gehört auch die Wissenschaft. Besonders seit Corona ist ein Teilen der Bevölkerung eine Skepsis, manchmal sogar eine Ablehnung gegenüber Forschung und wissenschaftliche Erkenntnisse herangewachsen. Was ist wahr, was falsch, wem können wir noch trauen? Heute sind die Politiker am Wort.

Wir haben den Spitzenkandidaten der fünf Rathausparteien drei Fragen gestellt. Wie sie Deutschdefizite bei Schülern und der wachsenden Wissenschaftsfeindlichkeit begegnen wollen, lesen Sie rechts. Und dann gibt es die persönliche Frage, diesmal zum eigenen Verhalten in der Schule.

Klassenbucheintrag für Fehlverhalten in der Schule. Eine – wenn auch nicht sehr starke – Disziplinarmaßnahme, die es bis heute in den Schulen gibt. (Bild: stock.adobe.com - Picture-Factory)
Klassenbucheintrag für Fehlverhalten in der Schule. Eine – wenn auch nicht sehr starke – Disziplinarmaßnahme, die es bis heute in den Schulen gibt.
Frage 1
Rückblick auf die eigene Schulzeit: Was war ihr schlimmster Eintrag im Klassenbuch bzw. Mitteilungsheft?

So antworten die Spitzenkandidaten:

Michael Ludwig (SPÖ): Spielt lieber Basketball. 

Bettina Emmerling (NEOS): Ein gemeinsamer Streich. Wir haben alle gleichzeitig im Unterricht die Regenschirme aufgespannt – die ganze Klasse hat einen Eintrag kassiert.
Karl Mahrer (ÖVP): Ich hatte eigentlich nie Probleme mit Lehrern. Bis heute diskutiere ich gerne mit ihnen, wie man den Unterricht so gestaltet, dass alle Kinder mitkommen. Meiner Meinung nach ist die Grundvoraussetzung dafür die Sprache. Es macht mir große Sorgen, dass jedes zweite Kind in Wien bei Schuleintritt kein Deutsch spricht.

Dominik Nepp (FPÖ): Musterschüler war ich keiner, aber die Schwammschlacht im Klassenzimmer war zuviel.

Judith Pühringer (Grüne): Schlimme Einträge gab es nie. Zuspätkommen aber schon.

Frage 2
Jeder zweite Erstklässler kann kaum Deutsch. Was ist Ihr Rezept dagegen?

So antworten die Spitzenkandidaten:

Michael Ludwig (SPÖ): Beitragsfreie Kindergärten, über 100 Ganztagsschulen, kostenfreie Nachhilfe – ein so umfassendes Bildungsangebot gibt es nur in Wien. Zudem setzen wir mit einem Sprachförder-Schwerpunkt im Kindergarten, dem Ausbau der Sprachförderkräfte sowie Summer City Camps mit Schwerpunkt Deutschförderung gezielte Maßnahmen. 

Bettina Emmerling (NEOS): Deutsch ist kein Wahlfach. Wir setzen auf ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, verpflichtende Sommerdeutschkurse, engmaschige Sprachstandserhebungen und gezielte Förderung durch Sprachförderkräfte und Lesepaten.

Karl Mahrer (ÖVP): Unter anderem braucht es Sprachstandsfeststellungen für alle Kinder ab drei, Kindergartenförderung nur bei Deutschförderung, deutlich mehr Sprachförderkräfte und drei Jahre Kindergartenpflicht für alle Kinder, die nicht ausreichend Deutsch können. Damit alle Kinder eine Chance haben und nach dem Kindergarten Deutsch können.

Dominik Nepp (FPÖ): Wir fordern ein verpflichtendes Sprachscreening ab dem 3. Lebensjahr. Durch eine frühe Sprachfeststellung lässt sich rechtzeitig gegensteuern. Kinder müssen mit Eltern in verpflichtende Deutschkurse, wenn die Überprüfung negativ ausfällt. Damit wollen wir ein Niveau bei Schuleintritt erreichen, mit dem die Kinder dem Unterricht folgen können.

Judith Pühringer (Grüne): 80% der Erstklässler, die kaum Deutsch können, waren mindestens zwei Jahre in einem Kindergarten. Das zeigt ein Systemversagen. Wir brauchen pro Gruppe eine Sprachförderkraft, die fixer Bestandteil des Teams am Standort ist. In Wien muss gelten: Allen Kindern alle Chancen – davon sind wir derzeit leider weit entfernt. Wir wollen das ändern.

Besonders seit Corona stehen Teile der Bevölkerung der Wissenschaft zunehmend ablehnend gegenüber. (Bild: Rojsek-Wiedergut Uta)
Besonders seit Corona stehen Teile der Bevölkerung der Wissenschaft zunehmend ablehnend gegenüber.
Frage 3
Wie wollen Sie angesichts der wachsenden Wissenschaftsfeindlichkeit die klügsten Köpfe der Welt nach Wien holen?

So antworten die Spitzenkandidaten:

Michael Ludwig (SPÖ): Wien ist bereits führender Forschungsstandort mit 1.700 Einrichtungen und 50.000 Beschäftigten. Denn wir investieren in Wissenschaft, Digitalisierung und smarte Stadtentwicklung. Mit dem neuen Wissenschafts- und Kulturareal am Otto-Wagner-Areal schaffen wir Raum für Innovation und Exzellenz – so holen wir die klügsten Köpfe nach Wien. 

Bettina Emmerling (NEOS): Mit gezielten Anwerbekampagnen und schnellen Verfahren holen wir Spitzenforschung und innovative Unternehmen nach Wien. So stärken wir den Standort, schaffen Jobs und machen Wien zur Heimat für Fortschritt und Ideen.

Karl Mahrer (ÖVP): Der größte Hebel gegen Wissenschaftsfeindlichkeit ist Bildung – die schlecht ausgebildeten jungen Menschen von heute sind die Wissenschaftsfeinde von morgen. 

Dominik Nepp (FPÖ): Ich orte bei uns keine Wissenschaftsfeindlichkeit, jedoch einen denkbar unattraktiven Wirtschaftsstandort. Aufgrund zahlreicher bürokratischer Hürden sowie der Teuerung wird Wien mittlerweile gemieden. Zudem muss wieder viel mehr in die Forschung investiert werden. Wien war lange Jahre für Expats aus den diversen Bereichen erste Anlaufstelle.

Judith Pühringer (Grüne): Hohe Lebensqualität, gute Öffis und Bildung, leistbares Wohnen – alles das zieht Top-Fachkräfte an. Wien soll Hauptstadt für Innovation, Klimatechnologie und Kreislaufwirtschaft werden. Dazu braucht es attraktive Arbeitsbedingungen, Stipendien und Angebote für alle in den USA, für die eine Wissenschaftskarriere unter Trump nicht möglich ist. 

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