Wiener Konzerthaus

Wynton Marsalis: fabelhafter Geschichtenerzähler

Kritik
04.04.2025 13:38

Drei Tage begeisterte der amerikanische Jazzbotschafter Wynton Marsalis das Publikum im Wiener Konzerthaus. Am zweiten Tag stand seine Tätigkeit als Komponist im Mittelpunkt – und als fabelhafter Geschichtenerzähler.

Farbenpracht und Vielfalt prägen das Leben und genau so zeichnet Trompeter, Komponist und Bandleader Marsalis die beiden musikalischen Portraits, die nun zum ersten Mal in Wien zu hören waren. Die hinreißende Umsetzung übernahm dabei das bestens eingestimmte Radiosymphonie Orchester - RSO Wien unter Leitung von Marin Alsop mit kongenialer Ergänzung durch die österreichische Trompeterin Selina Ott und das Jazz at Lincoln Center Orchestra - JLCO sowie dem charismatischen Publikumsliebling selbst.

Der Witzbold der Instrumente 

Die Trompete sei der Witzbold der Instrumente, meint der 1961 in New Orleans geborene Marsalis, und sie kann auch wunderbar Trost spenden. Sie kann widerspenstig sein und chaotisch, traurig, einfühlsam und ausgelassen. Durch all diese Möglichkeiten führt Marsalis‘ Konzert in sechs Sätzen für Trompete und Orchester mit der jungen Selina Ott in der Soloposition und dem RSO Wien.

Da sind die Fanfarenklänge eingebettet in das rhythmische Strahlen des Orchesters, tanzt die Melodie beschwingt voran, macht einen Ausflug in spanische Gefilde und gibt sich anmutig dem Blues hin. Lieblichkeit kippt in dissonante Schrille wie ein Weckruf, bis zum Schluss der ungezähmte Harlekin hüpfend, springend, dramatisch expressiv den Schlusspunkt setzt. Reiche poetische Quelle für die Bilder im Kopf.

Expedition im Großstadtdschungel 

Für den Soundtrack der rastlosen Metropole New York mischt sich dann das JLCO unter die Kolleginnen und Kollegen des RSO Wien und man begibt sich in Marsalis Symphonie Nr. 4 in den Großstadtdschungel. Eine prall gefüllte Expedition in sechs Episoden durch die Stadt: Atemlos, gehetzt und unbarmherzig, liebevoll, wehmütig und dramatisch. Großstadtlärm und Glockenläuten und in guter Tradition Bigband-Sound mit verbindendem Streicherklang. Ragtime, ein Marsch mit Augenzwinkern und Broadway-Stimmung. Kurze Erinnerungen an George Gershwin und Leonard Bernstein und ihre in Ton gesetzten Schilderungen der Atmosphäre der Stadt.

Und gleich wieder Szenenwechsel zum nächsten Schauplatz, der letztlich zwischen Verlorenheit und Chaos einen eher düsteren Befund offenbart. Bisweilen übernehmen die Herrschaften des JLCO kurzzeitig das Ruder und spielt auch Marsalis ein inspiriertes Solo. Dann schöpft man wieder aus dem vollen Klang mit dem höchst enthusiasmierten RSO und der vom Rhythmus mitgerissenen elegant tänzelnden Marin Alsop. Präzise und bestens aufeinander abgestimmt. Und vom Publikum frenetisch bedankt.

Porträt von Verena Kienast
Verena Kienast
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