Problem für Arbeiter:

Erst mit 67 in Pension? In vielen Jobs unzumutbar!

Wirtschaft
27.03.2025 05:40

Erst am Dienstag hat sich Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann erneut für eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters ausgesprochen. Doch ein Gesundheitsexperte warnt: In vielen Berufen würde es eine übermäßige Belastung darstellen, zum Beispiel bis 67 Jahre zu arbeiten.

Die Diskussion um die Erhöhung des Pensionsantrittsalters ist nicht neu. Die Regierung versucht angesichts der Budgetnöte, den Anstieg der wachsenden Pensionskosten zu dämpfen. Doch bleibt eine zentrale Frage: Ist die österreichische Bevölkerung überhaupt gesund genug, um länger zu arbeiten?

Während einige Berufsgruppen problemlos länger tätig sein können, ist es für andere eine enorme Belastung. Dr. Gerhard Klicka, Arbeitspsychologe und Chef des Beratungsunternehmens IBG, Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH mit 200 Mitarbeitern, gibt Einblicke, warum eine differenzierte Betrachtung nach Berufsfeldern nötig ist und welche Lösungen Unternehmen und Gesetzgeber finden müssen.

Wer über Jahre schwer arbeitet, hat eine kürzere Lebenserwartung
Die erste Frage ist, ob die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung überhaupt gut genug ist, um ein höheres Pensionsantrittsalter zu verkraften. Klicka: „Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt sehr stark von der Branche, dem Standort und der Art der Tätigkeit ab. Manche Berufe ermöglichen längeres Arbeiten, andere nicht. Wer über Jahre hinweg körperlich schwer arbeitet, hat oft eine kürzere Lebenserwartung – für diese Menschen ist es nicht zumutbar, über das reguläre Pensionsantrittsalter hinaus arbeiten zu müssen.“

Arbeitspsychologe Dr. Gerhard Klicka: „Mit zunehmendem Alter wächst die Gelassenheit, die Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen und die Fähigkeit, Menschen einzuschätzen.“ (Bild: IBG)
Arbeitspsychologe Dr. Gerhard Klicka: „Mit zunehmendem Alter wächst die Gelassenheit, die Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen und die Fähigkeit, Menschen einzuschätzen.“

Freilich gibt es, so Klicka, auch viele Jobs, in denen längeres Arbeiten durchaus machbar ist. Klicka: „In Berufen mit geringer körperlicher Belastung sieht es anders aus, etwa in der Wissenschaft oder im Management. Dort spricht nichts gegen eine längere Berufstätigkeit, und viele Menschen arbeiten bereits über das Pensionsalter hinaus.“

Der Experte nennt auch gleich einige Beispiele: „Bei uns gibt es Ärztinnen und Ärzte, die mit über 70 Jahren noch voll berufstätig sind. Ich kenne einige Kooperationspartner in den Bundesländern, die das genauso sehen – nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil sie ihre Tätigkeit als sinnstiftend empfinden. Diesen Menschen sollte man keine Steine in den Weg legen.“ Deshalb seien auch die von der Regierung geplanten steuerlichen Erleichterungen für weiterarbeitende Pensionisten sehr begrüßenswert.

Ob jemand körperlich oder geistig arbeitet, macht einen großen Unterschied
Doch wie kann eine differenzierte Betrachtung nach Berufsgruppen aussehen? „Das wird zur Gretchenfrage. Wir haben in der Schwerarbeiterfrage erlebt, dass nicht immer die Belastung ausschlaggebend war, sondern das Geschick der gewerkschaftlichen Vertretung“, sagt Klicka und ergänzt: „Ich kann mir objektive Kriterien vorstellen, wie man den Pensionszugang regelt. Es ist eine arbeitsmedizinische Tatsache, dass es im Alter einen großen Unterschied macht, ob jemand körperlich oder geistig arbeitet. Gerade in Industriebetrieben oder in der Produktion gibt es Tätigkeiten, die mit zunehmendem Alter schwerer zu bewältigen sind – etwa Nachtschichten oder körperlich anstrengende Arbeiten. Hier müssen Politik und Unternehmen Lösungen finden.“

Das geistige Potenzial bleibt in der Regel auch im Alter lange erhalten
Und was macht das Alter mit den Menschen im Arbeitsalltag? Klicka: „Es ist kein Geheimnis: Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt mit dem Alter ab, das geistige Potenzial bleibt in der Regel erhalten. Die zentrale Stärke Älterer ist die soziale Kompetenz. Mit zunehmendem Alter wächst die Gelassenheit, die Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen und die Fähigkeit, Menschen einzuschätzen. Ältere Menschen sind vielleicht nicht mehr so schnell oder körperlich belastbar, aber sie bringen Bedachtsamkeit, Erfahrung und Besonnenheit mit. Man kann sagen, dass man mit 60 oder 65 Jahren souveräner mit Situationen umgeht als mit 20!“

Freilich sind auch die Unternehmen und ihre Personalabteilungen gefordert, Mitarbeitern Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu bieten: „In der Personalführung ist es entscheidend, die Vielfalt der Generationen zu nutzen – vom Berufseinstieg über die mittlere Karrierephase bis hin zur letzten Berufsetappe. Wer 50 Jahre lang immer nur dieselbe Tätigkeit ohne jeden Stimulus ausübt, freut sich auf die Pension. Aber wenn Menschen sich weiterentwickeln können, ihre Stärken anerkannt werden und sie neue Herausforderungen finden, dann bleiben sie motiviert und leistungsfähig.“

Firmen, die die Alten vergraulen, stehen bald ohne Personal da
Angesichts der demografischen Entwicklung ist der Experte überzeugt: „Unternehmen, die sich nicht um ihre ältere Belegschaft kümmern, werden in fünf bis zehn Jahren akuten Personalmangel haben!“

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