Handys im Klassenraum

„Man kann sie den Schülern eh nicht wegnehmen“

Steiermark
26.02.2024 20:00

Während Bildungslandesrat Werner Amon (ÖVP) laut über ein Handyverbot nachdenkt, werden die Stimmen dagegen immer lauter. Schüler- und Lehrervertretung fordern Regulierung statt Bann, um Schüler einen vernünftigen Umgang mit Handys beizubringen.

„Die Schule sollte ein Lebensraum sein, der die Schüler und Schülerinnen auf die Realität vorbereitet“, sagt Felicitas Lackner. Sie ist Landesschulsprecherin der AHS und spricht sich gegen ein Handyverbot im Klassenzimmer aus. „Handys sollten möglichst früh in den Unterricht integriert werden, auch wenn eine kritische Auseinandersetzung notwendig ist.“

Landesschulsprecherin kontert Bildungslandesrat
Damit kontert sie dem Vorstoß von Bildungslandesrat Werner Amon (ÖVP). Dieser sagte zuletzt: „Aus entwicklungspsychologischer Sicht sind Mobiltelefone während des Unterrichts bedenklich. Deshalb prüfen wir in der Steiermark gerade rechtlich, Mobiltelefone in der Volksschule und Sekundarstufe I während des Unterrichts zu verbieten.“

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Wir verbringen sowieso viel Zeit am Handy im privaten Bereich. Schulen können die Verantwortung nicht von sich schieben - sie müssen uns für die Realität vorbereiten.

Felicitas Lackner, AHS-Landesschulsprecherin

Doch mit einem Verbot würde die Schule nur die Verantwortung der digitalen Bildung von sich schieben, meint die Schülervertreterin. „Wir verbringen sowieso viel Zeit am Handy im privaten Bereich“, daran führe nichts vorbei. Auch an Schulen sollte daher ein vernünftiger Umgang geschult werden, damit nicht Eltern auf sich alleine gestellt sind.

Regulierung statt Verbot
Werner Strohmeier, Vorsitzender der steirischen Lehrervertretung, fordert statt Verboten schärfere Regulierung. „Man kann sie den Schülern eh nicht wegnehmen, aber über die Hausordnung könnte man beispielsweise ‘Handygaragen‘ einführen, wie sie bereits einige Schulen haben.“ Dadurch sei der Störfaktor während des Unterrichts eliminiert, die Erreichbarkeit in den Pausen aber gegeben. „Weil wir alle wissen, wie sehr Handys ablenken“, sagt Strohmeier.

Geteilte Meinungen unter Passanten

Sieglinde Greiner, 71: „Wie wir jung waren, habe ich auch heimlich unterm Tisch meinen Liebesroman gelesen. Auch wir hatten unsere Spompanadeln. Solange es nicht ausufert, sollten auch sie das dürfen.“ (Bild: Christian Jauschowetz)
Sieglinde Greiner, 71: „Wie wir jung waren, habe ich auch heimlich unterm Tisch meinen Liebesroman gelesen. Auch wir hatten unsere Spompanadeln. Solange es nicht ausufert, sollten auch sie das dürfen.“
Bernhard Frizberg, 70: „Ein Handyverbot wäre gut. Die Ablenkung ist enorm - die Schüler sollten sich auf das konzentrieren, was unterrichtet wird. Die Handys könnten aber trotzdem in der Hosentasche bleiben und in den Pausen benützt werden. Bei Verstoß gibt es dann eben strengere Konsequenzen.“ (Bild: Christian Jauschowetz)
Bernhard Frizberg, 70: „Ein Handyverbot wäre gut. Die Ablenkung ist enorm - die Schüler sollten sich auf das konzentrieren, was unterrichtet wird. Die Handys könnten aber trotzdem in der Hosentasche bleiben und in den Pausen benützt werden. Bei Verstoß gibt es dann eben strengere Konsequenzen.“
Verena Wenisch, 20: „Ich studiere gerade Volksschullehramt, da wird digitaler Unterricht bereits für Kinder gelehrt. Ich finde aber, Kinder sollten Kinder sein, da haben Handys nichts verloren. Im Gymnasium ist es etwas anderes, da geht es überhaupt nicht mehr ohne.“ (Bild: Christian Jauschowetz)
Verena Wenisch, 20: „Ich studiere gerade Volksschullehramt, da wird digitaler Unterricht bereits für Kinder gelehrt. Ich finde aber, Kinder sollten Kinder sein, da haben Handys nichts verloren. Im Gymnasium ist es etwas anderes, da geht es überhaupt nicht mehr ohne.“
Namik Baručija, 24: „Handys sind zwar ein gutes Tool, um zu lernen, aber meistens werden sie nicht klug eingesetzt. Ich bin für ein Handyverbot, weil sonst während des Unterrichts niemand aufpasst. In den Pausen wäre es aber okay.“ (Bild: Christian Jauschowetz)
Namik Baručija, 24: „Handys sind zwar ein gutes Tool, um zu lernen, aber meistens werden sie nicht klug eingesetzt. Ich bin für ein Handyverbot, weil sonst während des Unterrichts niemand aufpasst. In den Pausen wäre es aber okay.“

Hört man sich nach Meinungen auf der Straße um, so zeigt sich, dass die Thematik schon weit vor dem Digitalen eine Rolle spielte. „Wie wir jung waren, habe ich auch heimlich unterm Tisch meinen Liebesroman gelesen. Auch wir hatten unsere Spompanadeln“, sagt die Pensionistin Sieglinde Greiner. Scheinbar war aber auch damals ein Verbot schwer durchsetzbar. Strohmeier appelliert daher umso mehr an die Vorbildfunktion von Erwachsenen, die einen vernünftigen Umgang vorleben können.

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