Ein Teil der Protestierenden bewegte sich nach dem offiziellen Ende der Kundgebung vom Heldenplatz über den Ring in Richtung US-Botschaft in der Boltzmanngasse. Die massiv vertretene Polizei in Alarmausrüstung riegelte die Gegend jedoch ab, worauf sich rund 400 Demonstranten über den Gürtel in Richtung Ottakringer Straße bewegten. Es kam zu mehreren gewalttätigen Scharmützeln mit der Polizei und Ausschreitungen. In der Ottakringer Straße befinden sich mehrere Lokale, die vorwiegend von Serben, Kroaten oder Kosovo-Albanern frequentiert werden.
In der Ottakringer Straße wurde ein Espresso mit Steinen und Flaschen beworfen, jedoch stellte sich die Exekutive auch hier den Demonstranten in den Weg. Dennoch gingen Fensterscheiben zu Bruch. Es kam zu heftigen Raufhandeln zwischen Polizisten und vorwiegend jugendlichen Demonstranten.
Schlägerei zwischen Serben und Kosovo-Albanern
In der Nähe des Europaplatzes kam es auf der Mariahilferstraße zu heftigen Schlägereien zwischen jugendlichen Serben und Kosovo-Albanern, nachdem einige - offenbar kosovarische - Burschen aus einigen Lokalen gekommen waren und "Kosova, Kosova" skandiert hatten. Es wurde auch eine albanische Fahne verbrannt.
Im Verlauf der gesamten Demo gab es sowohl unter den Demonstranten als auch der Exekutive Verletzte. So mussten mindestens zwei Polizisten verarztet werden. Ältere Teilnehmer an der Kundgebung versuchten, die aufgebrachten Randalierer zu beruhigen und von weiteren Gewaltakten abzuhalten.
Behinderungen im Straßenverkehr
Durch die Demonstration kam es auch zu Behinderungen im öffentlichen Verkehr, mehrere Straßenbahnlinien mussten abgelenkt bzw. verkürzt geführt werden. Zu Beginn der Veranstaltung unter dem Motto "Recht und Gerechtigkeit" hatten sich laut Polizei mindestens 5.000 Menschen am Heldenplatz eingefunden. Die Veranstalter sprachen von bis zu 10.000 Demonstranten. Viele Teilnehmer waren aus anderen Bundesländern, etwa aus Salzburg und der Steiermark, angereist.
Mit Dutzenden Transparenten und Parolen wie "Wir geben Kosovo nicht her" und "Kosovo ist das Herz Serbiens" ließen die Menschen ihrem Unmut freien Lauf. "Kosovo ist das Herz und die Seele Serbiens", "Kosovo war und wird immer Serbien bleiben", skandierten die Serben bei der sehr emotionalen Demo am Heldenplatz. Vertreter der serbischen Gemeinschaft in Österreich hielten Reden und sprachen von "Unrecht" und "Tragödie".
Vorgelesen wurden schriftliche Stellungnahmen von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und dem Autor Peter Handke. Beide ernteten viel Applaus. Hingegen gab es gellende Pfiffe bei der Erwähnung der Namen von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP). In Sprechchören riefen die Demonstranten auch immer wieder "Rusija" (Russland). Viele Buhrufe gab es für die USA und jene EU-Staaten, die den Kosovo anerkannten oder - wie Österreich - demnächst anerkennen wollen.
Initiatoren distanzieren sich von Gewalt
Die Initiatoren und Veranstalter der Kundgebung distanzierten sich am Abend von den gewaltsamen Vorfälle "auf das Schärfste", wie Darko Miloradovic von der "Serbischen Gemeinschaft" betonte. Es seien kleinere Gruppen von Jugendlichen gewesen, die eine an sich friedliche Veranstaltung für "Recht und Gerechtigkeit" eskalieren hätten lassen. Miloradovic bedauerte auch, dass es verletzte Polizisten gegeben habe. "Wir danken der Polizei für ihren Einsatz." Eine serbische Kundgebung fand auch in Salzburg statt. Dort gab es keine Zwischenfälle.
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