Die von US-Präsident Donald Trump verkündeten massiven Zollerhöhungen für ausländische Produkte haben laut Finanzexperten sogar die schlimmsten Befürchtungen übertroffen. An den weltweiten Börsen kam es am Donnerstag zu einem wahren Gemetzel. Auch am Freitag herrscht eine düstere Stimmung an den internationalen Märkten. US-Unternehmen leiden natürlich ebenfalls. Trump selbst ist zufrieden mit seinem „Befreiungsschlag“ für die USA. Auch sein Handelsminister frohlockt (siehe Video oben).
„Ich denke, es läuft sehr gut“, erklärte der US-Präsident gegenüber Medienvertretern am Donnerstagnachmittag, als er vom Weißen Haus zu einem seiner Golfklubs in Florida aufgebrochen war. „Das ist eine große Sache. Sechs bis sieben Billionen Dollar fließen nun zu uns. Wir haben noch nie so etwas gesehen. Die Märkte, die Börse und das Land werden einen Boom erleben“, lobte Trump sich selbst in höchsten Tönen.
Größter Schock seit Corona-Pandemie
Andernorts zittert man vor dem größten Schock seit der Corona-Pandemie. Kristalina Georgieva, Chefin des Internationalen Währungsfonds, warnte vor einem erheblichen Risiko für die Weltwirtschaft. „Wir sind noch dabei, die makroökonomischen Auswirkungen der angekündigten Zollmaßnahmen zu bewerten, aber sie stellen eindeutig ein erhebliches Risiko für die globalen Aussichten in einer Zeit schleppenden Wachstums dar“, sagte Georgieva in ihrer Stellungnahme zu den Risiken.
Die Welthandelsorganisation (WTO) fürchtet einen Rückgang im weltweiten Warenhandel um ein Prozent. Das entspreche einer Korrektur der aktuellsten Prognose um vier Prozentpunkte nach unten, teilte WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala in Genf mit. Sie äußerte sich tief besorgt. Die Situation könnte mit möglichen Vergeltungsmaßnahmen zu einem Zollkrieg eskalieren, der den Handel dann weiter beeinträchtigen würde.
Klar war bereits im Vorfeld: Die USA haben ein Handelsdefizit bei Gütern von 1200 Milliarden Dollar gegenüber dem Rest der Welt. Dementsprechend großflächig sollen quasi alle Staaten getroffen werden, um Importe in die USA zu verteuern und so Amerikas Produzenten zu bevorzugen. Die Zollspanne reicht von zehn bis 50 Prozent für besonders „unfreundliche Staaten“. Für die EU setzte Trump die Zahl von 20 Prozent fest. Für importierte Autos und Autoteile werden 25 Prozent fällig.
So hart treffen die Zölle Europa
Wie stark Europa insgesamt betroffen ist, hat das Wiener Wirtschaftsforschungsinstitut WIIW berechnet: Laut der Studie exportiert die EU insgesamt Fahrzeuge und deren Teile um 300 Milliarden Euro im Jahr. Bei einem angenommenen zollbedingten Rückgang der Ausfuhren in die USA um 25 Prozent verliert Europas Wirtschaft rund acht Milliarden Euro. Österreich würde demnach 0,21 Prozent seiner gesamten Exporte einbüßen. Stärker träfe es die Slowakei und Kroatien mit sogar um die ein Prozent, für Deutschland rechnet man mit 0,3 Prozent alleine am Autosektor.
Erzwingt Trump nun TikTok-Verkauf?
Die Regierung in Washington hofft natürlich, dass die Zollkeule zahlreiche Staaten zu Zugeständnissen bewegt. Trump zeigte sich offen für Gespräche über eine Zollreduktion, wenn ihm gute Angebote unterbreitet werden. Mit Blick auf China würde auch grünes Licht für den Verkauf des Kurzvideodienstes TikTok einen Nachlass bedeuten. Er würde ein derartiges Geschäft in Betracht ziehen, sagte der Präsident am Donnerstag vor Journalisten an Bord der Air Force One. Nach seinen Worten ist ein Verkauf von TikTok in greifbare Nähe gerückt, mehrere Investoren seien daran beteiligt.
Die Zahl der Bieter für TikTok steigt, während der Samstag als Stichtag näher rückt. Der US-Kongress hatte wegen einer möglichen Bedrohung der nationalen Sicherheit mit großer Mehrheit ein Gesetz verabschiedet, das den chinesischen TikTok-Mutterkonzern ByteDance dazu verpflichtet, sein US-Geschäft bis zum 19. Jänner 2025 zu verkaufen. Ansonsten werde die Plattform landesweit gesperrt. Trump verlängerte diese Frist zunächst bis zum 5. April.
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