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16.02.2025

Bauen & Wohnen in Kärnten

Das Kreis­lauf­prinzip für private Bauherren

Ein Haus zu bauen, ist eine Entscheidung für Jahrzehnte. Doch was passiert, wenn es irgendwann renoviert oder gar abgerissen werden muss? Was passiert mit den Materialien? Kann man eventuell etwas wiederverwenden?

Holz gehört zu den belieb­testen und nach­hal­tigsten Bauma­te­ria­lien in Öster­reich. Foto: rh2010-stock.adobe.​com

In der herkömm­li­chen Bauweise bedeutet die Reno­vie­rung oder der Abriss eines Hauses meist große Mengen an Bauschutt und Sonder­müll. Das war in der Vergan­gen­heit in den meisten Fällen auch keine Frage der Einstel­lung oder über­haupt ein Entschei­dungs­kri­te­rium. Aber heute muss es nicht sein. Es geht auch anders: Das „Cradle to Cradle“-Prinzip zeigt, wie Häuser so konzi­piert werden können, dass sie später als wert­volle Rohstoff­quelle dienen. Ein nach­hal­tiges Konzept, das vor allem für private Bauherren span­nende Möglich­keiten bietet.

Nach­hal­tiges Bauen von Anfang an

Beim Bauen werden meist Mate­ria­lien fest mitein­ander verbunden, sodass sie am Ende ihrer Lebens­dauer nicht mehr sinn­voll getrennt und weiter­ver­wendet werden können. Schrauben statt kleben, sorten­reine Baustoffe statt Verbund­ma­te­ria­lien - schon kleine Ände­rungen in der Planung können dafür sorgen, dass ein Haus nach Jahr­zehnten nicht entsorgt, sondern „geerntet“ wird. Wer ein nach­hal­tiges Eigen­heim plant, kann bewusst auf umwelt­freund­liche, kreis­lauf­fä­hige Mate­ria­lien setzen. Dazu gehören:

Holz als Haupt­bau­stoff: Es spei­chert CO2, wächst nach und kann bei Abriss oder Umbau wieder­ver­wendet oder kompos­tiert werden. Ein Massiv­holz­haus kann beispiels­weise so gebaut werden, dass die Wände aus vorge­fer­tigten Modulen bestehen, die später leicht demon­tiert und erneut genutzt werden können.

Recy­cel­bare Dämm­stoffe: Hanf, Schaf­wolle oder Zellu­lose sind nicht nur biolo­gisch abbaubar, sondern auch atmungs­aktiv und regu­lieren das Raum­klima. Statt herkömm­li­cher synthe­ti­scher Dämm­stoffe lassen sich ökolo­gi­sche Alter­na­tiven verwenden, die nach dem Ausbau entweder weiter­ge­nutzt oder problemlos entsorgt werden können.

Sorten­reine Baustoffe: Ziegel oder Lehm können später problemlos wieder­ver­wertet werden, während klas­si­sche Beton­mi­schungen oft Sonder­müll erzeugen. Lehm­ziegel sind zudem feuch­tig­keits­re­gu­lie­rend und schaffen ein ange­nehmes Raum­klima.

Mit sortenreinen Baustoffen und Materialien kann man auch bei einem Abriss noch Geld machen. Foto: Nataliya-stock.adobe.com
Mit sorten­reinen Baustoffen und Mate­ria­lien kann man auch bei einem Abriss noch Geld machen. Foto: Nata­liya-stock.adobe.​com
Noch steckt diese Bauweise in den Anfängen, doch erste Projekte zeigen, dass nachhaltiges Bauen sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Foto: hanohiki-stock.adobe.com
Noch steckt diese Bauweise in den Anfängen, doch erste Projekte zeigen, dass nach­hal­tiges Bauen sowohl ökolo­gisch als auch wirt­schaft­lich sinn­voll ist. Foto: hano­hiki-stock.adobe.​com

Ein nach­hal­tiges Haus zu bauen bedeutet nicht nur, lang­le­bige Mate­ria­lien zu verwenden, sondern auch an das spätere Recy­cling zu denken. Einige einfache Prin­zi­pien können helfen:

Modu­lares Bauen: Wer ein Haus so plant, dass Wände flexibel versetzt oder Mate­ria­lien ohne großen Aufwand demon­tiert werden können, spart später Reno­vie­rungs­kosten und erhält die Bausub­stanz für künf­tige Gene­ra­tionen. Eine modu­lare Bauweise erlaubt es beispiels­weise, Räume ohne große Umbau­maß­nahmen an neue Lebens­si­tua­tionen anzu­passen.

Trenn­bare Verbin­dungen: Schrauben statt Kleben, Klemmen statt Zement - so bleiben Mate­ria­lien getrennt und können weiter genutzt werden. Trocken­bau­wände können ohne großen Aufwand entfernt oder umplat­ziert werden, wodurch sich Verän­de­rungen in der Raum­nut­zung unkom­pli­ziert umsetzen lassen.

Kreis­lauf­fä­hige Innen­aus­stat­tung: Boden­be­läge aus Natur­holz statt Laminat, Wand­farben ohne Schad­stoffe oder Möbel aus recy­celtem Mate­rial - wer hier auf nach­hal­tige Lösungen setzt, macht das Haus lang­fristig umwelt­freund­li­cher. Massiv­holz­böden können beispiels­weise abge­schliffen und wieder­ver­wendet werden, statt als Abfall zu enden.

Wirt­schaft­liche Vorteile

Nach­hal­tiges Bauen muss nicht teurer sein - im Gegen­teil. Lang­fristig spart es sogar Geld. Hoch­wer­tige, kreis­lauf­fä­hige Mate­ria­lien sorgen für eine längere Halt­bar­keit und vermeiden spätere Entsor­gungs­kosten. Zudem gibt es Förder­pro­gramme für ener­gie­ef­fi­zi­entes und nach­hal­tiges Bauen. Ein gut geplantes Haus kann in Zukunft sogar zum Wert­depot werden, wenn Baustoffe wieder­ver­wendet oder verkauft werden können, anstatt als Schutt zu enden. Bei der Demon­tage eines Hauses können hoch­wer­tige Baustoffe wie Fenster, Türen oder Holz­balken weiter­ver­kauft und in anderen Baupro­jekten genutzt werden.

Ein weiteres Argu­ment ist der Wohn­kom­fort: Natür­liche Mate­ria­lien schaffen ein gesundes Raum­klima, frei von Schad­stoffen oder künst­li­chen Dämpfen. Das sorgt für ein besseres Wohn­ge­fühl und kommt auch der Gesund­heit zugute. Studien zeigen, dass in Räumen mit natür­li­chen Baustoffen die Luft­qua­lität deut­lich besser ist als in Gebäuden mit synthe­ti­schen Mate­ria­lien.                                                     von Philipp Stewart

Info

Ein Abriss-Objekt kann so schnell als Bausatz für ein neues, modernes Gebäude dienen.