Es brodelt gewaltig rund um den ORF: Kaum ist der Staub um die veröffentlichten Spitzengehälter verflogen, steht der Öffentlich-Rechtliche schon wieder am Pranger. Im Fokus der Kritik steht diesmal der ORF-Webauftritt. Sogar ein möglicherweise rechtliches Nachspiel droht. Wie sehen Sie das: Kommt der ORF seinem Auftrag gegenüber der Öffentlichkeit nach oder ist das Vertrauen verspielt?
16 Millionen Euro - so viel kassiert der Gagenolymp der ORF-Mitarbeiter am Küniglberg. Doch viel Zeit zum Staunen über diese Luxusgehälter bleibt nicht, sorgt eine Recherche der „Oberösterreichischen Nachrichten“ zur „blauen Seite“ des ORF bereits für den nächsten Wirbel rund um den Staatsfunk. Dem Sender wird vorgeworfen, deutlich mehr Textbeiträge zu veröffentlichen als das ORF-Gesetz erlaubt. Der ORF widerspricht und sieht sich zu Unrecht beschuldigt.
ORF kostenlos, Verlage chancenlos?
Kritiker werfen im Zuge dessen dem ORF vor, mit ORF.at den Medienmarkt zu verzerren. Zu zeitungsähnlich sei die Nachrichtenseite des ORF. Als öffentlich finanzierte Plattform stellt der Sender journalistische Inhalte kostenlos zur Verfügung und gräbt damit privaten Medien das Wasser ab, die auf Abos und Werbeeinnahmen angewiesen sind: kostenfreie Inhalte auf Kosten der Verlage, finanziert von allen. Das verstärkt die Sorgen vor einer Monopolstellung des öffentlich-rechtlichen Senders. Was als Service für alle gedacht ist, könnte langfristig zum Problem für viele werden: für die Medienvielfalt, den Markt – und letztlich auch für den mündigen Diskurs.
Beitragspflicht, Einfluss, Intransparenz
Aber nicht nur da drückt der Schuh am Küniglberg: Den verpflichtenden ORF-Beitrag empfinden viele Bürger als ungerecht, vor allem, wenn sie das Angebot gar nicht nutzen, und der Vorwurf parteipolitischer Einflussnahme auf Postenbesetzungen und Berichterstattung rückt das Bild des Staatsfunks auch nicht gerader. Mangelnde Transparenz und Reformunwilligkeit tragen zudem ihres für die schiefe Optik bei.
Alle zahlen mit – doch für wen wird gesendet?
Obendrauf kommt wachsendes Unbehagen der Zuseher über Inhalte: zu viel seichte Unterhaltung, zu wenig kultureller oder bildender Anspruch. Oft beschränkt sich das Programm auf Dancing Stars und Sterndeutung. Zuschauer vermissen Ausgewogenheit, fühlen sich bevormundet oder nicht mehr abgeholt. Der ORF versteht sich als Stimme der Mitte. Doch ist er das noch? Oder driftet er immer weiter von jenem Österreich ab, das ihn mitfinanziert?
Wozu der ORF?
Trotz aller Kritik sind sich viele darüber einig: Ein funktionierender öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist ein wesentlicher Pfeiler der modernen Demokratie. In Zeiten von Fake-News und politischer Verrohung braucht es Medien, die unabhängig und verlässlich berichten, ohne sich Markt- oder Parteilogiken zu beugen. Er soll informieren, ohne zu manipulieren; aufklären, ohne zu verschleiern; einordnen, ohne zu spalten. Aber: Wird der ORF diesem Anspruch derzeit gerecht?
Halten Sie ORF.at für fair gegenüber privaten Medien? Wie stehen Sie zur verpflichtenden ORF-Abgabe? Finden Sie die hohen Gehälter im ORF gerechtfertigt? Erleben Sie den ORF als politisch unabhängig? Wie müsste ein zeitgemäßer öffentlich-rechtlicher Rundfunk für Sie aussehen? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen!
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