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02.04.2025

Krone Extra

Mit Katzin, Jubel und Eseln beginnt die Heilige Woche

Mit einem frohen Fest in die Woche der Wehklage: Der Palmsonntag wird in Kärnten mit Palmbuschen gefeiert, der je nach Region anders gebunden wird; am Schmerzensfreitag.

Fotos: kärnten museum

Zu den lieb gewonnenen Traditionen der vorösterlichen Zeit zählt das Palmbuschenbinden. Als Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzog, schnitten die Menschen „Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg“, heißt es im Matthäus-Evangelium. Palmblätter waren schon in der Antike ein Symbol des Sieges und der Huldigung. Die Leute jubelten und riefen: „Hosanna in der Höhe!“


Palmblättern Mangels nimmt man in unseren Breiten seit Generationen Zweige der Salweide und bindet sie zum Buschen, der am Palmsonntag in der Kirche gesegnet wird.


Natürlich ist die Art, den Palmbuschen zu binden, von Region zu Region unterschiedlich. Vor allem im Lavanttal nimmt man gern Buchs dazu, mancherorts zudem Wacholder. Während die einen die Zweiglein mit Draht zusammenhalten, beherrschen die anderen die Tradition, aus Trauerweidenästchen Ringlein zu drehen und zwar in ungerader Zahl, also 3, 5 oder 7. Einige gestalten aus Weidenästchen einen kunstvoll verschlungenen Griff.


Manche Buschen sind mit Äpfeln, Brezen und bunten Bändern geschmückt, die die Freude ausdrücken, welche die Menschen empfanden, als sie Jesus zujubelten.

In Unterkärnten sind die Weidenrutenbündel selbst lang - bis zu fünf Meter.„In Oberkärnten hingegen sind die eigentlichen Buschen eher kurz, werden aber auf mehrere Meter lange Haselstangen gesteckt“, weiß Historiker Roland Bäck, der das Vermittlungsteam im Kärnten Museum leitet.

Die Palmkatzln sollen den Segen, den sie in der Kirche erfahren haben, nach Hause bringen. Zweige werden in Herrgottswinkel und auf Äcker gesteckt. Bei Gewitter sollen sie im Herdfeuer Unheil verhindern. Ins Ohr gesteckt, soll ein Palmkatzerl Schmerz lindern. Gegen Halsweh wurden sie geschluckt. Und in gewisser Weise ist die Salweide auch Medizin, Kühe fressen sie nicht umsonst: Die Rinde enthält Substanzen, die der Acetylsalicylsäure sind, ähnlich ein Palmkatzerl wirkt also wie Aspirin.

Nach altem Brauch gibt es einen perfekten Tag zum Binden der Palmbuschen: den Schmerzensfreitag, den Freitag vor Palmsonntag - und zwar noch vor Sonnenaufgang. Einen Workshop bietet das Vermittlungsteam des Kärnten Museums daher am 11. April an: Von 7 bis 9 Uhr werden im Rudolfinum in der Museumgasse 2 in Klagenfurt Palmbuschen gebunden bei Kaffee und Kuchen. Anmeldung notwendig: 050 536-30547 oder erlebnis@kaernten.museum Kostenbeitrag 12 Euro.

Palmbuschen nach Oberkärntner Art werden am Samstag, 12.4. (10-12 Uhr; 10 €, Materialien vorhanden) im Freilichtmuseum in Maria Saal gebunden. Anmeldung erforderlich: 0664/ 6202417 oder freilichtmuseum@kaernten.museum

Weil es keine Osterjause ohne Reindling gibt, lädt das Kärnten Museums-Vermittlungsteam am Palmsonntag, 13.4. (10-12 Uhr), zum Backen ins Freilichtmuseum Maria Saal. Während der Teig im Rohr ist, machen sich die kleinen und großen Entdecker auf zu Abenteuern. Anmeldung erforderlich: 0664/ 6202417 oder freilichtmuseum@kaernten.museum - Beitrag: 9 €.

Gesegnet werden Palmbuschen in allen Kirchen. Wer das gern in der Natur erlebt, geht am 13. April zum Nassfeldkirchlein, wo Roland Stadler in einem Wortgottesdienst Palmbuschen segnet (10 Uhr).

Und wer am Palmsonntag als Letzter aufsteht, darf sich nicht wundern, wenn er als Palmesel verlacht wird.
Christina Natascha Kogler