Mitte Dezember geht der Koralmtunnel zwischen der Steiermark und Kärnten in Betrieb. Am Freitag veröffentlichte der Rechnungshof einen Prüfbericht zum Mega-Projekt: Er fällt nicht vernichtend aus, doch es werden Mängel kritisiert, insbesondere der große Zeitverlust bis zur Fertigstellung.
Während in den beiden Bundesländern Kärnten und Steiermark die Vorfreude auf die Tunneleröffnung steigt, blickt der Rechnungshof nochmals kritisch zurück bis ins Jahr 2004. Damals wurde im Koralmbahn-Vertrag die Fertigstellung für das Jahr 2018 geplant. Später wurde der Termin auf 2023 korrigiert. Nun wird es Ende 2025, ehe der Zugverkehr im fast 33 Kilometer langen Tunnel Fahrt aufnehmen kann.
Ausschlaggebend für die Verzögerung waren insbesondere geologische Schwierigkeiten beim Tunnelvortrieb. Es gab laut Prüfern mehrere Stillstände, eine verringerte Vortriebsgeschwindigkeit und einen erhöhten Maschinenverschleiß. 2016 und 2017 steckten die Riesen-Bohrer mehrmals tief im Berg fest. Insgesamt herrschte 538 Tage Stillstand beim Vortrieb.
Brisant: Noch Ende Jänner 2024 bestanden laut Rechnungshof „erhebliche Risiken“, dass der Termin Ende 2025 hält. Als Gründe genannt werden Lieferengpässe, der knappe Zeitraum für die Betriebsbewilligung sowie der angefochtene Bescheid für die 2023 in Betrieb gesetzte Zulaufstrecke in Kärnten (Klagenfurt bis St. Paul im Lavanttal).
„Diese Bedenken sind mittlerweile ausgeräumt, die Sorgen sind unbegründet“, meint ÖBB-Sprecherin Rosanna Zernatto-Peschel auf „Krone“-Anfrage. Schon in den nächsten Wochen würden die Testfahrten auf der Strecke beginnen.
Gesamtkosten stiegen um fünf Prozent
Die Gesamtkosten für das gesamte Projekt Koralmbahn (von Graz bis Klagenfurt) bezifferte die ÖBB-Infrastruktur AG Ende 2023 mit 6,139 Milliarden Euro. Die Kostensteigerung gegenüber 2012 war mit fünf Prozent (282,4 Millionen Euro) „relativ gering“. Einsparungen gelangen unter anderem durch Erfolge bei Auftragsvergaben.
Für die ÖBB gibt es Lob, weil sie das Projektcontrolling aktiv wahrnahm. Allerdings wurde nur das übergeordnete Projektmanagement mit eigenem Personal durchgeführt. Für wesentliche Aufgaben wie das Baumanagement und die örtliche Bauaufsicht wurden externe Firmen beauftragt. „Das birgt das Risiko eines Know-how-Verlustes“, mahnt der Rechnungshof. Zudem fielen dadurch hohe Kosten an, alleine für den Abschnitt Deutschlandsberg bis St. Andrä (inklusive Tunnel) waren es 12,30 Millionen Euro.
Keine eigene Haltestelle beim Flughafen Graz
Behandelt wird im Prüfbericht auch ein politisch heißes Eisen: eine eigene Koralmbahn-Haltestelle direkt beim Flughafen Graz. Ihre Errichtung wäre „durch vorgezogene Baumaßnahmen“ technisch möglich, steht aber nicht am Plan von ÖBB und Verkehrsministerium – sehr zum Ärger der steirischen Landesregierung, die seit Jahren Druck in Richtung Wien ausübt.
Der steirische Neos-Chef Niko Swatek kritisiert, dass die Landesregierung „mit Luftschlössern versucht, die Bevölkerung zu beruhigen“. Das Schicksal der Haltestelle sei nämlich längst besiegelt. Die Pinken wollen nun FPÖ-Verkehrslandesrätin Claudia Holzer befragen, wie sie Flughafen auch ohne Haltestelle besser an den öffentlichen Verkehr anbinden will.
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