Selbstbedienung

Hofläden: Sind die Steirer beim Zahlen ehrlich?

Steiermark
07.03.2021 10:00
In der Steiermark gibt es viele Hofläden mit Selbstbedienung – doch wird da auch gezahlt? Die „Krone“ hat nachgefragt.

Es ist den Stahlkappenschuhen, die Bio-Landwirt Anton Maurer bei der Arbeit auf seinem Hof in Trautmannsdorf trägt, zu verdanken, dass sein Fuß noch heil ist. Denn, wie berichtet, fuhr ihm ein Einheimischer mit dem Auto drüber. Zuvor hatte sich dieser an den Schmankerln in seinem Hofladen bedient, Ware im Wert von 90 Euro ohne zu bezahlen eingepackt und war losgefahren. Antons Tochter Sarah bemerkte den Alarm, den die Videoüberwachung auf ihrem Handy auslöste, und alarmierte den Papa. Wenig später konnte der Verdächtige, der auch noch betrunken war, von der Polizei angehalten werden.

Konsequenzen nach Vorfall gezogen
Vater und Tochter haben die Konsequenzen aus dem Diebstahl gezogen. Es war nämlich nicht das erste Mal, dass sich jemand kostenlos mit den aufwändig hergestellten Produkten aus dem Staub machen wollte. Maurer: „Davor haben wir unseren Laden 24 Stunden offen gehalten. Das wollen wir jetzt aber nicht mehr, ab sofort ist er in der Nacht zu.“

Nach den Erzählungen des Landwirts, der betont, dass solche Geschehnisse die Ausnahme seien, wollten wir von der „Steirerkrone“ wissen, wie es um die Ehrlichkeit der Steirer bestellt ist. Daher haben wir uns bei einigen Erzeugern heimischer Köstlichkeiten und Blumen durchgefragt. Auffallend: Etliche haben eine Videokamera installiert. „Die dürfte schon einige davor abschrecken, einen Blödsinn zu machen“, meint etwa Edith Schiffer von Schiffers Blumenstube. Generell seien die Steirer aber ein ehrliches Völkchen, das manchmal auch die Spendierhosen anhätte und Trinkgelder gebe, sind sich die Betreiber einig.

Köstliche Heidelbeeren zum Selberpflücken – ab Ende Juni ist das in Sonjas Beerenland in Leitersdorf im Raabtal wieder möglich. Doch wandert da nicht so manche Köstlichkeit direkt in den Mund anstatt ins Körbchen? „Naschen ist bei uns sogar ausdrücklich erlaubt. Der eine oder andere nutzt das vielleicht aus, aber uns stört das nicht“, sagt Chefin Sonja Pankarter. Auch lobt sie die Disziplin der Kundschaft, wie behutsam sie mit der schmackhaften Frucht umgeht. Und: „Das Feld ist zwar umzäunt. Aber auch in der Nacht wurde bei uns noch nie gestohlen.“

Bei Edith Schiffer, die mit Schiffers Blumenstube je ein Geschäft in St. Margarethen/Raab und Eggersdorf/Graz führt, ist alles videoüberwacht: „Sicher mit dem Hintergrund, dass etwas gestohlen werden könnte.“ Außerhalb der Geschäftszeiten können Blumen in einem eigenen Raum mit Selbst-Scan abgeholt werden. Worüber Schiffer sehr froh ist: „95 Prozent meiner Kunden sind Stammkunden und zutiefst ehrlich. Außerdem sind wir hier am Land, da kennt jeder jeden. In der Stadt hätte ich das vermutlich nicht so gemacht.“

Der eine oder andere lässt schon etwas mitgehen, gibt Christa Wonisch vom (videoüberwachten) Gemüsebauernhof Flucher-Plaschg-Wonisch in Hof bei Straden zu. „Ich weiß ja, womit ich meine Gemüsehaltestelle bestückt habe und wie viel Geld in der Kassa ist. Der Schwund hält sich aber wirklich in Grenzen.“ Neuerdings verkauft sie übrigens Köstlichkeiten von Erzeugern aus der Region (z. B. Suppen oder Hauptgerichte vom Haubenkoch) über den Automaten. „Das hat aber steuerliche Gründe und nichts mit möglicher Unehrlichkeit zu tun.“

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