Der erste Teil der Gemeindewahlen in Vorarlberg ist geschlagen. Die ÖVP musste in den Städten und großen Kommunen teils herbe Verluste hinnehmen. Dafür räumte die SPÖ in der Landeshauptstadt Bregenz ab, die FPÖ schnitt mancherorts teilweise stark ab. Und auch sonst gab es viele Überraschungen und einige enge Kisten.
Grafik: So haben die Vorarlberger Gemeinden gewählt
Die wichtigsten Meldungen im Überblick:
Ländle ist politisch bunter geworden
Die politische Landschaft in Vorarlberg war über Jahrzehnte alles andere als farbenfroh, zu dominant war das Schwarz der ÖVP. Das hat sich geändert, das Ländle ist bunter geworden. Davon zeugen auch die Ergebnisse bei der Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen am Sonntag.
SPÖ triumphiert in Bregenz, Schlappe für Volkspartei
Am erstaunlichsten ist wohl die Tatsache, dass der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch (SPÖ) bereits im ersten Durchgang mit 50,94 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit schaffte und somit sein Amt verteidigen konnte. Viele Beobachter waren von einer Stichwahl ausgegangen, hatte die Volkspartei doch das politische Schwergewicht Roland Frühstück in die Schlacht geworfen.
Doch das Projekt „Rückeroberung der Landeshauptstadt“ scheiterte kläglich, für Frühstück votierten gerade einmal 29,96 Prozent der Wählerinnen und Wähler. Auch bei der Wahl der Stadtvertretung war der Frühstück-Effekt, sofern es ihn gegeben hat, ein negativer: Während die Liste von Ritsch auf 42,7 Prozent der Stimmen kam, musste sich die ÖVP mit desaströsen 30,14 Prozent begnügen.
Stichwahlen in Feldkirch, Dornbirn und Lustenau
Es war nicht die einzige Klatsche, welche die Schwarzen am Wahlsonntag zu verdauen hatten. In Feldkirch etwa wird sich Amtsinhaber Manfred Rädler (ÖVP) in der Stichwahl am 30. März des Ansturms der Freiheitlichen Andrea Kerbleder erwehren müssen. Ebenfalls keine „gmahte Wiesn“ sind zwei Kommunen, in welchen der ÖVP-Kandidat vor fünf Jahren noch die absolute Mehrheit schaffte: In Vorarlbergs größter Stadt, Dornbirn, wird sich Julian Fässler (ÖVP), den die scheidende Langzeitbürgermeisterin Andrea Kaufmann gezielt als Nachfolger aufgebaut hatte, einer Stichwahl gegen Markus Fäßler (SPÖ) stellen müssen.
Und in Lustenau wird das Duell Patrick Wiedl (ÖVP) gegen Martin Fitz (FPÖ) entscheiden, wer das Erbe von Kurt Fischer (ÖVP) antreten darf.
Schwarzer Lichtblick in Bludenz
Ein paar lichte Momente gab es an diesem verregneten Wahlsonntag allerdings auch für die Schwarzen: Dass der Bludenzer Stadtchef Simon Tschann bereits im ersten Durchgang sein Amt verteidigen konnte, fällt sogar in die Kategorie „kleine Überraschung“ – zum einen, weil Tschann im Vorfeld – in erster Instanz – wegen Amtsmissbrauch verurteilt worden war und zum anderen, weil er es mit einem harten Gegner zu tun hatte: Doch SPÖ-Landeschef Mario Leiter scheiterte auch in seinem dritten Anlauf, den Bürgermeistersessel in der Alpenstadt zu ergattern.
Leiter war aber nicht die einzige tragische Figur bei den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen: So verpasste etwa der Lustenauer Grünen-Spitzenkandidat Simon Vetter die Bürgermeister-Stichwahl um gerade einmal 15 Stimmen. Und in Schruns fehlten Martin Sadjek (ÖVP) gar nur 8 Stimmen für das Bürgermeisteramt – neuer Ortschef wird Jürgen Haller von der Liste „metnand för Schru“.
Stichwahl auch in Götzis
Auch in Götzis (Bez. Feldkirch) kommt esin in 14 Tagen zu einer Stichwahl. Das Duell lautet Manfred Böhmwalder gegen Christoph Längle. Böhmwalder ist Bürgermeister und tritt für die ÖVP an, bei Längle handelt es sich um einen ehemaligen FPÖ-Politiker, der von 2014 bis 2019 im Bundesrat saß und 2020 die „Bürger-Bewegung Götzis“ gründete.
Sehr schwache Wahlbeteiligung
Wer am Wahlsonntag definitiv verloren hat: die Demokratie. Die Wahlbeteiligung lag bei nicht einmal 55 Prozent
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