W er durch Kärntner Dörfer spaziert, kann es förmlich riechen: Reindling im Ofen, Selchwürstel am Herd, frisch gefärbte Eier auf dem Fensterbrett. Und mittendrin: Kinder, die mit glänzenden Augen auf ihre Osternesterl warten oder beim Teigrühren helfen dürfen.
Ostern ist hier nicht nur ein religiöses Hochfest, sondern auch ein gelebtes Brauchtum, das Generationen verbindet. Schon Tage vor dem Fest beginnt in vielen Haushalten die Vorbereitung auf das Osterwochenende - mit liebevoller Hingabe, einer Prise Vorfreude und jeder Menge kulinarischer Tradition.
Der Reindling: Herzstück des Ostermahls
Kein Osterfest in Kärnten ohne Reindling. Dieses süße Germgebäck mit einer Füllung aus Zimt, Zucker und Rosinen gehört zur Osterjause wie das Amen zur Kirche. Oft wird er am Karsamstag in den Osterkorb gelegt, mit anderen Speisen in der Kirche gesegnet und am Ostersonntag gemeinsam gegessen.
In seiner klassischen Form wird er in einer Gugelhupfform gebacken, aber auch frei geformte Varianten gibt es. Besonders spannend: In manchen Familien wird der Reindling sogar mit einem Hauch Kakao oder Nüssen verfeinert.

Am Ostersonntag kommt zusammen, was zusammengehört: Geselchtes, Schinken, Kren, bunte Eier und frisches Brot. Das Zusammenspiel von Rauch, Schärfe und Milde ergibt jenen Geschmack, der nach Kindheit und Heimat schmeckt. Wer mag, legt sich zum Abschluss noch ein Stück Reindling dazu - süß auf herzhaft, wie es eben Tradition ist. Und wenn dann die Eier zum Pecken bereitliegen, beginnt der sportliche Teil.
Kaum etwas bringt mehr Aufregung als die Suche nach dem Osternesterl. Ob auf der Wiese oder im Wohnzimmer - Hauptsache versteckt. Neben Eiern und Schokolade gibt's oft auch kleine Überraschungen: ein Spielzeug, ein Buch oder etwas Selbstgebasteltes.
Die Nesterl werden traditionell mit Moos oder Heu ausgelegt, die Eier kunstvoll bemalt - oft schon Tage zuvor mit Zwiebelschalen oder Blättern verziert. Wenn dann am Ostersonntag die Jagd beginnt, ist die Freude groß, auch bei jenen, die nur zuschauen.


In den Tagen vor Ostern hört man sie wieder: die Ratschen. Kinder ziehen durchs Dorf, ersetzen das Glockenläuten und bringen Leben auf die Straßen. Dafür gibt's oft ein paar Münzen oder ein Stück Schokolade. Ostern in Kärnten ist kein Event, sondern gelebte Selbstverständlichkeit. Zwischen Reindling, Selchwürstel und Osternesterln entsteht jedes Jahr aufs Neue ein vertrautes Miteinander.