Nur noch sechs von zehn Steirern sind mit ihrem Gehalt zufrieden. Prekär ist die Situation für Geringverdiener. Welche Branchen sind besonders betroffen?
Energiekrise und Teuerungswelle reißen ein riesengroßes Loch in die Geldbörsen der Steirer. Geringverdiener trifft der teurer gewordene tägliche Einkauf oder die wöchentliche Tankfüllung deutlich härter. „Es gibt Leute, die ihre Jobs gekündigt haben, weil sie sich den Sprit für die Fahrt zur Arbeit nicht mehr leisten können“, erklärt Michaela Göschl, Landesgeschäftsführerin der Gewerkschaft vida, in der viele Branchen aus dem Dienstleistungssektor organisiert sind.
Wie prekär die Lage ist, verdeutlicht ein Beispiel: „Eine Frisörin hat nach ihrer Lehrabschlussprüfung einen Einstiegslohn von 1605 Euro brutto für 40 Stunden. Da sind wir netto irgendwo bei 1300 Euro - das ist unter der Armutsgefährdungsschwelle.“
Wenn ein Job nicht zum Überleben reicht
Unlängst berichtete die „Steirerkrone“, dass immer mehr Arbeitnehmer in schlecht bezahlten Berufen trotz 40-Stunden-Woche Nebenjobs annehmen müssen. Laut Gehaltsportal Kununu sind rund 40 Prozent der Steirer mit ihrem Gehalt unzufrieden. Die Hälfte der steirischen Arbeitnehmer muss mit weniger als 2787 Euro brutto pro Monat (Medianeinkommen) auskommen, Frauen - bei einer Teilzeitquote über 50 Prozent - sogar nur mit 2109 Euro.
„Viele würden gerne mehr Stunden arbeiten, bekommen diesen Wunsch vom Arbeitgeber aber nicht erfüllt. Wieder andere können nicht Vollzeit arbeiten, weil die Kinderbetreuung fehlt“, weiß Göschl.
Folgende Branchen finden sich auf der Liste der am schlechtesten bezahlten Berufe in der Steiermark:
Privates Hauspersonal: 1372 Euro
Das geringste Medianeinkommen weist privates Hauspersonal, wie angestellte Gärtner, Hausmädchen oder Babysitter, auf. Nur 1372 Euro brutto verdienten diese im Schnitt 2020. Damit liegt ein Großteil der Gehälter unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle.
Land- und Forstwirtschaft: 1668 Euro
Insgesamt 5953 Angestellte gibt es im Bereich der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei in der Steiermark. Sie kommen auf ein Mediangehalt von nur 1668 Euro brutto pro Monat.
Gastgewerbe und Hotellerie: 1811 Euro
Eine der größten Branchen des Landes, in der es über 28.000 Beschäftigte gibt, beklagt oft, nicht ausreichend Personal zu finden. Die Jobs sind aber meist wenig einträglich. Die Hälfte der Angestellten dieser Branchen muss mit weniger als 1811 Euro auskommen.
Erziehung, Unterricht (ohne Lehrer): 1914 Euro
Ein Berufsfeld, in dem zuletzt der Ruf nach höheren Gehältern erhört wurde: Kindergärtnerinnen. Die Berufsgruppe Erziehung - ohne Lehrer - kommt auf ein Medianeinkommen von 1914 Euro. 49,4 Prozent der Angestellten wünschen sich bessere Bezahlung - Höchstwert aller Berufsgruppen.
Diese Summe fordert der Österreichische Gewerkschaftsbund als Mindestlohn in allen Kollektivverträgen. Netto entspricht das aktuell 1526 Euro. In einigen Branchen ist diese Summe auch nach vielen Jahren im Dienst außer Reichweite.
Körpernahe Dienstleistungen, u.a.: 1919 Euro
Frisörinnen, Kosmetikerinnen, Reinigungskräfte oder Wäschereiangestellte fallen in diese Gruppe. Zuletzt mussten 50 Prozent der Arbeitskräfte dieser Branchen mit 1919 Euro brutto pro Monat auskommen.
Kunst, Unterhaltung, Erholung: 2139 Euro
Angestellte von Wettbüros zählen ebenso in diese Gruppe wie der Verkäufer an der Kinokasse. Diese Berufe erzielten in der Steiermark ein Medianeinkommen von 2139 Euro brutto.
Gesundheits- und Sozialwesen: 2226 Euro
Auch die Pflege gehört zu jenen Branchen, in der nur unterdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten geboten werden. Die schlechter bezahlte Hälfte des Gesundheits- und Sozialwesens muss mit unter 2226 Euro monatlich auskommen.
Handel und Kfz-Mechaniker: 2277 Euro
In diesen Branchen klafft eine große Schere zwischen Männern und Frauen, deren Mediangehalt mit 1927 Euro um tauschend Euro unter jenem der Männer liegt - aufgrund des hohen Teilzeitanteils im Handel.
Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.