Wie geht‘s nun weiter?

So trifft Trumps Zoll-Hammer auch unsere Waren

Wirtschaft
03.04.2025 05:58

Als „Tag der Befreiung“ bejubelte US-Präsident Donald Trump seine am Mittwochabend verkündeten massiven Zollerhöhungen für ausländische Produkte. Das US-Handelsdefizit soll dadurch sinken, der EU und Österreich drohen massive Einbrüche beim US-Export. Von den Autozulieferern bis zu den Winzern werden viele leiden. Nun wartet man auf den angekündigten „starken Plan“ der EU.

Wie genau Trumps Zoll-Hammer zuschlägt, wird man sehen, klar ist: Trump kündigte US-Zölle für Handelspartner weltweit an – mindestens zehn Prozent, für Waren aus China werden es 34 Prozent sein, für Lesotho gar 50 Prozent. Klar war bereits im Vorfeld: Die USA haben ein Handelsdefizit bei Gütern von 1200 Milliarden Dollar gegenüber dem Rest der Welt. Dementsprechend großflächig sollen quasi alle Staaten getroffen werden, um Importe in die USA zu verteuern und so Amerikas Produzenten zu bevorzugen.

Für die EU setzte Trump die Zahl von 20 Prozent fest. Für importierte Autos und Autoteile werden 25 Prozent fällig – und das bereits mit 0.01 Uhr am Donnerstag US-Ostküstenzeit (6.01 h MESZ) für Ersteres. Die USA sind, großteils über deutsche Hersteller, derzeit noch ein wichtiger Abnehmer für Österreichs Autozulieferer.

Viele Unternehmen mit Schwerpunkt in der Steiermark sowie Oberösterreich sind in dieser Branche direkt oder als Zulieferer, insbesondere für Autowerke in Deutschland, Ungarn und der Slowakei, gut im Geschäft. Das BMW-Motorenwerk in Steyr produziert etwa Antriebe für die BMW-Fabriken in den USA.

Gewisse Sorgen hat auch Markus Huemer, Chef des oberösterreichischen Kunststoffspezialisten Polytec. Allerdings meint er: „Die Auswirkung der Zölle wird übertrieben. Schon in den letzten Jahren hat sich die Fertigung in Europa wegen hohen Energiepreisen, Inflation, Zinspolitik und den Verbrenner-Plänen um 25 Prozent reduziert.“

Österreich dürfte laut Prognose 0,21 Prozent einbüßen
Wie stark Europa insgesamt betroffen ist, hat das Wiener Wirtschaftsforschungsinstitut WIIW berechnet: Laut Studie exportiert die EU insgesamt Fahrzeuge und deren Teile um 300 Milliarden Euro im Jahr. Bei einem angenommenen zollbedingten Rückgang der Ausfuhren in die USA um 25 Prozent verliert Europas Wirtschaft rund acht Milliarden Euro. Österreich würde demnach 0,21 Prozent seiner gesamten Exporte einbüßen. Stärker träfe es die Slowakei und Kroatien mit sogar um die ein Prozent, für Deutschland rechnet man mit 0,3 Prozent alleine am Autosektor.

Abgaben auf Stahl und Aluminium bereits in Kraft
Bereits in Kraft sind Abgaben auf Stahl und Aluminium von 25 Prozent. Das trifft bei uns vorwiegend die Voestalpine sowie den Alukonzern AMAG. Beide liefern allerdings vorwiegend Spezialprodukte etwa für Eisenbahnen oder Flugzeug-Hersteller. Dort sind sie schwer ersetzbar, so die beiden Firmen, sodass ihre Kunden die höheren Preise wahrscheinlich großteils bezahlen werden.

US-Markt für Winzer nach Trump-Ankündigung „de facto tot“
Großes Zittern herrscht eindeutig bei Österreichs Winzern. In der Vorwoche hatte Trump angekündigt, gleich enorme 200 Prozent Zoll auf Weine, Cognac, Champagner und andere Import-Alkoholika einheben zu wollen. Laut der Landwirtschaftskammer Wien ist der US-Markt nun „de facto tot“, US-Weinhändler hätten sofort ihre Bestellungen storniert. Das bekannte Weingut Mayer am Pfarrplatz bangt um ein Drittel seiner Exporte, das wären 80.000 Flaschen. Insgesamt verkauften die heimischen Weinbauern rund drei Millionen Liter im Wert von 20 Millionen Euro in die USA.

Für unsere Weinbauern ist der US-Markt derzeit „de facto tot“, sagt die Landwirtschaftskammer. Amerikanische Weinhändler bestellen nichts mehr. (Bild: Rojsek-Wiedergut Uta)
Für unsere Weinbauern ist der US-Markt derzeit „de facto tot“, sagt die Landwirtschaftskammer. Amerikanische Weinhändler bestellen nichts mehr.

Für Italiens Weinwirtschaft geht es sogar um einen Exportwert von zwei Milliarden Euro im Jahr, und auch Frankreich rechnet mit gewaltigen Einbrüchen vor allem bei Spirituosen, für die Amerika der wichtigste Auslandsabnehmer ist. 

Was wird der „starke Plan“ der EU?
Die Frage ist, wie die EU auf Trumps neuesten Zollreigen reagiert. Bis dahin setzten viele Länder ähnlich wie Österreichs Industriellenpräsident Georg Knill oder Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer auf Verhandlungen mit der US-Regierung, denn unter einem „Auge um Auge“-Handelskrieg würden alle leiden. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sucht seit Wochen um Gespräche mit der Trump-Truppe, blitzte aber bisher ab. Als Antwort auf Trumps Ankündigungen hat sie ihrerseits einen „starken Plan“ angekündigt.

Nun rechnen die Experten in Brüssel, welche finanziellen Folgen der Zoll-Hammer haben kann. Danach will man ebenso gezielt Gegenmaßnahmen im gleichen Ausmaß beschließen. Parallel versucht man, die Beziehungen zu Japan, Indien und sogar China zu vertiefen, um ein Gegengewicht zu Trumps Politik zu bilden.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament erwartet jedenfalls schwerwiegende negative Konsequenzen. „Diese ungerechtfertigten, illegalen und unverhältnismäßigen Maßnahmen können nur zu einer weiteren Eskalation und einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale für die USA und die Welt insgesamt führen“, sagte der deutsche SPD-Politiker Bernd Lange. Aus Sicht des Normalbürgers sei es kein „Tag der Befreiung, sondern der Inflation“.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde erwartet weltweit negative Auswirkungen. Der Schaden hänge davon ab, wie weit die Zölle tatsächlich reichten, wie lange sie andauerten und ob sie erfolgreiche Verhandlungen auslösten, sagte Lagarde am Mittwoch. Kritisch äußerte sich Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, die Trump eigentlich nahesteht. Sie nannte die neuen Zölle „falsch“.

Während Trump die USA mit den Zöllen „wieder reich“ machen und „zurück ins goldene Zeitalter“ führen will, befürchten viele, dass die Leittragenden der neuen Zoll-Linie die Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA sein werden.

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