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20.10.2023

MOBILITÄT in Graz und Umgebung

Vom Pilot zum passiven Passagier

Bis der Computer das Fahren übernimmt, gilt es noch viele Herausforderungen zu meistern. Foto: Andrey Popov - stock.adobe.com

Je schneller wir autonomes Fahren ermöglichen, desto besser - urteilen zumindest Studien. Die Zahl der Verkehrstoten würde sinken. Doch ist es wirklich so einfach?

Trau, schau, wem“, heißt es. Und dies scheint auch die Frage zu sein, mit der wir uns in Zukunft beim Autofahren auseinandersetzen müssen: Sich vom Bordcomputer beim Lenken seines Wagens unterstützen zu lassen? Klar, das können sich alle vorstellen. Dem Computer aber vollständig das Steuer überlassen und stattdessen ein Nickerchen machen? Keinesfalls! Eine vom Beratungsunternehmen Deloitte an 25.000 Befragten durchgeführte Studie zeigt: Ganze 43 Prozent halten autonomes Fahren für nicht sicher.

Risikofaktor Mensch

Womöglich ist diese Skepsis unbegründet. Zu dem Schluss kommt etwa eine Studie der Denkfabrik RAND: Statt lange darauf zu warten, bis autonome Autos nahezu perfekt entwickelt sind, sollten Computer besser so früh wie möglich den Menschen als Fahrer ablösen. Vor allem dann, wenn Computer zuverlässiger lenken können als der Mensch. Da für rund 90 Prozent aller Crashs menschliches Versagen die Ursache ist, wäre dies längst überfällig. Allerdings brauchen auch Computer Fahrpraxis, um sich zu verbessern. Und diese sammelt man nur im regulären Straßenverkehr.

Messen mit zweierlei Maß

Auch Computer arbeiten nicht immer fehlerfrei. Zwar wissen sie gut, wie andere Computer fahren, sie haben jedoch Probleme damit, sich auf irrationales Fahrverhalten einzustellen: So starb etwa der Fahrer eines selbstfahrenden Tesla nach einer Kollision mit einem Lkw - der ihm zuvor allerdings die Vorfahrt genommen hatte. Die Reaktionen machten zudem ein Akzeptanzproblem deutlich: Während sich Entwickler autonomer Wagen nach jedem Unfall rechtfertigen müssen, werden Crashs durch menschliches Versagen einfach hingenommen. Und als liegen gebliebene Taxis nach mehr als 10.000 erfolgreichen autonomen Fahrten pro Woche - jüngst San Francisco in ein Verkehrschaos stürzten, machte man die Autos schnell zum Sündenbock. Die Schuld jedoch lag nicht an diesen: Ein Datenloch wegen Überlastung des Mobilfunknetzes unterband die Kommunikation der Taxis mit dem Host.

Level autonomen Fahrens

☐ Level null: Der Fahrer macht alles allein, das Fahrzeug bzw. der Computer unternimmt keinerlei Eingriffe.
☐ Level eins: Das Auto unterstützt den Fahrer mit Assistenzsystemen. Totwinkel-Warner & Co. machen so das Fahren erheblich sicherer.
☐ Level zwei: Das Auto übernimmt einzelne Aufgaben wie etwa das automatische Einparken oder der Stauassistent, der selbständig im Stau beschleunigt, bremst und dem vorausfahrenden Auto folgt. Level drei: Beim Fahren setzt der Wagen eigenständig den Blinker, wechselt die Spur oder passt sein Tempo dem Verkehr an. Der Autopilot kann den Fahrer aber immer noch auffordern, wieder das Steuer zu übernehmen.
☐ Level vier: Bei der Vollautomatisierung übernimmt der Wagen alle Funktionen, die zum Fahren gehören und gibt sie erst dann wieder ab, wenn der Computer mit einer Situation überfordert ist. ☐ Level fünf: Der Mensch am Steuer wird überflüssig. Der Wagen braucht nur noch eine Zieleingabe und die Freigabe zum Start.