Fast ein Drittel der Wahlberechtigten würde bei den Nationalratswahlen im nächsten Jahr sein Kreuz neben die FPÖ setzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage - obwohl sich von den Befragten zurzeit kaum jemand für das blaue Kernthema Asyl und Migration interessiert.
Herbert Kickl und die FPÖ bauen in der vom „profil“ beauftragten Umfrage ihren Vorsprung immer weiter aus. Eine Befragung hat ergeben, dass Stand heute 32 Prozent der Wahlberechtigten die Freiheitlichen wählen würden.
Das ist ein historischer Wert. Jörg Haider - den Kickl im Laufe der Jahre immer wieder als politisches Vorbild nannte - hatte 1999 mit 27 Prozent das beste Wahlergebnis für die FPÖ eingefahren. Der Unterschied zu damals: Heute sind die anderen Parteien deutlich abgeschlagen. Die ÖVP kommt nur auf 24 Prozent und hinkt den Freiheitlichen konstant hinterher. Inwiefern sich die wenig stilsichere „Normal“-Sommeroffensive auf das Ergebnis ausgewirkt hat, lässt sich nur mutmaßen.
SPÖ kommt nicht vom Fleck
Mit elf Prozent Rückstand belegt die SPÖ (21 Prozent) den dritten Platz. Die Sozialdemokraten haben ihren öffentlichen Auftritt mittlerweile komplett auf ihren neuen Vorsitzenden Andreas Babler zugeschnitten - bisher mit mäßigem Erfolg. Seitdem der 50-Jährige in der Löwelstraße das Sagen hat, kommt die Partei nicht recht vom Fleck. Interne Querschüsse, wie jüngst aus dem Burgenland, dämpfen den erhofften Babler-Boost.
Die Umfrage zeigt auch, dass die Grünen, die sich mit neun Prozentpunkten den vierten Platz mit den NEOS teilen, in ihrer bisherigen Regierungszeit besonderen Schaden genommen haben. 65 Prozent ihrer Wählerschaft zeigen sich mit der Arbeit der Regierung sehr oder eher unzufrieden. Beim Koalitionspartner ist es genau umgekehrt. 62 Prozent der ÖVP-Wähler sind eher oder sehr zufrieden.
Für die vom „profil“ beauftragte Umfrage beim Meinungsforschungsinstitut Unique Research wurden 814 Personen telefonisch und online befragt. Die Schwankungsbreite beträgt 3,4 Prozent.
Außerhalb der türkis-grünen Blase wird der Nehammer-Regierung ein sehr schlechtes Zeugnis ausgestellt. 72 Prozent stehen der Koalition eher oder sehr schlecht gegenüber.
Der blaue Höhenflug ist durchaus paradox, da die Befragten dem FPÖ-Kernthema Asyl und Migration aktuell wenig Dringlichkeit beimessen. Am wichtigsten ist den Wahlberechtigten das Thema Teuerung - und zwar mit Abstand. Danach folgen mit dem kränkelnden Gesundheitssystem und der heimischen Energieversorgung ebenfalls innenpolitische Themen. Erst dann geht der Blick ins Ausland. Das Thema Asyl und Migration liegt gleichauf mit dem Klimawandel auf Platz vier.
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