Aufregung bei der Skisprung-WM in Trondheim! Die Diskussion rund um nicht regelkonforme Anzüge erreicht mit den Aussagen von Skisprung-Legende Sven Hannawald ihren Höhepunkt. „Man wird quasi zum Schummeln gezwungen, wenn man vorn dabei sein möchte. Das ist doch nur noch frustrierend“, wetterte der 50-Jährige.
Der Hauptvorwurf? Einige Athletinnen und Athleten würden mit zu großen Anzügen springen, um mehr Auftrieb zu bekommen und dadurch weiter zu springen. Bei der WM in Trondheim wurden die Deutschen erst kürzlich von den Polen mit diesem Vorwurf konfrontiert. DSV-Adler Andreas Wellinger holte auf der Normalschanze sensationell die Silbermedaille, Karl Geiger wurde Vierter. „Entweder haben wir immer noch Schlupflöcher im Reglement und einige Leute wissen, wie man die Regeln umgeht, oder ich weiß einfach nicht, was hier los ist“, kommentierte Polen-Legende Adam Malysz den deutschen Überraschungserfolg. Auch die Österreicher waren von den Betrugsvorwürfen bei der Vierschanzentournee betroffen, als das ÖSV-Team einen Dreifachtriumph feierte.
Skisprung-Legende und ARD-Experte Sven Hannawald geht gegenüber der „Bild“ nun mit der FIS hart ins Gericht. „Es muss endlich ein Umdenken passieren. Die Entscheidungsträger sind in der Pflicht!“
Hannawald weiter: „Es ist einfach nur traurig, wie weit es gekommen ist. Die Nationen untereinander beschimpfen sich gegenseitig. Das kann doch nicht wahr sein. Es herrscht pures Misstrauen im Zirkus. Und warum? Weil die Verantwortlichen keine klare Linie haben.“
Im Sommer wurden die Regeln für den Anzug festgelegt, die Maße für Schultern, Schritt und Beine. Zu Beginn der Saison war das Feld eng, die Siege knapp, die Kontrollen streng. Jetzt scheint es in die falsche Richtung zu gehen. „Am Anfang war das alles fair, jetzt ist es vogelwild. Deutschland und Österreich kamen am besten mit den engeren Anzügen zurecht. Ihre Technik, mit etwas mehr Höhe vom Absprung, passte dazu. Andere Nationen, die immer auf mehr Fläche, also größere Anzüge gesetzt hatten, taten sich schwerer, kamen aber auch immer besser damit zurecht, wie z.B. Johann André Forfang“, erklärte Hannawald.
„Das sieht jemand mit sechs Dioptrien, ...“
Für die WM durften pro Springer zwei zusätzliche Anzüge angemeldet werden. Christian Kathol, Chefkontrolleur der FIS, musste diese genehmigen. „Das sieht jemand mit sechs Dioptrien, dass da Anzüge jetzt dabei sind, die nicht zugelassen werden sollten – wenn man sich an die Regeln vom Beginn der Saison halten würde“, schimpfte Hannawald.
Besonders auffällig ist der weite Anzug von Anna Odine Stroem, die bereits drei Medaillen in Trondheim abräumte. „Gib mir diesen Anzug und sogar ich springe wieder. Da weiß ich, mir kann nichts passieren, der fängt mich auf“, so Hannawald.
Von der Normalschanze holte Lokalmatador Marius Lyndvik Gold, für Hannawald unverständlich: „Lyndvik hat vor der Weltmeisterschaft, als das Reglement strikt war, oft nicht einmal den zweiten Durchgang erreicht. Und jetzt ist er Weltmeister, mit der gleichen Technik. Das ist alles wie in einem schlechten Film.“
„Man wird quasi zum Schummeln gezwungen, ...“
Die FIS habe während der Saison Schlupflöcher zugelassen, so Hannawald. „Jeder Springer, der seinen Sprung an den engeren Anzug angepasst hat, wird jetzt einfach nur bestraft. Während einer Saison den Sprung auf andere Anzüge umstellen, geht nicht einfach mal so. Mich nervt das nur noch so extrem. Man wird quasi zum Schummeln gezwungen, wenn man vorn dabei sein möchte. Das ist doch nur noch frustrierend.“
Sollte keine Lösung gefunden werden, „haben wir bei den Olympischen Winterspielen am Ende ein weiteres Vollchaos“, warnte Hannawald.
Die ÖSV-Adler haben nach dem verpassten Team-Favoritensieg am Samstag (15.45 Uhr) noch eine letzte Chance auf WM-Gold.
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