Maul- und Klauenseuche

Wöchentliches Nasebohren für Kuh und Schaf

Nachrichten
05.04.2025 21:53

Die Familie Griemann ist eine der wenigen Rinderbauern im Bezirk Neusiedl am See. Mehr als 500 Tiere beweiden die Wiesen im Hanság in Tadten. Am Freitag kam der Tierarzt Stichproben nehmen, ob eines der Rinder vielleicht die Maul- und Klauenseuche (MKS) hat. Kein Spaß für alle Beteiligten. 

Wir kennen es noch aus Corona-Zeiten: Mit einem langen Wattestäbchen „Nase bohren“, um den Virus, sollte er da sein, festzustellen. 

Wir Menschen sind mittlerweile größtenteils davon verschont, das zweifelhafte Vergnügen haben jetzt dafür tausende Tiere im Burgenland. In der Überwachungszone, sprich in den Gemeinden Deutsch Jahrndorf, Halbturn, Nickelsdorf und Mönchhof wird wöchentlich in den Nasen und Mäulern diverser Schafe, Ziegen, Alpakas und anderen Klauentieren herumgebohrt, um etwaige Fälle von MKS möglichst früh zu erkennen und reagieren zu können.

Tiere schon richtig verschreckt
„Die Schafe gehen schon keinem mehr zu“, schüttelt ein Tierbesitzer, der sein Vieh nur aus Liebhaberei zu Hause hat, in Deutsch Jahrndorf den Kopf. Er sollte, wenn der Tierarzt kommt, helfen sein Getier einzufangen. Damit der Veterinär seines Amtes walten kann. „Ich kann  mir nicht jedes Mal frei nehmen, wenn sich der Tierarzt ansagt. Meine Schafe sind auf der Weide“, reagiert der Mann logischerweise verärgert. Sogar die Idee die Tiere zu schlachten kam deshalb bereits auf. Wobei das eher kontraproduktiv wäre, will man das doch durch die diversen Maßnahmen an der Grenze verhindern. 

So sehen die Probestäbchen aus...  (Bild: Charlotte Titz)
So sehen die Probestäbchen aus... 
... mit denen dann in Nase und Maul der Tiere gebohrt wird.  (Bild: Charlotte Titz)
... mit denen dann in Nase und Maul der Tiere gebohrt wird. 

Denn, wie bereits des öfteren erwähnt: Hat ein Tier die Seuche, wird der gesamte Bestand gekeult. Plus alle anderen Klauentiere im Umkreis von drei Kilometern. 

Drama für Bauern
Das wäre für Michael und Tobias Griemann aus Tadten ein Drama. Die Familie hat mehr als 500 Angusrinder. Eine Herde, die über 32 Jahre gewachsen ist, die sich in den Hanság eingefügt hat und mit ihrer Beweidung für das typische Bild im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel sorgt. Nicht umsonst sind im Hanság und im Seewinkel in Illmitz und Apetlon noch Rinderherden unterwegs. Hier hat die Viehwirtschaft eine lange Tradition, weil die Tiere eine einzigartige, artenreiche Steppenlandschaft bewahren. 

Besuch vom Veterinär
Am Freitag bekamen die Griemanns und ihre Rinderherde zum ersten Mal Besuch vom Tierarzt. Die Probenahme stand stand an. Premiere für Veterinär, Bauern und Rinder. 58 Tiere wurden beprobt – fertig war man in einer Stunde. Aber nur, weil alles bestens vorbereitet war. Ein Teil der Herde war abgesondert in einem extra aufgestellten Verschlag. Denn normalerweise sind die Rinder frei, nur begrenzt von einem Weidezaun, unterwegs. Von Helfern wurden die Tiere dann in einen Fangstand  getrieben. Wollten sie vorne raus, ging es – zack – ihr Besitzer machte zwei Tore zu und nur der Kopf schaute noch heraus. Die Rinder konnten so zwar weder nach vorne noch zurück, Hals und Kopf der schweren Tiere blieben aber sehr wohl beweglich – und manch eine „Muh“ war nicht sehr begeistert, dass ihr ein Fremder mit einem komischen Stäbchen in Nase und Maul stocherte. 

„Bitte was will der weiß gekleidete Mann von mir?“ scheint diese treuherzig dreinschauende Kuh zu fragen.  (Bild: Charlotte Titz)
„Bitte was will der weiß gekleidete Mann von mir?“ scheint diese treuherzig dreinschauende Kuh zu fragen. 
Nach der Probe gings gleich ans Weiterfressen.  (Bild: Charlotte Titz)
Nach der Probe gings gleich ans Weiterfressen. 
Rein in Nase und Maul... kein Vergnügen für die Tiere. Wir erinnern uns an Corona. Auch für uns war es kein Spaß.  (Bild: Charlotte Titz)
Rein in Nase und Maul... kein Vergnügen für die Tiere. Wir erinnern uns an Corona. Auch für uns war es kein Spaß. 
Anfangs wurde nur in der Nase gestestet, jetzt müssen die Tierärzte auch im Maul einen Abstrich machen.  (Bild: Charlotte Titz)
Anfangs wurde nur in der Nase gestestet, jetzt müssen die Tierärzte auch im Maul einen Abstrich machen. 
(Bild: Charlotte Titz)

Schwerarbeit für Bauern und Veterinär und ziemlich nervenaufreibend für das Getier. Doch kaum war das Unangenehme vorbei und sie waren frei, war die Nase wieder im frischen Gras und man hörte genüssliches Rupfen und Kauen. „Wir haben natürlich Angst um unsere Existenz“, erklärt Michael Griemann. „Und wir würden uns mehr Seuchenteppiche wünschen. Die kosten nicht viel, sind aber effektiv. Leider gibt es sie aber nur an den Grenzen.“ 

Und wie ist jetzt das Prozedere? Die genommenen Proben kommen noch am selben Tag ins Labor und dann angesetzt. Innerhalb von 48 Stunden sollte es dann ein hoffentlich negatives Ergebnis bei allen Tieren geben. Denn hier ist negativ, definitiv positiv. Ob die Tierhalter dann verständigt werden, wenn alles in Ordnung ist, da war sich der Tierarzt nicht ganz sicher. 

Aber bleiben wir positiv und hoffen, dass keine negative Nachricht kommt. Verwirrend? Ja, ein bisschen. 

Ein Tier krank, alle tot
Nächste Woche bekommen die Griemanns schon wieder Besuch vom Tierarzt. Denn da wird die zweite Herde der Familie, die woanders grast, getestet. Falls am Freitag nicht ein positiver Fall dabei war. Dann nämlich werden alle Tiere getötet. Und nicht nur die Herde der Griemanns würde gekeult. Auch ein naher Betrieb mit hunderten Schafen wäre zum Tode verurteilt. Denn das Gesetz besagt, dass alle Klauentiere im Umkreis von drei Kilometern, wo ein positiver MKS-Fall aufgetreten ist, getötet werden müssen. 

Bleibt also für viele Rinder, Schafe, Schweine, Alpakas und Ziegen und ihre Besitzer – bäuerlich sowie privat,  zu hoffen, dass das Burgenland MKS-frei bleibt und es keine Massentötungen geben muss. 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt