"Schlieri" war baff. Wie Altmeister Noraki Kasai beim Skifliegen am Kulm seinen deutlich jüngeren Konkurrenten um die Ohren segelte - das verlangte dem rot-weiß-roten Super-Adler höchsten Respekt ab. Ehrfürchtig verbeugte sich Schlierenzauer vor "Opa Noriaki" nach dessen 197-Meter-Satz.
Im Juni wird Kasai 42 Jahre jung. Und denkt nicht daran, leiser zu treten. Der Sieg am Kulm, sein erster seit fast zehn Jahren, hat den "Jagdtrieb" in ihm offenbar zum x-ten Mal geweckt. "Ich habe noch keine Olympia-Einzelmedaille. Das ist mein nächstes Ziel."
Altmeister trumpfen auf
Dabei ist Kasai bei Weitem nicht der einzige Weltklasse-Athlet mit dem Vierer vorne. Ein (nicht repräsentativer) Streifzug durch verschiedene Sportarten beweist: Die Rentner-Gang muckt auf.
Noch wertet die Wissenschaft derartige Spitzenleistungen im "hohen" Alter als statistische Ausreißer. Ein Trend, wonach Spitzensportler ihren Job immer öfter mit über 40 ausüben können, lässt sich derzeit nicht konstatieren. Norbert Bachl, Facharzt für medizinische Leistungsphysiologie am Wiener Universitätssportzentrum Schmelz, führt mehrere Faktoren an, die für derartige Ausnahmeleistungen gegeben sein müssen. "Eine genetische Prädisposition muss natürlich gegeben sein", sagt er gegenüber krone.at. Ein straffes Bindegewebe sei von Vorteil, somit sei der Athlet weniger verletzungsanfällig.
Viele Regenerationsphasen nötig
Ebenso essenziell sei konstantes Hochleistungstraining. "Besonders wichtig aber scheinen mir längere Regenerationspausen", sagt Bachl. "Athleten, die ihren Körper schonen und nicht von Wettbewerb zu Wettbewerb hetzen, haben bessere Chancen, länger vorne mitzumischen."
Auch komme es darauf an, in welchem Alter man in den Spitzensport einsteige. "Wenn jemand beispielsweise schon mit 17 in der Mühle drinnen ist, dauert die Zeit des Hochleistungsalters vermutlich nicht so lang. Je später es hinein geht, desto länger kann man Spitzensport betreiben."
Gut für die österreichischen Adler, dass Kasai sein Weltcup-Debüt schon mit 16 gegeben hat. Nicht auszudenken, wie lange er "Schlieri" und Co. noch sekkieren würde, wäre er erst mit Mitte 20 in den Profibetrieb eingestiegen.
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